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Barrierefrei promovieren

Ich schreibe, also bin ich

So heißt ein Biografie-Ratgeber von Stefan Schwidder – und so könnte zugleich mein Lebensmotto lauten. Denn in der Freizeit feile ich an verschiedenen Buchprojekten, etwa einem Skisprung-Krimi. Ich würde diese Berufung am liebsten auch zu meinem Beruf machen. Aber Vorsicht: Leben lässt sich von einer Tätigkeit als Schriftsteller nur in den allerwenigsten Fällen. Und ganz bestimmt nicht in meinem.

Stattdessen nehme ich mich in den kommenden Jahren der Herausforderung an, meine Promotion zu schreiben; wobei „schreiben“ natürlich nur einen Teil des wissenschaftlichen Arbeitens erfasst. Wer sich zu einer Doktorarbeit entschließt, der sollte jedenfalls mehr mitbringen als nur Freude am Schreiben. Keine Alternative zu sehen, reicht ebenso wenig aus. Schließlich bedeutet promovieren, sich mit einer Menge Entbehrungen zu arrangieren. Wem das zu viel ist, der findet immer einen zweiten Weg. Ich beispielsweise könnte mich bei den verschiedensten Verlagen um eine Volontariatsstelle bewerben. Vielleicht hätte ich ja Glück. Aber wäre ich dann am Ziel meiner Träume? Zufrieden sicherlich. Glücklich ... womöglich erst später. Jetzt spricht mich die Promotion am meisten an. Und das, obwohl oder auch gerade weil klar ist, dass ich den Doktortitel nur mit vollem Einsatz erlangen kann. Drei Jahre, fünf oder noch länger werde ich brauchen ... Und währenddessen immer nur das eine Thema. Daher halte ich es für ganz essentiell, Freude am Forschungsgegenstand zu haben; und eben nicht nur am Schreiben.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 28, 2011
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 28, 2011

Barrierefrei promovieren

Aufs Höchste orientierungslos

Lange Zeit war ich mir sicher, dass ich keinesfalls im Bereich des Blindenwesens promovieren würde. Ja, ich glaubte sogar fest daran, mich niemals an einer Doktorarbeit zu versuchen. Falsch gedacht, beide Male. Denn nun tue ich genau das: Ich arbeite an meiner Promotion, die sich mit dem Blindenwesen, genauer gesagt, mit dem Buchmarkt der Blinden beschäftigen soll.

Am Anfang steht also das Thema. Eine vage Idee. Ein Erkenntnisinteresse ohne konkretes Ziel, gleich einem körperlichen Bedürfnis. Vermutlich fühlen sich auch viele der Sehenden in dieser ersten Phase so, als wären sie plötzlich erblindet. Und als müssten sie nun, ohne jemals zuvor Mobilitätstraining gehabt zu haben, einen Weg finden. Ihn sicher entlang gehen, obwohl sie doch aufs Höchste orientierungslos sind.

Mit der Zeit verflüchtigt sich dieser Eindruck. Brainstorming hilft da schon viel weiter: Was weiß ich über das Thema? Und was will ich außerdem in Erfahrung bringen? Was ist neu daran, bisher noch nicht untersucht? Und mit welcher Methode könnte ich eine entsprechende Analyse durchführen? Welche Ergebnisse erwarte ich dabei?

Ich stelle Thesen auf. Die sind zunächst noch unscharf formuliert. Doch indem ich mich durch die aktuelle Forschungsliteratur wühle, sollten sie sich verdichten. Zugleich kann ich die zentrale Fragestellung und den Forschungsgegenstand eingrenzen, um sie schließlich beide zu präzisieren.

Schon ist das Paket geschnürt. Eigentlich ganz einfach, könnte man meinen; aber das ist es garantiert nicht.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Apr 13, 2011
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Apr 13, 2011

Barrierefrei promovieren

Helfende Hände

Als blinde Studentin habe ich, wie in meinem Blog „Barrierefrei studieren“ erzählt, zahlreiche prägende Erfahrungen gemacht. Sie durchgehend als angenehm zu bezeichnen, wäre vermessen. Und doch, einige von ihnen haben mir weitergeholfen. Denn sie haben mir deutlich aufgezeigt, wohin der Weg geht und welche Hürden ich überwinden muss, um am Ende im Ziel einzulaufen.

So wird sich vieles von dem, was ich in den letzten Jahren durchlebt habe, in den nächsten wiederholen. Denn ob ich nun an meiner Magisterarbeit oder an meiner Promotion sitze, das macht letztlich keinen Unterschied. Ein Thema auswählen. Den Forschungsstand sondieren. Vorhandene Werke im Detail analysieren. Neue Schlüsse ziehen. Und, vor allem, Neues in Erfahrung bringen. Ausgerüstet mit einem, in meinem Fall, sprachgesteuerten Diktiergerät. Mit Scanner und Screenreader, anstatt mit Block und Bleistift. Und unterstützt von vielen, die ihre gesunden Augen in meine Dienste stellen. Meine Eltern vor allem. Und auch Freunde, die mir beim Querlesen behilflich sind oder mir das diktieren, was der Scanner nicht erfassen konnte, weil irgendein Student in das Buch hineingekritzelt hatte. Und, nicht zuletzt, die Bibliotheksmitarbeiter, die Bücher für mich heraussuchen oder, auf der Suche nach bestimmten Artikeln, Stapel von Zeitschriften mit mir durchkämmen. Ohne all diese helfenden Hände wäre es schwierig geworden, die Herausforderung Magisterarbeit zu meistern. Und gleichermaßen tragen sie nun auch zu meiner Doktorarbeit bei.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  Mar 29, 2011
Autor: Daniela
Rubrik: studium
Mar 29, 2011

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