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Studentenleben live

MMS - Mein Master-Stundenplan

Er kam heute per E-Mail. Da wir in meinem Studiengang nur sehr überschaubare 35 Studenten sind, läuft quasi alles von allein. Eine Kursregistrierung wie noch im Bachelor ist nicht nötig: Hier war der Großteil der 120 Studenten besonders scharf auf einen ganz bestimmten Kurs war und stand deshalb sogar früher auf, um sich rechtzeitig um acht Uhr morgens dafür zu registrieren – zum Glück ist es jetzt anders! Im Master „International Marketing Management“ haben alle denselben Stundenplan. Erst im zweiten Semester kann man sich für ein zusätzliches Wahlfach entscheiden. Welche genau zur Auswahl stehen, wird man dann sehen. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die Einführungsveranstaltung Anfang Oktober, bei der ich nicht nur meine Kommilitonen, sondern natürlich auch die Professoren kennenlerne. Laut der Studienkoordinatorin kommen die Studenten meines Studiengangs aus Deutschland, den USA, Rumänien, Italien, Bangladesch, Indien und noch einigen anderen Länder.

Ich habe schon überlegt, mich für ein Tandem-Programm anzumelden, um meine Fremdsprachenkenntnisse ein wenig auf Vordermann zu bringen. Italienisch reizt mich sehr. Allerdings habe ich vor einigen Jahren nur einen Crash-Sprachkurs besucht. Meine Kenntnisse sind daher nicht gerade die besten. Rumänisch hätte ich jetzt fließend sprechen können, wenn ich mich damals nicht geweigert hätte, zweisprachig aufzuwachsen. Da meine Mutter 13 Jahre in Rumänien gelebt hat und auch meine Großeltern geborene Rumänen sind, wäre es eigentlich perfekt gewesen. Wenn mein Dickkopf bloß nicht gewesen wäre. Ich denke, ich entscheide mich für Französisch. Diese Sprache habe ich vier Jahre in der Schule gelernt und während meines Bachelors in einem Sprachkurs für Fortgeschrittene noch einmal aufgefrischt. Wie viel tatsächlich hängengeblieben ist, habe ich in meinem Paris-Urlaub vor einer Woche festgestellt: Es war wirklich mehr als ich dachte! Die Grammatik klappte gut, es sind nur die Vokabeln, die mich zum Grübeln brachten. Aber daran soll es ja nicht scheitern! Vokabeln kann man schließlich wieder lernen… N’est-ce pas?

Autor: Jacqueline  |  Rubrik: studium  |  Sep 2, 2013
Autor: Jacqueline
Rubrik: studium
Sep 2, 2013

Studentenleben live

Körper und Geschlecht

Besonders faszinierend finde ich, was ich in meinem Studium über die Themen Körper und Geschlecht gelernt habe. Ich versuche, das mal zusammenzufassen:

Wir empfinden unseren Körper als zutiefst natürlich. Dabei ist er ebenso technisch als auch vor allem kulturell geprägt (Ekel zum Beispiel ist kulturell anerzogen und es gibt keine natürliche Sprache der Gesten, die für alle gilt).

Ein zentraler Körperdiskurs betrifft die Geschlechter. Die Unterscheidung zwischen männlich und weiblich wird universal getroffen, jedoch verfestigten sich die Geschlechtergrenzen in Europa seit der Antike zunehmend. In der Antike wurden Frauen noch als nach innen gestülpte Männer gesehen, danach wurde nach der Vier-Säfte-Lehre unterschieden, bei der die Grenzen nicht starr festgelegt waren. In der Medizin wurde bis ins 19. Jahrhundert das Geschlecht bei der Geburt anhand von Keimdrüsen bestimmt, es galt dann bis zur Volljährigkeit. Heute weiß man, dass man nicht nur den Körper mit seinen biologischen Anlagen, sondern den ganzen Mensch betrachten muss. Das wird auch dadurch deutlich, dass es beispielsweise im Englischen zwei Wörter für Geschlecht gibt: sex (biologisches Geschlecht) und gender (empfundenes/gewähltes/erzogenes Geschlecht).

Während in Europa „gender crossing“ ein bizarres Randphänomen ist, wurde es etwa in Nordamerika bei den Zuni-Indianern im 16. Jahrhundert institutionalisiert. Männer und Frauen konnten das andere Geschlecht zu Teilen oder ganz annehmen. Ebenso bei den Geschworenen Jungfrauen auf dem Balkan, die aus sozialen Gründen (beispielsweise einem fehlenden männlichen Erben in einer patriarchalischen Gesellschaft) den Habitus und die Rolle eines Mannes annehmen.

Geschlechtergrenzen sind also nicht so fest, wie man vielleicht auf den ersten Blick denken mag, und einige Verhaltensweisen, die uns angeblich als weiblich oder männlich auszeichnen, sind nur kulturell erlernt worden.

Autor: Miriam  |  Rubrik: studium  |  Sep 2, 2013
Autor: Miriam
Rubrik: studium
Sep 2, 2013

Studentenleben live

Alle wollen nach Leipzig

An der Uni Leipzig haben sich fürs neue Semester so viele Studenten beworben wie noch nie. Über 23.000 stehen auf der Warteliste. Auch auf mein Studienfach Kulturwissenschaften ist der Andrang hoch. Aber auch auf die KMW – Kommunikations- und Medienwissenschaften – und Psychologie. Zum ersten Mal wurde selbst für das Großfach Jura ein NC eingeführt.

Als ich nach Leipzig kam, war ich der einzige aus meinem Abi-Jahrgang, der in den Osten ging. Viele Bekannte meinten damals: „Leipzig, wo liegt denn das genau?“, oder: „Wenn Du in den Osten gehst, dann doch nach Berlin!“. Inzwischen stammen über die Hälfte der Bewerbungen aus den alten Bundesländern. Das Rektorat meint, das liege an ihrer Werbeaktion „Studieren in Fernost“, aber das glaube ich nicht. Es hat sich wahrscheinlich einfach rumgesprochen, dass Leipzig eine schöne Stadt ist, dass man hier günstig wohnen kann und kulturell und musikalisch was los ist. Das ist doch für die meisten Erstis das wichtigste.

Ja, Leipzig hat sich auch ganz schön verändert in den letzten vier Jahren. Viele Häuser wurden saniert, viele Baulücken werden gerade geschlossen. Einige Bioläden haben aufgemacht. Der neue Campus der Uni ist fast fertig. Aber wenn ich mit dem Rad mal in die etwas abgelegenen Viertel fahre, wirkt es immer noch wie eine andere Welt, da sind noch viele Leute, die vom Aufbau Ost und vom Hype um Leipzig noch nichts mitbekommen haben. Leipzig ist eben auch eine Stadt mit überproportional vielen Hartz-IV-Empfängern, großen Drogenproblemen und Fahrraddieben. Trotzdem: „Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein Klein-Paris und bildet seine Leute.“ So sprach einer der Studenten in Goethes Faust in Auerbachs Keller und so ähnlich sehe ich es auch.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Aug 30, 2013
Autor:
Rubrik: studium
Aug 30, 2013