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Studentenleben live

Ankunft

Ein trauriger Moment im Leben eines Studenten: Wenn man merkt, dass das Flugzeugessen besser schmeckt als der Fraß, den man sich in der halben Stunde Pause zwischen dem Lernen selber zusammenköchelt. Aber vielleicht habe ich auch einfach richtig Hunger und es schmeckt deswegen so gut. Oder South African Airways hat exzellente Köche an Bord.

Ich sitze im Flieger nach Südafrika, genauer gesagt Johannesburg, der Ort der Welt, der durch die höchste Mordrate Berühmtheit erlangt hat. Auf mich warten Tiger, Löwen, Giraffen und Elefanten; Zulu, Xhosa und Buren, Weiße und Schwarze, Arme und Reiche. Auf mich wartet ein riesiges Land mit Gebirgen und Meer, Wüste und Wald. Und ich? Bin nicht aufgeregt. Ein bisschen wundere ich mich über mich selbst, wie ich so tiefenentspannt im Sessel sitze und auf den Abräumdienst warte. Aber ich habe gute Laune und Vorfreude mit an Bord, zwei supernette Kommilitoninnen, die in der „Villa Bianca“, meinem nächsten Zuhause, auf mich warten, und die Hoffnung, die „afrikanische Lässigkeit“ zu erlernen. Damit fange ich jetzt gleich an: Statt den Reiseführer zu wälzen – dafür habe ich im hoffentlich nicht so kalten Winter Südafrikas bestimmt genug Zeit – stimme ich mich gedanklich auf die nächste Zeit ein.

In dieser Wolke aus Gelassenheit steige ich schließlich in Kapstadt aus dem Flieger. Regen klatscht mir ins Gesicht. Kaum zu glauben, dass in Deutschland die Sonne vom Himmel brennt, während in Afrika – Afrika, das Land der glühend rot untergehenden Sonne – ein kalter Wind weht. Lichtblick: Die strahlenden Gesichter meiner Kommilitoninnen, die mich zusammen mit unserem Vermieter vom Flughafen abholen.

Die Straße vom Flughafen führt an den ersten Townships vorbei, dann schlängelt sie sich um die Vorläufer des Tafelbergs. Ich erhasche den ersten Blicke auf die University of Cape Town, den riesigen Hafen, dessen Kräne an Hamburg erinnern, und lande schließlich in Oranjezicht, einem Weißen-Viertel der „Mother City“. Vor einem weiß-gelben Haus in englischem Stil hält der Vermieter an: „Welcome to Villa Bianca!“

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Aug 11, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Aug 11, 2014

Studentenleben live

Beginn der Masterarbeit

Endlich: Die letzte mündliche Prüfung ist geschafft und alle Hausarbeiten sind abgegeben. Ich bin scheinfrei! Scheinfrei ist dabei doppeldeutig, denn ich bin frei von Scheinen und scheinbar frei von weiteren Arbeiten, was so natürlich nicht stimmt – es geht jetzt erst so richtig los. Aber ich habe ein Etappenziel erreicht und das freut mich ungemein.

Über das Thema meiner Masterarbeit habe ich sehr lange nachgedacht. Bereits im dritten Semester bin ich ins Kolloquium gegangen, um eine Fragestellung zu finden. Mein erstes Thema war „Feminizide“, die Tötung von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht. Wegen der schlechten Datenlage habe ich es dann aber nochmal verworfen.

Trotzdem hat mir das Kolloquium geholfen, zu meinem jetzigen Thema zu finden. Ich schreibe über „Anerkennung und Transitional Justice“. Transitional Justice steht für die Prozesse, die nötig sind, damit eine Gesellschaft die Verbrechen aufarbeiten kann, die infolge eines politischen Umbruchs wie einem Bürgerkrieg geschahen. Ich möchte untersuchen, in welchem Zusammenhang die beiden Konzepte stehen.

Transitional Justice lässt sich als Vergangenheitsbewältigung umschreiben, dazu zählen zum Beispiel Elemente wie Wahrheitskommissionen, Gedenktage und -orte, Strafprozesse oder auch öffentliche Entschuldigungen bei den Überlebenden und Familien.

Da es bisher nur eine theoretische Arbeit zu diesem Bereich gibt, stellt die Bearbeitung dieser Fragestellung eine besondere Herausforderung dar und bietet mir einen besonderen Reiz, da es an mir ist, weitere Zusammenhänge aufzuspüren. Damit dies nicht allzu abstrakt bleibt, untersuche ich das Ganze am Fall von Guatemala. In diesem Land fand ein fast 30-jähriger Bürgerkrieg statt, bei dem 200.000 Menschen starben. Da die Literatur nicht zu allen Punkten so viel Material hergibt, hoffe ich, ein paar Interviews führen zu können.

Autor: Anni  |  Rubrik: studium  |  Aug 11, 2014
Autor: Anni
Rubrik: studium
Aug 11, 2014

Studentenleben live

Stadtführung durch den "Kiez"

Vor ein paar Wochen kam über einen der vielen Verteiler, auf dem meine E-Mail-Adresse steht, das Angebot, eine Stadtführung durch Berlin für Studis vom Balkan anzubieten. Natürlich nicht durch die ganze Stadt – das ist an einem Vormittag nicht zu machen –, sondern durch einen frei gewählten „Kiez“. Ein schönes Berliner Wort, das aber durch die ganze Gentrifizierungs- und Verhippsterungswelle so furchtbar angesagt klingt, dass ich es kaum noch benutzen kann, ohne es in Anführungszeichen zu setzen.

Ich fand die Idee sofort gut und der einzige Bezirk (oder „Kiez“), der für mich in Frage kam, war natürlich mein Heimatbezirk, der gleichzeitig auch Heimatbezirk meines Vaters und der Wahlheimatbezirk meiner Großeltern ist: Pankow. Das Wort „Heimat“ ist auch ein schrecklich aufgeladenes Wort, dennoch ist Pankow immer noch der Teil von Berlin, in dem ich zu Hause bin. Mit den anderen Teilen habe ich so gut wie nichts zu tun, ich kenne mich da nicht aus und in manchen war ich wahrscheinlich in meinem ganzen Leben noch nicht.

Das gleiche sagen leider viele (Wahl-)Berliner über Pankow. Warum sollte man da auch hinfahren, wenn man es schon in der Innenstadt kaum schafft, alle Dinge zu sehen, die man gerne sehen will? Ich bewarb mich trotzdem mit meiner Pankow-Tour und wurde auch genommen. Schließlich wollte ich den Teilnehmern ein anderes Berlin zeigen als sie es vielleicht aus den Medien oder dem Lonely Planet kennen. Einer der Studis war völlig verblüfft, als er mir seinen Stadtplan aus dem Hotel unter die Nase hielt und fragte, wo genau wir uns gerade befinden. Ich musste sehr lachen, weil dieser Teil Berlins NATÜRLICH nicht auf so einem Stadtplan eingezeichnet ist.

Aber auch Pankow wird langsam schick und die Gentrifizierung geht stetig voran. Ein Phänomen übrigens, das den Studis völlig neu war. Auch das Wort Gentrifizierung kannten sie nicht! Die Glücklichen.

Mir ging es vor allem darum, zu zeigen, dass es in Berlin nicht nur ausgeflippte partywütige Hipster gibt und nicht alle in alternativen Wohnprojekten wohnen, sondern dass es auch beschauliche, fast ländliche Stadtteile gibt, in denen ganz normale Leute mit ihren Familien leben. In denen auch zugegebenermaßen nicht viel los ist. Die aber dennoch lebenswert sind. Und die auch ihre eigene interessante Geschichte haben.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Aug 8, 2014
Autor: Rose
Rubrik: studium
Aug 8, 2014