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Studentenleben live

Eine ohne alles

Es gibt Städte mit Fastfoodrestaurants, Trdelník-Buden, Supermärkten und Mensen. Und es gibt Leipzig und seine Würstchenbuden. Vermutlich sind es ebenjene Würstchenbuden, die Leipzig zu Leipzig machen. Schon seit meinen Kindheitstagen komme ich in ihren Genuss. Nach den ausgedehnten Einkaufstouren mit meinen Eltern in der nahegelegenen Metropole wäre daheim oftmals keine Zeit mehr fürs Kochen gewesen – die Thüringer Rostbratwurst lieferte den ehrenwerten Ersatz.
In der Innenstadt stehen die Buden zuhauf: am Bahnhofsvorplatz, vor den Kaufhäusern, am Neuen Rathaus, an der Uniklinik und am Straßenbahnhof Angerbrücke. Wo waren sie wohl früher überall verteilt? Meist handelt es sich um einen einfachen Grill mit einer Plexiglasscheibe – zum Schutz der Kunden vor Fettspritzern – und einer Regenschirmapparatur obenauf. Manchmal gibt es anbei noch ein Tischchen mit den vom vielen Herausquetschen schon verformten roten Ketchup- und gelben Senfflaschen auf einer feuerwehrroten Plastetischdecke. Neben den Rostbratwürsten im pappigen Brötchen zum unfassbar niedrigen Preis wird die Standardauswahl alkoholfreier Getränke feilgeboten. Es kann ein Wintertag sein mit Temperaturen gen Null – die Männer an den Würstchenbuden machen ihren Job; mit Mütze, ohne Handschuhe. Der Grill ist in Männerhand, junge Burschen und Rentner – das hat sich seit meiner Kindheit nicht geändert. Hier eine Frau anzutreffen, wäre wohl ähnlich überraschend wie beim Dönermann.
Die Würstchenbude bleibt ein Leipziger Unikum. Sie ist ein Schritt dahin, Leipzig endlich lieben zu lernen und ich bin mir sicher, bei Leipzigbesuchen noch in 50 Jahren in die Wurst zu beißen und eine große Portion Erinnerung zu schmecken. „Hallo. Eine ohne alles bitte. Danke. Schönen Tag noch.“

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Jan 20, 2017
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Jan 20, 2017

Studentenleben live

Segeln auf der Alex II.

Die erste Nacht auf dem Segelschiff Alex II. ist ungewohnt, aber jedermann vibriert förmlich vor Begeisterung und kann gar nicht erwarten, auszulaufen. Die Kammern der Stammcrew haben zwei bis drei Betten, die der Trainees, zu denen ich gehöre, vier. Die Stammcrew besteht aus pensionierten Seeleuten oder aber erfahrenen Freizeitseglern. Die Trainees hingegen haben entweder noch gar keine oder wenig Segelerfahrung. Besonders viel Platz ist in meiner Viererkammer nicht, weshalb wir angehalten wurden nicht so viel Gepäck mitzunehmen. Alle Altersgruppen sind auf der Alex II. vertreten, von 15 bis 75 Jahren.

Ich habe die 0-4-Wache, das heißt, meine Schicht, in der ich aktiv beim Segeln mitwirke, geht von Mitternacht bis 4 Uhr und von 12 bis 16 Uhr. Diese Wache ist zwar am undankbarsten für den Schlafrhythmus. Aber am Tag hoch ins Rigg zu klettern, um Segel auszupacken, ist eine ebenso tolle Erfahrung, wie morgens um 2 Uhr am Ruder eines 65 Meter langen Dreimasters zu stehen oder als Ausguck nach anderen Schiffen Ausschau zu halten und dabei auch noch im Schein des Vollmondes zu agieren – das erinnert mich sehr an Fluch der Karibik. Für die Aufgaben ist sehr viel Kraft und Geschick erfordert. Allgemein ist das Schiff kräftemäßig nicht für Frauen konzipiert. Ich kann zwar alle Türen öffnen, allerdings fällt es mir oft durchaus schwer. Dementsprechend sind wenige Frauen an Bord. Höhenangst sollte man auch nicht haben.
Von Cartagena fahren wir nach Ceuta, eine spanische Exklave in Marokko, wo wir mitten in der Nacht Diesel tanken. Danach geht es durch die Straße von Gibraltar nach Casablanca, wo uns ein Tag zum Erkunden der Stadt bleibt. Die Reise endet schließlich in Agadir, wo alle drei Wachen schließlich den Tag jeweils unter sich in Agadir ausklingen lassen.
Es ist faszinierend, wie gut man Menschen kennenlernt, wenn man so viel Zeit auf engstem Raum miteinander verbringt. Außerdem könnte man denken, dass es zu diversen Konflikten kam, dies war jedoch überhaupt nicht der Fall. Meine elf Tage auf der Alex II. gingen viel zu schnell vorbei und ich spiele beim Von-Bord-Gehen schon mit dem Gedanken, wiederzukommen.

Autor: Nele  |  Rubrik: studium  |  Jan 18, 2017
Autor: Nele
Rubrik: studium
Jan 18, 2017

Studentenleben live

Freundschaften pflegen

In meinem neuen Studienfach Kunstgeschichte habe ich einige tolle Menschen kennengelernt und auch gute Freundschaften aufbauen können. Der Großteil meines Freundeskreises besteht jedoch weiterhin aus Jurastudenten, da wir in den ersten zwei Semestern sehr zu einer Art Familie gewachsen sind. Am Anfang des Semesters nach meinem Wechsel konnte ich nicht einschätzen, wie sich die Situation entwickeln würde: Würden wir noch Zeit füreinander finden, würden die Freundschaften halten? Die Zeit hat gezeigt, dass wir das schaffen. Praktischerweise ist Heidelberg sehr überschaubar und so habe ich die meisten Veranstaltungen entweder im gleichen Gebäude oder im Nebengebäude wie meine ehemaligen Jurakommilitonen. Durch tägliche gemeinsame Aktivitäten – Bibliotheksbesuch, essen in der Mensa und Kaffeepausen – verbringen wir in den Prüfungsphasen viel Zeit miteinander. Da meine Freunde momentan sehr viel für ihr Studium lernen, mache ich das automatisch auch. Ich habe noch nie so früh angefangen, für Klausuren zu lernen.
Einige aus der Freundesgruppe sehe ich nur wenige Male im Monat, aber das war auch vor meinem Wechsel nicht anders. Den engsten Kreis treffe ich täglich und es ist ein schönes Gefühl, so ein festes Gefüge zu haben. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf lebt es sich entspannter, als wenn man ständig auf der Suche nach neuen Freunden ist. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt eine zusätzliche Freundesgruppe aufbauen und pflegen könnte, denn Freundschaften sind für mich persönlich sehr wichtig und ich würde es nicht schaffen, genügend Zeit in einen zweiten Freundeskreis zu investieren.

Autor: Bo  |  Rubrik: studium  |  Jan 17, 2017
Autor: Bo
Rubrik: studium
Jan 17, 2017