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Studentenleben live

Vom Tod der Elektrogeräte

Alles begann vor ein paar Wochen. Ich wusste bis dahin nicht, dass irgendeine tiefergehende Beziehung zwischen meinem Computer und meinem Fernseher bestand, aber es muss sich um eine starke emotionale Bindung gehandelt haben, oder immerhin um Gruppenzwang, als beide kurz nacheinander verstarben. Der PC raffte sich zwar kurz noch einmal auf, aber es war zu spät. Ich will nicht zu dramatisch werden, aber ein bisschen erinnerte mich das Szenario durchaus an Romeo und Julia. Und wenn ich schon keinen Sinn darin sehe, dass mich beide nahezu zeitgleich verlassen mussten, dann möchte ich darin wenigstens Poesie sehen.

Ohne meinen PC bin ich wirklich aufgeschmissen. Nicht mal wegen des Internets, aber schon allein wegen meiner mühsam, liebevoll und kleinschrittig verfassten To-do-Listen. Man mag das Fanatismus nennen oder Vergessens-Paranoia, das tu ich hin und wieder ja auch selbst, aber ich brauche das einfach. In meinem Kopf ist kein Platz für Struktur und auch nicht in meinem Zimmer Ich schätze, genau darin liegt der Grund verborgen, warum ich so auf Ordnung in digitalen Dokumenten poche. Es fängt damit an, dass ich eine Datei besitze, in der ich immer etwa 15 Ideen für neue Blogartikel aufgelistet habe. Ich habe eine Liste mit Büchern, die ich noch lesen muss will sollte, weil irgendjemand, dessen Meinung mir mehr oder minder wichtig ist, sie mir empfohlen hat. Genauso ist es mit Filmen. Dann habe ich natürlich noch eine ganz klassische To-do-Liste mit banalem Zeug wie dem Putzplan, eine Liste mit meinen Zielen für das laufende Jahr, eine Liste mit bisher ungenutzten lyrischen Ergüssen, die darauf warten, in irgendein Gedicht eingeflochten zu werden, ein Dokument mit lauter Links zu literarischen Ausschreibungen, an denen ich letztendlich ohnehin nicht teilnehme, weil ich den Einsendeschluss immer verpasse.

Ich habe Menschen mit derartigen Strukturbedürfnissen eigentlich immer als besonders unsympathisch und verkrampft empfunden, aber da diese Dateien-Struktur niemals mein Denken erreicht, kann ich mich noch ganz gut aushalten. Eine Weile hatte ich sogar eine Liste über sämtliche Einkünfte und Ausgaben. Jetzt jedenfalls tue ich all die Dinge, von denen ich noch auswendig weiß, dass sie erledigt werden müssen, habe meine manuell erstellten Listen, lebe aber täglich mit dieser Angst, irgendetwas vergessen zu haben.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Feb 25, 2014
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Feb 25, 2014

Studentenleben live

Bundesmusikparade

Ich interessiere mich überhaupt nicht für Militär- und Blasmusik. Marschkapellen finde ich albern. Und niemals könnte ich mir das Ganze vier Stunden lang anhören, geschweige denn, dass ich Geld dafür ausgeben würde. Eher müsste man mich dafür bezahlen. Das alles weiß ich heute. Als ich mich frohen Mutes freiwillig dafür meldete, anlässlich der Bundesmusikparade für die Kriegsgräberfürsorge Flyer zu verteilen und Spenden zu sammeln, harrte ich gespannt der Dinge, die dort auf mich warteten und freute mich sogar auf ein bisschen Tamtam. Aber man kann es auch übertreiben.

Mir war nicht ganz ersichtlich, warum wir Flyer über unsere Jugendarbeit an 90-Jährige verteilten, aber nach getaner Arbeit hockte ich mich erwartungsvoll in die mit rund 5.000 Menschen gut gefüllte Festhalle – und schlug Mund und beide Backen auf: Man hätte vorher drauf kommen können, aber irgendwie haute es mich dann doch um, dass es eine Musikparade war. Mit Uniformen, marschieren, Militärgruß und so weiter. Und noch viel mehr war ich erstaunt darüber, dass diese Menschen offensichtlich sehr viel Geld dafür ausgegeben hatten und dass sie es vier Stunden aushielten! Nach einer halben Stunde musste ich den Saal verlassen und mich erholen. In der Pause sammelten wir Spenden ein und unterhielten uns mal hier, mal da. Ich konnte das alles irgendwie nicht ganz ernst nehmen. Als die Holländer am Ausgang noch einmal anfingen zu spielen, da musste ich einfach lauthals johlend meinen Beifall kundtun. Einer der Holländer lachte, rief seine Kollegen zusammen und wir machten unter lautem Gelächter ein Foto. Wenigstens nehmen sie sich selber auch nicht allzu ernst.

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Feb 25, 2014
Autor: Inga
Rubrik: studium
Feb 25, 2014

Studentenleben live

Unbegrenzte Möglichkeiten

Manchmal frage ich mich tatsächlich, ob es nicht praktischer wäre, wenn wir in einer sozialistischen Planwirtschaft leben würden. Man stelle sich vor, das Supermarkt-Kühlregal würde nicht 50 verschiedene Joghurt-Sorten beherbergen, sondern nur vier. Wir würden nicht 15 Minuten damit verbringen, uns entscheiden zu müssen, ob wir lieber Rhabarber-Holunder oder doch Cranberry-Sanddorn kaufen wollen. Wir hätten die Wahl zwischen Erdbeere, Kirsche, Banane und vielleicht noch Johannisbeere – und gut ist. Keine quälenden Abwägungen mehr.

Ähnlich geht’s mir bei der Wahl des Master-Studiengangs. Die Auswahl ist unglaublich groß, nahezu unbegrenzt. Das ist auf der einen Seite natürlich schön, ein wahnsinniger Fortschritt im Vergleich zu früher (analog zur heutigen Auswahl an Joghurt-Sorten, die ja auch viele Vorteile bringt). Auf der anderen Seite stellt es einen jedoch auch vor die Wahl: Welches Angebot nehme ich nun wahr? Und verpasse ich nicht etwas, wenn ich das nehme?

Eines steht auf jeden Fall fest, liebe Abiturienten: Der Entscheidungsstress „welchen Bachelor soll ich denn jetzt nehmen“ wird nicht euer letzter sein – vorausgesetzt ihr wollt noch einen Master dranhängen. Bis dahin, da bin ich mir sicher, wird die Zahl der Studiengänge sogar noch um ein Vielfaches höher sein. Die der Joghurt-Variationen aber wahrscheinlich auch.

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Feb 24, 2014
Autor: Leon
Rubrik: studium
Feb 24, 2014