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Barrierefrei promovieren!

Wie weit kann ich gehen?

Manche Leute, die sich an meiner Umfrage beteiligen wollen, schreiben mir eine E-Mail. Andere rufen mich an. Und da kann es schnell einmal passieren, dass sie reden und reden, ohne wieder aufzuhören.

Bei einer Frau war das besonders intensiv. Sie erzählte mir so viel von ihrem Leben, dass ich fast schon ihre Biographie hätte schreiben können. Und das ist jetzt nicht übertrieben! Sie redete von allen möglichen Einschnitten und Wendepunkten, von tiefen Gefühlen, obwohl ich doch eigentlich nur ein paar Angaben zu ihrer Person notieren wollte. Alter, Beruf, Wohnsituation ... Nicht mehr. Doch die Frau war einsam, freute sich über einen Gesprächspartner und nutzte das so richtig aus.

Nach einer Viertelstunde deutete ich an, dass wir langsam zum Ende kommen sollten. Dass es nicht gut wäre, wenn sie mir vor dem Interview schon so viel erzählt. Aber sie erwiderte nur: „Das haben Sie doch bis dahin sowieso wieder vergessen.“

Dann redete sie weiter. Es vergingen noch einmal 15 Minuten, bis ich das Gespräch auf die radikale Weise beendete. Unvermittelt, aber entschieden. Denn ich bin doch kein Kummerkasten! Außerdem lief inzwischen ein Tennisspiel, das ich mir anschauen wollte.

So klingt das vielleicht ein bisschen hart. Aber die Frage ist doch: Wo sollte ich in so einem Fall die Grenze ziehen? Nicht nur für mich, sondern genauso aus wissenschaftlicher Sicht. Wie eng darf der Kontakt zwischen mir und meinen Interviewpartnern vor der Befragung sein? Wann ist es noch ein „sauberes“ Interview, frei von irgendwelchen Einflüssen?

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Dec 11, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Dec 11, 2013

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Interviewpartner gesucht

Immer wieder klingelt das Telefon. Außerdem bekomme ich etliche E-Mails, in denen sich geburtsblinde Menschen zu einem Interview bereit erklären. Ich muss aufpassen, dass ich nicht die Übersicht verliere.

Mein Aufruf, dass ich Interviewpartner suche, wurde über verschiedene Medien im Blindenwesen verbreitet. Darin bitte ich die Leute auch, mir bereits im Vorfeld ein paar Informationen zu geben: wie alt sie sind, ob sie zurzeit berufstätig sind und welche Menschen (blinde, sehbehinderte oder sehende) mit ihnen in einem Haushalt wohnen. Ich brauche diese Angaben, damit ich meine Stichprobe zusammenstellen kann.

Allerdings scheinen einige Personen nicht aufmerksam zu lesen. So erhalte ich Zusagen, bei denen die gewünschten Punkte fehlen. Meistens alle, manchmal nur der eine oder andere. Ich muss jedes Mal mit einer persönlichen Mail nachfragen, während ich mit anderen bereits schreibe, um einen konkreten Termin für das Interview zu finden.

Wieder andere melden sich, obwohl sie überhaupt nicht in meine Stichprobe passen. Zum Beispiel Personen, die nicht blind, sondern sehbehindert sind.

Oder ich habe zu viele Interessenten für eine Kategorie. Männer ab 60, die alleine wohnen, könnte ich mindestens schon drei befragen, aber vorgesehen ist da im Moment nur einer. Und welchen nehme ich dann?

Es fällt mir nicht leicht, die Datensätze zu verwalten. Ich fühle mich fast ein bisschen überfordert. Und es wird noch schlimmer werden: Bisher haben sich etwa 25 Leute gemeldet, die ich tatsächlich befragen könnte. Am Ende sollen es aber ungefähr 50 sein.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Nov 27, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Nov 27, 2013

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Jetzt geht's los!

Zweieinhalb Jahre lang habe ich mich, neben anderen Projekten, auf diesen Moment vorbereitet. Ich habe nach einem geeigneten Thema für die Dissertation gesucht, die Fragestellung entwickelt, mich in theoretische Ansätze und in die empirische Sozialforschung eingearbeitet, in Auswahl- und Auswertungsverfahren, habe ein Leitfadeninterview erstellt ...

Genauso habe ich mich lange damit beschäftigt, ein Kapitel zum Lesemediensystem zu entwerfen. Auch andere Abschnitte, zum Beispiel über frühere Studien zur Mediennutzung blinder Menschen, habe ich bereits formuliert.

Und dann bin ich endlich zum Kern meiner Arbeit vorgestoßen: zu den Interviews, die ich führen möchte. Am Sonntagabend habe ich damit angefangen. Vor dem Interview war ich nervös. Wenn ich den Überblick verliere? Oder eine Frage vergesse? Wenn es Schwierigkeiten gibt mit dem Aufnahmegerät oder mit dem Telefon? Wenn mich mein Interviewpartner irgendwie in Verlegenheit bringt? Vielleicht schaffe ich es auch nicht, die nötige Balance zwischen Distanz und Einfühlungsvermögen zu halten.

Das Gespräch dauerte eine Stunde und sieben Minuten. Es verlief angenehm, doch vor allem bekam ich das Gefühl, dass sich endlich etwas bewegt. Dass ich nicht mehr nur an meinem Schreibtisch sitze, Bücher wälze und mir den Kopf darüber zerbreche, wie es weitergehen kann. Jetzt beschäftige ich mich mit der Praxis. Spreche mit den Leuten, die etwas zu meinem Thema beizutragen haben. Das fühlt sich an wie Aufbruchstimmung. Ich empfinde Freude, aber auch Erleichterung, weil es endlich richtig losgeht.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Nov 21, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Nov 21, 2013