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Nicht irgendwo im Nirgendwo versinken (Teil 2)

Ich sitze da und lese in einem Buch, das mir für einen bestimmten Aspekt der Dissertation wichtig erscheint. Und plötzlich bleibe ich an einer Stelle hängen und denke mir: Das ist aber auch interessant. Das könnte ich doch vielleicht ... Ich besorge mir, was in der Fußnote dazu vermerkt ist. Dann lese ich weiter. Bis ich das nächste Mal auf einen Punkt stoße, der relevant sein könnte.

So entferne ich mich Schritt für Schritt vom Kern der Sache. Das passiert mit leider nicht nur bei einem Thema, zu dem ich mich informieren will, sondern bei mehreren. Immer wieder passiert es mir, dass ich Details nachgehe, obwohl sie in Wahrheit unbedeutend für meine Studie sind. Weil es mir immer noch schwer fällt, die Dinge richtig einzuschätzen. Und weil ich sichergehen möchte, nichts übersehen zu haben, das tatsächlich von Bedeutung gewesen wäre.

Häufig sind es Irrwege. Aber die Zwischenberichte an meine Doktormutter helfen mir, sie wieder zu verlassen. So können nur Tage ins Leere laufen, nicht Wochen oder Monate.

Denn einen Zwischenbericht zu schreiben, heißt automatisch, an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Da steht, welche Arbeiten geplant waren. Und von da aus schaue ich mir noch einmal an, womit ich die letzte Zeit tatsächlich verbracht habe. Wann bin ich wo abgebogen? Und warum? Im Zwischenbericht muss ich das alles darlegen. Und auf diese Weise mache ich mir auch selbst bewusst, dass ich mich längst nicht mehr dort befinde, wo ich sein sollte. Viele kleine, falsche Schritte sind am Ende ein großer. Und wenigstens der fällt mir garantiert auf.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  May 3, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
May 3, 2013

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Nicht irgendwo im Nirgendwo versinken

Alle drei Monate, also vier Mal im Jahr, muss ich meiner Doktormutter einen Zwischenbericht schicken. Darin steht, welche Arbeiten für den entsprechenden Zeitraum geplant waren und welche Fortschritte ich tatsächlich gemacht habe. Ich gehe auf Schwierigkeiten ein, die mich aufhalten oder vielleicht auch zurückwerfen. Ich führe Unklarheiten und offene Fragen auf, damit wir beide sehen, wo es Gesprächsbedarf gibt. Schließlich enthält der Zwischenbericht die Pläne für die nächste Etappe.

Am Anfang fand ich es lästig, immer wieder so einen Bericht zu schreiben. Ich brauche jedes Mal mehrere Stunden dafür. Und ich hatte zunächst nicht das Gefühl, dass mich diese Arbeit weiterbringt.

Aber schon bald habe ich erkannt, dass sie es doch tut. Der aktuelle Zwischenbericht dient einerseits als Grundlage für unsere Gespräche. Wenn ich mich mit meiner Betreuerin zusammensetze, können wir ihn Punkt für Punkt durchgehen. Direkt auf meine schriftliche Darstellung bezogen, bittet sie mich um weitere Erläuterungen. So behält sie einen guten Überblick über mein Projekt. Gleichzeitig kann ich mir sicher sein, dass uns nichts Wichtiges entgeht. Denn jede Frage, die ich mit ihr hatte besprechen wollen, ist auf Papier festgehalten. Und wir kommen, während wir den Zwischenbericht gemeinsam durcharbeiten, auf jeden Fall an ihr vorbei.

Aber das ist noch lange nicht alles. Denn andererseits helfen mir die Zwischenberichte, schon wenn ich sie verfasse, mich nicht irgendwo im Nirgendwo zu verlieren.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Mar 12, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Mar 12, 2013

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Locker bleiben

Ich kann neue Berge besteigen. Aber der Berg Promotion könnte vielleicht zu hoch sein. Und meine Doktormutter ist es, die mir das zu verstehen geben müsste. Mit ihrem Wissen und der Erfahrung würde sie erkennen, wenn ich nicht nur stolpere, sondern ein ernsthafter Sturz droht. Wenn es nicht mehr vorwärts geht.

Von dieser Gefahr bin ich tatsächlich weit entfernt. Und ich bin mir dessen auch bewusst. Doch dann habe ich wieder einen Termin mit meiner Erstbetreuerin, um die jüngsten Fortschritte zu besprechen und jedes Mal kriecht die Angst in mir hoch, dass ich dem entscheidenden Punkt doch näher gekommen sein könnte. Dass ich, ohne es selbst bemerkt zu haben, langsam, aber sicher auf einen Abgrund zuschliddere. Diese Angst nistet sich bereits Tage vorher bei mir ein und lässt sich dann nicht mehr vertreiben.

Sie ist idiotisch. Ausgesprochen irrational. Es kann ja überhaupt nicht sein, dass die gesamte Dissertation auseinanderbricht, nur weil es bei einem Abschnitt größere Probleme gibt. Und die größeren Probleme waren bisher auch nie so groß, dass sie sich nicht wieder beheben ließen. Im schlimmsten Fall setze ich mit dem Abschnitt noch einmal von Neuem an. Was doch auch kein Weltuntergang, sondern nur allzu verständlich wäre.

Aber Empfindungen fragen nicht nach der Vernunft. Sie kommen, um mir das Leben schwer zu machen. Dummerweise lasse ich mich immer schnell aus der Ruhe bringen und sehe, wo nur ein Kratzer ist, schnell einen Beinbruch. Mir fehlt die Kunst, locker zu bleiben.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Feb 13, 2013
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Feb 13, 2013