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Barrierefrei promovieren

Was bedeutet eigentlich „barrierefrei“? (Teil 2)

Als ich noch studiert habe, in meinem letzten oder vorletzten Jahr, erhielt ich eine sehr interessante E-Mail von der Universität. Ein Dozent suchte nach blinden und sehbehinderten Studenten, von denen er einiges erfahren wollte.

Ich war begeistert, dass sich jemand dafür interessierte. Mehr noch, weil es sich nicht um eine wissenschaftliche Studie handelte. Das Ziel sollte es sein, den Standort Erlangen für blinde Studenten attraktiver zu gestalten.

Sofort beantwortete ich die Fragen, die in der E-Mail enthalten waren. Danach dauerte es nicht lange, bis sich Herr Krebs, der Dozent, mit mir in Verbindung setzte. Wir vereinbarten ein Treffen für die nächsten Tage. Ich weiß noch, dass wir dann in den Park gingen. Eine angenehme Atmosphäre, um schwierige Themen zu besprechen.

Wir unterhielten uns lange. Herr Krebs hörte aufmerksam zu. Und er erklärte mir, was sein Anliegen war und was er erreichen wollte. Sicher, er konnte das nur langsam aufbauen. Aber Schritt für Schritt den Betroffenen das Studium erleichtern, den Austausch zwischen ihnen und der Universität fördern …

Einfach würde das nicht werden. Wir brauchten Zeit und Geduld. Zunächst ging es darum, dass Herr Krebs sich einen Überblick verschaffen wollte, wo die Probleme überhaupt lagen. Und dann würde er entsprechend reagieren.

Was er bis heute tut. Ich kann mich mit jeder Frage an ihn wenden, solange sie irgendwelche Einschränkungen betrifft, die ich als behinderte Doktorandin erlebe.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Oct 22, 2014
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Oct 22, 2014

Barrierefrei promovieren!

Was bedeutet eigentlich "barrierefrei"?

Dieser Blog heißt „Barrierefrei promovieren“. Bis zu meinen Magisterprüfungen im Wintersemester 2011/12 habe ich ihn unter dem Titel „Barrierefrei studieren“ geführt. Aber was bedeutet das eigentlich, barrierefrei?

Zu dieser Frage wurden schon mehrere Bücher verfasst. Richtig dicke Wälzer, die mir zeigen, wie vielschichtig das Thema ist. Oder wie kleinteilig.

Ich möchte anders herangehen: Was bedeutet barrierefrei für mich? Im Rahmen der Universität?

Zum Beispiel, dass ich in Vorlesungen und Seminaren Zugang zu allen Materialien erhalte, die meine Kommilitonen auch bekommen. Und dass diese Informationen so aufbereitet sind, dass ich sie ohne Probleme lesen und verarbeiten kann. Über die Schwierigkeiten, die bei Lehrveranstaltungen auftreten können, habe ich hier nicht nur einmal berichtet. Aber es geht auch anders. Denn ich besuche hauptsächlich die Kurse, die passgenau auf mich zugeschnitten sind. Auf meine Bedürfnisse, meine Fragen und meine Geschwindigkeit.

Klingt jetzt vielleicht wie ein kleines Wunder und ehrlich gesagt, manchmal kommt es mir genauso vor, aber Dr. Wolfgang Krebs hat mir diese Möglichkeit tatsächlich eröffnet. Er ist selber stark sehbehindert und kann deshalb wie kein Zweiter nachempfinden, was ein Blinder investieren muss, wenn er gemeinsam mit Sehenden studiert. Deshalb bemüht er sich, blinden und sehbehinderten Studenten in Erlangen Barrieren aus dem Weg zu räumen. Dafür möchte ich an dieser Stelle einmal Danke sagen.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Oct 14, 2014
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Oct 14, 2014

Barrierefrei promovieren!

Und wie geht es weiter?

Mein Freund machte sich ernsthaft Sorgen wegen des Gesprächs, das ich mit meiner Doktormutter führen würde, um zu klären, wie es nach meinem Klinikaufenthalt mit meiner Doktorarbeit weitergehen soll.

„Hier“, sagte er und reichte mir eine CD. Rhetorik-Tipps, damit ich mich besser vorbereiten könnte. Damit ich sicher auftreten und gut argumentieren würde. In einer Auseinandersetzung, die ich so nicht erwartete. Denn meine Doktormutter ist immer sehr freundlich zu mir. Hilfsbereit, zuvorkommend. Von dieser Seite befürchtete ich also keine Probleme.

Aber das Thema bereitete mir Bauchschmerzen. Das Material, das ich bereits gesammelt hatte und nun langsam auswerten wollte. Wie lange würde ich damit noch arbeiten können?

Ich hatte, noch in der Klinik, beim Lehrstuhl angerufen, um einen Termin mit meiner Betreuerin zu vereinbaren. Sie wollte sich Zeit für mich nehmen, deswegen passte es nicht in der nächsten, sondern erst in der übernächsten Woche.

Und dann war es soweit: Einen Tag, bevor ich aus der Klinik entlassen wurde. Es gefiel mir gut, dass wir den Termin so hatten einrichten können. Denn das bedeutete, ich musste danach noch einmal ins Krankenhaus zurück – und hatte dort einen Pfleger. Für den Fall, dass sich mit meiner Dissertation einiges nicht regeln ließ, ich deswegen wieder in eine Depression abstürzte und noch einmal eine Fachkraft brauchen würde, um die Situation zu besprechen. Mich neu zu sortieren …

Irgendwie würde ich das schon schaffen!

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Sep 23, 2014
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Sep 23, 2014