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Studentenleben live

Es ist soweit

Ich habe es geschafft: Ich habe meine erste richtige fünfstündige Klausur hinter mich gebracht. Fünf Stunden? Ja, fünf Stunden. (Die Vorfreude auf das Examen, für das man innerhalb von zwei Wochen fünf fünfstündige Klausuren schreibt, steigt natürlich immens.)

Am Abend vor der Klausur wurden nochmal intensiv Dissertationen über Themen, die wir immer noch nicht so ganz verstanden haben, durchgeblättert. Wann muss man sich als Kombattant an die Gesetze vom humanitären Völkerrecht halten, um seinen Kriegsgefangenenstatus zu behalten? Gilt beim Drohnen-Abschuss schon humanitäres Völkerrecht? Und was bedeuten denn jetzt diese blöden Erga-omnes-Normen? Aber irgendwann bringt es einfach nichts mehr – der Zeitpunkt war gekommen, das Buch wegzulegen und die Klausur auf sich zukommen zu lassen.

Die Stimmung am Morgen der Klausur war ziemlich aufgedreht. Alle haben sich vor den Spinden getroffen und sich aufgeregt viel Glück gewünscht. 100 Studenten wurden auf verschiedene Räume aufgeteilt, circa 15 Leute pro Raum. Angespannt haben wir darauf gewartet, bis wir endlich unsere Unterlagen umdrehen durften –dann ging es los.

Während wir angestrengt unsere Lösungsskizze zusammengeschrieben haben, kam die Aufsicht und blätterte unsere Gesetze auf unzulässige Anmerkungen durch. Es galt, sich bloß nicht durcheinander bringen zu lassen, wenn da jemand zehn Minuten angestrengt durch mein Gesetz blättert, während ich versuche, mich auf die Lösung des Falls zu konzentrieren! Bei dem Gedanken, wegen einer Anmerkung von der Prüfung ausgeschlossen zu werden, standen mir schon die Schweißperlen auf der Stirn. Aber dann wurde mein Gesetz mit einem Kopfnicken durchgewunken. Dann konnte es endlich hochkonzentriert weiter gehen, nach eineinhalb Stunden Lösungsskizze habe ich mich endlich ans Schreiben gemacht, und auch wenn ich immer noch dreieinhalb Stunden zum Ausformulieren hatte wurde die Zeit noch ziemlich knapp.

13.30 Uhr: „Einmal die Stifte weglegen, bitte!“ Ein Seufzen ging durch den Raum, als wir endlich unsere Klausurhefte zuklappen konnten und damit die schriftliche Schwerpunktprüfung vorbei war. Ein paar kleinere Nervenzusammenbrüche gab es, ein paar heimliche Tränen auf dem Klo, bevor weitergeschrieben wurde, aber insgesamt hatte ich das Gefühl, dass alle ganz gut durch die Klausuren gekommen sind. Dann konnten wir kurz durchatmen – die mündliche Prüfung folgt kommenden Montag.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Dec 29, 2015
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Dec 29, 2015

Studentenleben live

Der Countdown läuft

Noch zwei Wochen, dann steht die erste Klausur in unserer Jura-Karriere an, die etwas zählt: unsere Schwerpunkt-Examensklausur! In der Bibliothek brummen bis spät abends die Köpfe, aber etwas ist anders: Wir sind alle gar nicht so gestresst.

Komisch – die erste Klausur, die zählt, und die Stimmung bleibt relativ entspannt. Ist es, weil wir schon so viele Klausuren geschrieben haben? Werden wir langsam alte Klausuren-Hasen? Oder weil man jetzt so lange für diese eine Klausur gelernt hat, dass man sich – im Unterschied zu allen anderen Klausuren, die wir sonst so geschrieben haben – endlich mal ziemlich gut vorbereitet fühlt?

Der Rhythmus vor der Klausur war auf jeden Fall ziemlich eintönig. Es gab keine Vorlesungen mehr, dafür brüteten wir aber von morgens bis abends über Völkerrecht. Dieses Jahr habe ich es mir ein bisschen leichter gemacht und eine Lerngruppe gegründet, da es viel mehr Spaß macht, nebeneinander zu sitzen, zusammen Fälle zu lesen oder sich über dieses undogmatische System von Völkerrecht aufzuregen, als alleine in der stillen Bibliothek über den Texten zu hängen. Da vergeht die Zeit im Jurahimmel (so wird die oberste Etage meiner Universität mit den Kleingruppen-Räumen genannt) ja fast wie im Flug.

Die Stimmung schwankte zwischen „Oh Gott, ich kann das alles nicht!“ und „Alles OK, ich hab jetzt wirklich genug gelernt!“. In unserer Mini-Gruppe rattern wir uns gegenseitig die Prüfungs-Schemata vor, beten Argumentationsstrukturen wie im Schlaf runter und überfliegen noch die letzten Falllösungen. Die erste große Stressphase kam, als ich alle meine getippten Zusammenfassungen gedruckt habe – so um die 120 Seiten sind das schon. Aber mal ganz ehrlich – auch wenn man noch ein paar Tage mehr Zeit gehabt hätte, irgendwann muss es einfach ausreichen mit der Vorbereitung. Und in Jura gibt es sowieso immer den einen besonders wichtigen Text, den man noch nicht gelernt hat. Dann ist Kreativität verlangt. Ich verstehe Jura sowieso nicht als stures Auswendig-Lernen-Fach, sondern hoffe immer noch, dass ich es auch mit weniger Lernen und mehr Verstehen schaffe.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Dec 25, 2015
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Dec 25, 2015

Studentenleben live

Die kleinen Dinge

Manchmal gibt es Tage, an denen ich merke, dass das eigene Leben doch sehr wohlbehütet ist, und dass es vielleicht manchmal doch einen tieferen Sinn gibt, in dem etwas passiert. So ein Tag war neulich: Nach der Analysis-Vorlesung saß ich mit ein paar Freunden noch im Vorraum des Hörsaals, um die Übungsblätter zu erledigen. Es war nach acht Uhr, als wir schließlich im Regen bei unseren Fahrrädern standen und überlegten, ob wir noch zusammen bei einem von uns den Abend ausklingen lassen sollten. Aber kam es nicht. Während wir zusammen standen, kam nämlich eine Frau um die Ecke, die mitten auf dem Weg plötzlich zusammenbrach und nicht mehr alleine aufstehen konnte.

Sie hatte wohl etwas getrunken, dazu Medikamente genommen und seit einiger Zeit schon nichts mehr gegessen, weswegen wir den Krankenwagen riefen und ihr Spekulatius – das einzige Essen, das wir dabei hatten – gaben. Zwei Krankenpfleger nahmen sie mit in den Wagen, untersuchten sie, während wir sicherheitshalber abwarteten und uns im Regen stehend fragten, wie es dazu kommt, dass jemand das Haus verlässt und eine ziemlich weite Strecke allein hinter sich bringen will, obwohl es ihm nicht gut geht.

Die Frau wollte nicht mit dem Krankenwagen mitfahren, die Krankenpfleger sagten uns auf Nachfrage, man könne sie nicht dazu zwingen mitzufahren. Wir waren unsicher, ob die Frau es schaffen würde und folgten ihr daher erst einmal, nur um zu sehen, dass sie ein paar hundert Meter weiter erneut zusammenbrach. Der Notarzt wollte kein zweites Mal kommen, darum riefen wir der Frau ein Taxi, das sie nach Hause bringen sollte und warteten mit ihr, bis das Taxi kam.

Letztendlich war ich erst nach zehn Uhr zu Hause und bis ich mich nicht mehr wie ein Eisklumpen fühlte, dauerte es eine Kanne Früchtetee und eine heiße Dusche. Trotzdem hatte ich irgendwie das Gefühl, dass ich an dem Abend viel mitgenommen habe. Zum Einen glaube ich, dass alles einen Sinn haben muss: es war purer Zufall, dass wir um diese Uhrzeit noch am Hörsaal standen. Sonst hätte die Frau vermutlich stundenlang in der Kälte und Nässe gelegen, weil an dieser Ecke nicht besonders viel Verkehr herrscht. Zum anderen bin ich sehr froh darüber, wie gut es mir geht. Ich muss keine Medikamente nehmen, habe genug zu essen und weiß, dass ich Menschen habe, die ich anrufen kann, wenn irgendetwas passiert ist, sodass ich im Fall der Fälle nicht darauf hoffen muss, dass gerade Passanten in der Nähe sind, die sich um mich kümmern. Gleichzeitig hat die Dankbarkeit der Frau mich ziemlich berührt und ich glaube, wir haben an dem Abend wirklich etwas Gutes getan.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Dec 25, 2015
Autor: Janna
Rubrik: studium
Dec 25, 2015