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90 Prozent - Teil 1

An manchen Tagen, während ich an meiner Doktorarbeit feile, fühle ich mich restlos überfordert. Mir liegen die beiden Gutachten vor, in denen Stärken und Schwächen der abgegebenen Version erläutert werden. Jetzt darf ich meine Arbeit erweitern, sogar ein paar Kapitel neu hinzufügen, aber auch kürzen.
Erst einmal habe ich mir gedacht: „Ach, okay. Das ist ja nicht so schlimm.“ Und beschlossen, dass ich mir durchaus ein paar Monate Pause gönnen kann. Ich brauchte Abstand von allem, was mit meiner Dissertation zusammenhing. Außerdem wollte ich mich um andere Projekte kümmern, die ich in letzter Zeit eher vernachlässigt hatte. Und mir natürlich eine unterhaltsame Freizeit gestalten.
Doch rückblickend würde ich jedem davon abraten, so vorzugehen. Frische Luft mag gut sein, aber hinterher wird es stickig. Und ich komme in Bedrängnis, nachdem ich den Aufwand unterschätzt habe. Überdies kosten die einzelnen Schritte deutlich mehr Zeit, als ich erwartet hätte.
So laufen mir die Tage davon. Wenn ich meine überarbeitete Fassung nicht rechtzeitig einreiche, kann ich mich von der Urkunde und dem Doktortitel verabschieden. Denn insgesamt bleibt mir nur ein Jahr. In diesem Rahmen muss alles erledigt werden. Mit einigen Stolpersteinen habe ich allerdings nicht gerechnet. Zum Beispiel, wie viele Internetseiten, die im vergangenen Herbst noch online standen, heute nicht mehr aufzurufen sind.

Autor: Daniela  |  Rubrik: studium  |  27.12.2018

Barrierefrei promovieren!

Zeit und Raum - Teil 2

In die Erlanger Universitätsbibliothek zu kommen, solange ich dort ein bestelltes Buch abholen könnte, ist mir nicht immer möglich. Ich bin an vielen Orten in Deutschland unterwegs, habe in Erlangen keine Wohnung mehr und deshalb gelingt es mir nicht jedes Mal, die vorgegebenen Fristen einzuhalten.
Als sich wieder einmal abzeichnete, dass ich es nicht rechtzeitig schaffen würde, rief ich in der Bibliothek an. Ich hatte einen Mitarbeiter in der Leitung, der mir gerne helfen wollte. Er buchte das Medium aus, als hätte ich es ausgeliehen. Dann legte er es im Lesesaal für mich zurück, wo ich es jederzeit abholen könnte. Doch ich kam weiterhin nicht dazu, in die Bibliothek zu gehen.
Meine Leihfrist lief allerdings bereits ab. Sie verkürzte sich mit jedem Tag, den ich verstreichen ließ. Deshalb rief ich erneut an und bat um eine weitere Verlängerung. Allerdings hatte ich einen anderen Zuständigen am Ohr, der mir erklärte: „Nein, so etwas machen wir nicht. Stellen Sie sich vor, was das für ein Durcheinander wäre, wenn das alle Studierenden wünschen würden. Wie viele Bücher wir herumliegen hätten …“ Selbst der Hinweis, dass mir ein Kollege den Gefallen getan hatte, brachte mich nicht weiter. Es gäbe hier keine Ausnahme.
Zu meiner Überraschung stellte sich dann aber heraus, dass ich bei Fernbestellungen nicht nur eine Woche, sondern zehn Tage Zeit bekam, um das Buch abzuholen. Damit war mein Problem vorerst gelöst.

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  26.10.2018

Barrierefrei promovieren!

Zeit und Raum (Teil 1)

Seit einiger Zeit habe ich keine Wohnung in Erlangen mehr. Entweder halte ich mich bei meinen Eltern im Fichtelgebirge auf oder in Frankfurt bei meinem Freund. Das heißt aber auch, dass ich nur noch selten an die Universität in Mittelfranken komme. Um von Frankfurt nach Erlangen zu fahren, brauche ich dreieinhalb Stunden mit dem Regionalexpress. Ein Auto kann ich, wegen meiner Blindheit, nicht selber steuern. Und der ICE würde an Erlangen vorbei nach Nürnberg rauschen. Von dort aus müsste ich dann wieder nach Erlangen zurück. Unterm Strich hätte ich damit kaum Zeit gewonnen. Ein Problem ist das deshalb, weil ich noch Verbesserungen an meiner Doktorarbeit vornehmen muss und dafür Bücher aus der Bibliothek benötige.

In der Universitätsbibliothek kann ich, falls sich nicht gerade ein anderer Nutzer damit beschäftigt, ein Buch bestellen und am nächsten Tag liegt es zur Abholung bereit. Zählt der Titel allerdings nicht zum Erlanger Bestand, gestaltet sich das Ganze schwieriger. Dann wechsle ich zum Bayerischen Verbundkatalog. Irgendeine wissenschaftliche Bibliothek in Erlangen hat in der Regel das Buch vorrätig und kann es mir schicken – aber wann?  Manchmal muss ich zwei Wochen warten oder auch einen ganzen Monat. Hinterher bleiben mir nur wenige Tage, um nach Erlangen zu fahren und das Buch dort abzuholen.

Autor: Daniela  |  Rubrik: beruf & karriere  |  01.08.2018