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Die Kunst der kleinen Schritte

Ich soll eine Doktorarbeit schreiben? Mehrere hundert Seiten? Manchmal schleicht sich bei mir das Gefühl ein, dass ich das nicht kann. Dass ich es nicht schaffen werde. Zuerst muss ich den Theorieteil ausarbeiten, dann einen Überblick über die Lesemedien geben, die blinden Menschen zugänglich sind. Als Nächstes sollte ich das Interview ausarbeiten. Dann muss ich die Interviews führen, mit schätzungsweise 30 bis 40 Betroffenen und anschließend auswerte, nach Kriterien, von denen ich bisher noch keine Ahnung habe. Ich fühle mich wie unter einer schweren Last, die mich erbarmungslos nach unten drückt. Das schaffe ich nicht!

Angst kriecht in mir hoch. Ich versuche, dagegen anzukämpfen, aber die Angst ist nicht alleine: Schnell kommt Nervosität hinzu. Und dann stärkt die Verzweiflung den beiden auch noch den Rücken. Alle drei verbünden sich gegen mich. Sie verwandeln sich in Panik, während ich meinen Emotionen hilflos ausgeliefert bin.

Spätestens wenn dieser Punkt erreicht ist, muss ich wieder zu mir kommen. Ich darf mich nicht von meinen Gefühlen überwältigen lassen, weil ich dann nur durchdrehen würde.

Denk nach!

So schlimm ist es doch auch wieder nicht.

Bleib ruhig!

Ich zwinge mich, einen anderen Weg einzuschlagen. Verbiete mir, in großen Blöcken zu denken. Es sind die kleinen Schritte, die mich vorwärts bringen. Viele kleine Schritte. Und ich muss einen nach dem anderen gehen, nicht alle auf einmal.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Sep 25, 2012
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Rubrik: studium
Sep 25, 2012

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Der Zeitfaktor

Letztlich kann ich also doch zufrieden sein, denn ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich bin nicht faul oder auf andere Weise nachlässig. Daher verliert sich an anderen Tagen das Empfinden, versagt zu haben. „Ich habe alles gegeben. Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen. Mehr kann keiner von mir erwarten.“ Nur, dass der Eindruck, falsch oder zu wenig zu arbeiten, häufig überwiegt und damit auch die Frustration immer größer wird. Eine Erinnerung gibt mir zu denken: Während der Weihnachtsferien – das muss im fünften Semester gewesen sein – lernte ich für die Zwischenprüfung in meinem Hauptfach Buchwissenschaft. Von früh am Morgen bis spät am Abend saß ich am Schreibtisch. Dankbar dafür, dass meine Mutter mir Einkaufen, Kochen und die übrigen Haushaltspflichten abnahm. Einmal am Tag las sie mir aus Ken Folletts „Die Tore der Welt“ vor. Oder ich ging mit meinem Vater spazieren. Aber ansonsten gönnte ich mir keine Pausen. Meine Eltern halfen mir, wo sie konnten, und ich ackerte, als gäbe es kein Morgen.

Heute könnte ich das nicht mehr. Fünf Stunden, dann lässt die Konzentration entscheidend nach. Und ich fürchte, ich habe mich überarbeitet. Nicht so sehr in den letzten Wochen und Monaten, sondern in früheren Jahren. Während meines Studiums vielleicht. Nach neun Semestern Absolventin zu sein, bedeutet mir viel. Aber wie lange kann ich einer solchen Beanspruchung trotzen? Und wie lange wird es noch dauern, bis ich auch den Doktortitel habe und beruflich so richtig Fahrt aufnehmen kann?

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Sep 3, 2012
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Sep 3, 2012

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Der Zeitfaktor

Bildung ist unverzichtbar. Und es heißt ja auch, dass wir unser Leben lang lernen. Aber wie lange dauert es, bis die erste große Phase abgeschlossen ist?

In meinem Fall sind es, wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, doch erschreckend viele Jahre:

Zunächst die Grundschule. Nicht vier, sondern fünf Jahre, weil das in der Blindeneinrichtung in Nürnberg so üblich ist. Dann neun Jahre Gymnasium. Später neun Semester Universität. Das war die Regelstudienzeit im Magister. Einige Studenten lassen sich wesentlich länger Zeit. Ich habe es auf den Punkt geschafft; mit Stolz – verlangt der Umstand meiner Behinderung mir doch einiges mehr ab als den Kommilitonen.

Dafür dürfte ich für die Promotion mehr Zeit benötigen, als vorgesehen ist. Sechs Semester beträgt hier die Regelstudienzeit. Drei liegen bereits hinter mir. Und ich kämpfe – seit den letzten Wochen jeden Tag. Seit Mitte Juni habe ich nichts anderes geleistet, als meine Doktorarbeit voranzutreiben. Und doch: Was vorgesehen war, habe ich wieder einmal nicht erreicht.

Manchmal fühlt sich das an, als wäre ich gescheitert. In anderen Momenten wiegt es nicht so schwer. Ich bin dann nur unzufrieden. Obwohl ich andererseits doch weiß, dass es dafür eigentlich keinen Grund gibt. Ich arbeite ja nicht schlechter als andere. Im Gegenteil: Ich bin immer sehr gründlich und gewissenhaft. Das kostet Zeit. Zweitens brauche ich wegen meiner Behinderung länger, um bestimmte Aufgaben zu erledigen. Und drittens ermüde ich deshalb schneller.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Aug 27, 2012
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Aug 27, 2012