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Studentenleben live

Rhein in Flammen

An den drei Tagen des Koblenzer Sommerfestes mit dem Event „Rhein in Flammen“ wurden wir alle von morgens bis nachts eingesetzt, um die Künstler und Gastronomen zu betreuen und als Ansprechpartner für die Gäste zur Verfügung zu stehen. Ich war zusammen mit einer Azubine Ansprechpartnerin im Bereich des Moselufers bis zur Seilbahn. Ein ziemlich großer Bereich. Hier gab es Fahrgeschäfte, es wurde musiziert, es gab einen französischen Künstler, dem wir beim Auf- und Abbau halfen und dann noch Marching Bands, die rechtzeitig instruiert werden mussten, was sie wo zu tun hatten. Und natürlich die Besucher, für die man immer versuchte da zu sein.

So waren wir ständig am hin und her laufen, lösten kleinere und größere Probleme und wurden zwischendurch immer wieder von der Leitzentrale am Rheinufer angefunkt. Dann fuhren wir mit unseren Fahrrädern so schnell es ging dorthin. Es war ein anstrengendes Wochenende, denn natürlich kann man sich während einer Großveranstaltung nicht an die normalen Bürozeiten halten, aber es war auch eine tolle Erfahrung, bei allem dabei gewesen zu sein. Trotzdem freue ich mich schon darauf, das Fest dieses Jahr als Besucher zu genießen.

Autor: Miriam  |  Rubrik: studium  |  Jun 24, 2013
Autor: Miriam
Rubrik: studium
Jun 24, 2013

Studentenleben live

Lieber das Hirn ausschalten

Letzte Woche berichtete mir meine Mitbewohnerin von einer Infoveranstaltung für zukünftige Juristinnen. Es gibt verschiedenste Aktionen, um Frauen eine Karriere schmackhaft zu machen. Denn noch immer ist es so, dass zum Beispiel in Jura circa 50 Prozent der Studierenden Frauen sind, je weiter man aber nach oben schaut (Doktorandinnen, Habilitandinnen, Professorinnen), um so weniger werden es.

Daher waren zwei Frauen aus einer Spitzenkanzlei bei der Veranstaltung zu Gast. Es ging viel um den Arbeitsalltag, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wie viel Freizeit man hat und so weiter. Eine wichtige Frage allerdings schien noch unausgesprochen im Raum zu schweben. Wie es sich in einer Spitzenkanzlei aushalten lässt, deren Kunden nicht auf Ökobauernhöfen ihr großes Geld machen, sondern, sagen wir mal, in der Rüstungsindustrie oder mit Atomstrom. Da sich anscheinend niemand diese Frage stellte, oder sich vielleicht nicht traute, die Juristinnen auf Moral und Gewissen anzusprechen, fasste sich meine Mitbewohnerin ein Herz.

Kommt es vor, dass Sie Anfragen von Kunden kriegen, die Sie nicht vertretbar finden? Gegenfrage der Juristin: juristisch oder ethisch?
Ethisch gesehen, natürlich. Darauf die trockene, vielleicht auch resignierte, für mich aber alarmierende Antwort: Wenn man über solche Fragen in diesem Beruf nachdenken würde, könnte man ihn nicht ausüben.

Aha. Wer also in einer Spitzenkanzlei arbeiten will, muss sein Gehirn im gegebenen Fall ausschalten und stur juristisch bearbeiten, was auf seinen oder ihren Schreibtisch kommt? Und wie kann es sein, dass Menschen mit einem top Uniabschluss nie über ihr Tun reflektieren?

Ich bin mir sicher, dass sich ihr Hirn und Gewissen schon manchmal melden und sagen: Mensch, Mädel, was machst du da? Aber man kann solche Überlegungen natürlich auch unterdrücken und sich sagen: Ich mache ja wie alle anderen nur meinen Job. Schade.

 

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Jun 21, 2013
Autor: Rose
Rubrik: studium
Jun 21, 2013

Studentenleben live

200 Kilometer zur Vorlesung

Seit Anfang dieses Semesters fahre ich jeden Montag von Leipzig nach Berlin zu einer Vorlesung. An der Universität der Künste in Berlin lehrt ein Professor für Kulturphilosophie. Was er zu sagen hat, begeistert mich so sehr, dass ich die Mühen nicht scheue, für 90 bis 100 Minuten Vorlesung mindestens zwei, bis dreimal so lange unterwegs zu sein. Was er zu sagen hat, kann man nicht irgendwo nachlesen. Er bezieht sich auf ganz aktuelle Dinge, die in unserer Gesellschaft passieren. Man könnte meinen, er liest aus den Manuskripten zu seinen Büchern. Doch seine Ideen sind scheinbar noch nicht druckreif und in der Vorlesung macht er sich Gedanken über seine Gedanken – das nenne ich richtiges Philosophieren.

Er philosophiert über Google Glass (ein Miniaturcomputer, der wie eine Brille getragen wird), verschiedene Facebook-Anwendung, über die RTL-Sendung „Die Geissens“, über Bestseller wie „Shades of Grey“, über die Selbstausbeutung der „kreativen Klasse“, über die Piratenpartei und viele andere Dinge unserer alltäglichen Massen- und Medienkultur, mit der auch jemand, der Platon, Kant und Wittgenstein nicht gelesen hat, etwas anfangen kann.

Manche werfen ihm vor, zu vage und unkonkret zu sein. Doch er verteidigt sich. Gerade der Philosoph als Erkunder von unbekanntem Terrain muss wagemutig und spekulativ im Denken sein, um Neuland zu betreten. Er beansprucht, nicht die Wahrheit gefunden zu haben, aber er traut sich, Dinge zu sagen und Fragen zu stellen, die nicht unbedingt politisch korrekt sind – etwa: „Sitzt Gott nun in den Überwachungskameras?“

Auf der Hinfahrt im Zug oder im Fernbus oder mit einer Mitfahrgelegenheit lese ich dann noch einmal die Mitschriften zur vorherigen Vorlesung und auf der Rückfahrt noch einmal die neuen Notizen. Hier wird Philosophie zum Erlebnis.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 20, 2013
Autor:
Rubrik: studium
Jun 20, 2013