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Studentenleben live

Peter Pan und die Krummeluspillen

„Erwachsenwerden? Ich mach ja viel Scheiß mit, aber nicht jeden.“

Gäbe es heutzutage noch SchülerVZ oder wäre StudiVZ verbreitet genug, dass es sich lohnen würde, sich dort anzumelden – ich würde als allererstes in obige Gruppe eintreten. Bislang habe ich nicht so viele Anreize gefunden, erwachsen zu werden. Überhaupt, was bedeutet es, „erwachsen“ zu sein? Die Definition „vernünftig“, die der Duden noch anbietet, erfülle ich meiner Meinung nach schon seit Jahren so halbwegs. Ich informiere mich, bevor ich größere Entscheidungen treffe, sei es die Anschaffung eines neuen Handys oder die Wahl einer Partei; ich esse freiwillig Obst und Gemüse, mache zumindest manchmal Sport und gehe nur dann über rote Ampeln, wenn weder Autos noch kleine Kinder in Sicht sind.

Die Definition „volljährig“ erinnert mich in erster Linie an die damit verbundenen Rechte: Ich darf alleine Auto fahren und wählen gehen, so lange draußen bleiben, wie ich möchte, quasi alles kaufen und komme in fast jeden Club. Mit der Zeit kommen allerdings auch immer mehr Pflichten dazu. Bislang hält es sich halbwegs in Grenzen: Dass ich mich um die fristgerechte Abgabe von so Sachen wie Studienbescheinigungen und Überweisungsträgern kümmern muss, ist klar. Und dass die Lohnbescheinigungen vom Tutorium im dritten Semester alle sorgfältig abgeheftet werden müssen, hat mir mein Vater gut genug eingebläut. Alles kein großer Aufwand. Aber wie wird das aussehen, wenn ich mit dem Studium fertig bin und anfange zu arbeiten?

Das Praktikum jetzt gibt mir einen Einblick in den Alltag von Lehrern, und auch wenn mir das Unterrichten und generell die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Spaß macht, ist es doch ziemlich viel, was zu tun ist. Die Zahl der Stunden, in denen ich hospitiere, entspricht etwa der Stundenzahl eines Lehrers mit voller Stelle. Der Unterschied ist allerdings, dass ich nach der Schule nach Hause fahre und abgesehen von ein paar Notizen zum Praktikum und gegebenenfalls Überlegungen zu einer Unterrichtsstunde nichts mehr zu tun habe. Lehrer hingegen bereiten Unterricht vor, führen gegebenenfalls Elterngespräche, planen Ausflüge, korrigieren Schulaufgaben, nehmen an Konferenzen teil und so weiter. Dazu kommt, dass ich bislang nur für mich selbst sorgen muss. Etwaige Kinder, die ich in ein paar Jahren schon ganz gerne hätte, erfordern zusätzlich zum Beruf zumindest in den ersten Jahren ziemlich viel Aufmerksamkeit.

„Wo kann man eigentlich diese Krummeluspillen von Pippi Langstrumpf kaufen, die machen, dass man nie erwachsen wird?“, war daher meine Frage in der vergangenen Woche. Ewig Kind bleiben, daraus wird wohl nichts. Bis ich mit dem Studium fertig bin, dauert es aber immerhin noch drei bis vier Jahre. So lange habe ich auf jeden Fall noch Zeit, eine weitere ehemalige SchülerVZ-Gruppe als Lebensmotto zu wählen: „Ich bin wie Peter Pan, kein Stück erwachsen, aber derbe cool.“

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Apr 15, 2015
Autor: Janna
Rubrik: studium
Apr 15, 2015

Studentenleben live

Sturm über Deutschland

In Deutschland geht die Welt unter. Zumindest kommt es einem so vor. Nach dem Szenario zu urteilen, das sich mir bietet, wenn ich aus dem Fenster schaue, könnte man direkt auf diese Idee kommen. Der Wind peitscht Regen über die Anhöhe, nach wenigen Sekunden draußen ist man bereits völlig durchnässt, die Windböen hauen einen manchmal glatt von den Füßen. Und zwischendurch beruhigt sich das Wetter mal wieder und die Sonne zeigt sich. Dann ist es wirklich wunderschön. Nur leider schlägt es auch sehr schnell wieder um. Einen Fuß vor die Tür zu setzen, kann regelrecht abenteuerlich werden. Bei mir ging es beispielsweise um den Weg von der Haustür zum Mülleimer, also nur ein paar Meter. Auf diesen paar Metern musste ich aufpassen, nicht weggeweht oder von irgendwelchen umherfliegenden Gegenständen erschlagen zu werden. Mir flogen jedenfalls Äste, aus den Briefkästen gerutschte Zeitungen und herrenlose Gießkannen um die Ohren.

Zum Glück konnte ich an diesem Tag zu Hause bleiben. Viele andere mussten dem Wetter mutig trotzen. Um auf dem Laufenden zu bleiben, lief bei mir pausenlos das Radio. Und zugegebenermaßen ist das Radio auch eine vorzügliche Ablenkung, falls man mal eine Ausrede braucht, um sich nicht auf die Studienunterlagen zu konzentrieren. Weiterhin eignen sich dafür im Übrigen auch Fernseher oder das Handy. Sogar am Himmel vorbeiziehende Wolken sind manchmal wirklich interessanter. Ist euch mal aufgefallen, wie sich die Form jeder Wolke unterscheidet? Faszinierend.

So verbrachte ich also den stürmischen Tag, an dem in Deutschland die Welt unterzugehen drohte, damit, mir den Regen und vorbeiziehende Wolken anzuschauen, dem Radio zu lauschen und einer gefährlichen Wanderung von der Haustür zum Mülleimer und wieder zurück.

Autor: Nele  |  Rubrik: studium  |  Apr 15, 2015
Autor: Nele
Rubrik: studium
Apr 15, 2015

Studentenleben live

Zwischen den Zeiten

Vor knapp einem Monat hab ich meine Bachelorarbeit abgegeben. Die Wochen seither erlebe ich wie in einer Blase. Oder zwischen Tür und Angel. Die Formulierung „in der Luft hängend“ trifft es auch ganz gut. Einerseits konnte ich erst kaum glauben, dass dieser Abschnitt meines Lebens nach über einem halben Jahr intensiver Arbeit vorbei sein soll; andererseits kommt es mir himmlisch gut vor. Und bis jetzt war ich auch in keinem Moment versucht, das Textdokument der Arbeit noch einmal zu öffnen. Das erklärt auch, warum so manche Stelle, der ich die Zusendung der Arbeit versprochen hatte, noch nichts von mir gehört hat.

Unterdessen habe ich mich für den Master in Geoökologie eingeschrieben. Das brauchte zwei Anläufe, denn beim ersten fehlte mir das Beratungsgespräch, das für diejenigen, die im Sommer beginnen, verpflichtend ist. Gleichzeitig schaue ich mich immer mal wieder nach Stellen um, die mich ansprechen. Denn so richtig große Lust auf den Master habe ich eigentlich nicht. Es wäre zwar das Naheliegendste und vielleicht auch das Einfachste, aber mehr als die Uni reizt mich ein guter Job. Vielleicht für zwei oder drei Jahre, dann könnte ich mir ein Studium wieder vorstellen.

Was zu der ganzen Studiums- und Berufsfindung noch hinzukommt, ist, dass mein Mann gerade mit seinem Masterstudium fertig wurde und deshalb verstärkt nach einer Arbeit sucht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir deshalb im nächsten halben Jahr die Stadt verlassen und dann wird es ohnehin schwierig, meinen Master hier zu machen. Im Moment ist alles enorm spannend bei uns. Gedanklich ziehen wir mit jeder versendeten Bewerbung von einer Stadt zur anderen. Mal malen wir uns unsere Zukunft im Ruhrgebiet aus und dann geht‘s gedanklich nach Berlin oder Konstanz. Für mich ist das okay, für meinen Mann wird’s langsam anstrengend – verständlich, wie ich finde. Das kann einen innerlich auch irgendwie zerreißen.

Am Montag begleite ich meinen Liebsten zur seelischen Unterstützung zu einem Vorstellungsgespräch nach Stuttgart. Das wäre eine Stadt, die ich mir auch gut als Wohnort vorstellen könnte. Viele meiner Freunde hat es dorthin verschlagen und mein Bruder wäre auch nicht mehr so weit weg.

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Apr 15, 2015
Autor: Mia
Rubrik: studium
Apr 15, 2015