Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Barrierefrei promovieren!

So kann es weitergehen

Als ich neulich von der Uni nach Hause kam, rief ich meinen Freund an und erzählte ihm, dass ich am Nachmittag viereinhalb Stunden in der Bibliothek gearbeitet habe und nun gar nicht so erschöpft bin, wie ich erwartet hatte. Er lachte nur und meinte, es wäre genau das eingetreten, was er erwartet hätte – nämlich, dass mich die Doktorarbeit belebt.

Wenn ich mir das durch den Kopf gehen lasse, finde ich, er hat Recht. Zurzeit habe ich Spaß daran. Weil ich momentan die Interviews, die ich geführt habe, miteinander vergleiche und dadurch die ersten Ergebnisse herausarbeite, anstatt immer nur stupide an einem Text zu sitzen. Aber das ist es nicht alleine. Die Sache läuft insgesamt rund. Ich habe in den vergangenen Monaten zwei Hilfskräfte gefunden, die mich unterstützen. Und vom Freundeskreis der Erlanger Buchwissenschaft habe ich Gelder bekommen, damit ich die Arbeit dieser beiden Studentinnen nicht selbst bezahlen muss. Außerdem ist nun zum ersten Mal der Betrag, den ich von nun an monatlich als Stipendium bekomme, auf meinem Konto eingegangen.

Meine Doktormutter nimmt sich viel Zeit, um die Arbeit zu betreuen. Wir sitzen immer wieder zusammen und sprechen eine Reihe von Punkten durch. Auch das weiß ich zu schätzen. So wie es jetzt ist, kann es eigentlich weitergehen. Ich merke aber auch, dass ich mit meiner Behinderung um einiges langsamer arbeite als meine sehende Hilfskraft.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 11, 2015
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 11, 2015

Barrierefrei promovieren!

Ausgezeichnet

Tatsächlich bekomme ich für meine Doktorarbeit nun ein Stipendium. Nur habe ich das zunächst nicht so begriffen. Die Universität in Erlangen vergibt regelmäßig ein Stipendium der Erika-Giehrl-Stiftung. Als ich erfuhr, dass ich dieses Mal die glückliche Gewinnerin bin, wurde mir für einen Moment ganz heiß. Danach lief ein Kribbeln über meinen ganzen Körper, während ich allmählich, wie in Zeitlupe, begriff, was das für mich bedeutet: finanzielle Absicherung.

Deswegen bin jetzt froh und dankbar. Es fällt mir leichter, nach vorne zu schauen, denn der Druck, Geld verdienen zu müssen, lockerte sich ein wenig. Ich habe ein Stipendium. Das heißt aber auch, dass ich für ein weiteres Jahr an die Dissertation gebunden bin. Diese Arbeit muss für mich also die höchste Priorität behalten. Wie und wann ich arbeite, orientiert sich weiterhin vor allem an der Dissertation. Meine freiberufliche Tätigkeit als Biografin steht dahinter. Und das kann ich auch voll und ganz beherzigen, denn ich kann und will mich mit so einer Förderung nicht ausruhen. Im Gegenteil: Ich teile meine Zeit jetzt nach der Doktorarbeit ein. Und auch die räumlichen Gegebenheiten bleiben gleich. Ich promoviere in Erlangen, also wohne ich in der Gegend.

Ohne das Stipendium müsste ich mich weiterhin bei Verlagen bewerben und wäre vielleicht schon bald ganz woanders. Das verändert vieles. Doch warum haben sie sich ausgerechnet für mich und mein Projekt entschieden? Mit Stolz kann ich sagen: Weil ich blind bin!

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 3, 2015
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 3, 2015

Barrierefrei promovieren!

Auf und ab

Jeden Tag reiße ich ein Blatt von meinem Motivationskalender ab. Er ist dick und schwer. Um sicherzustellen, dass er stabil bleibt, habe ich nicht das billigste Papier ausgewählt. Aber den Kalender dann in der Hand zu halten, ist gerade so, wie sich auch die Doktorarbeit für mich anfühlt: schwer. Wie ein Berg scheint sie vor mir zu liegen. Aber mit jedem Tag wird dieser kleiner, wie auch der Motivationskalender an Gewicht verliert. Die abgerissenen Blätter werden immer mehr und ich hebe sie alle auf. So habe ich zwei Stapel – einen großen und einen kleinen. Und irgendwann, in einem halben Jahr, werden sie identisch sein, bevor das Gewicht auf die andere Seite kippt.

Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, ich schaffe es nie. Und mir gelingt nicht einmal das Pensum, das ich mir für eine bestimmte Woche vorgenommen habe. Dann fällt es mir doppelt schwer, mich hinzusetzen und durchzuhalten. Irgendwie kann ich mich an solchen Tagen nicht mehr motivieren. Aber dann kommen auch immer wieder Tage, an denen ich mir denke: So schlecht sieht es doch gar nicht aus.

Zum Beispiel habe ich verwundert festgestellt, dass ich, laut meinem Arbeitsplan, noch ganz gut in der Zeit liege. Bis Mitte Januar sollte der vierte Schritt der Auswertung abgeschlossen sein. Ich hatte Ende Dezember in Erinnerung. Und schon fällt mir die Arbeit wieder leichter und macht mir mehr Spaß. Solche Phasen nutze ich immer aus, bevor es wieder runtergeht.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Nov 27, 2015
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Nov 27, 2015