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Studentenleben live

Körper, Atem, Stimme

Bei der Lehrerausbildung in Baden-Württemberg wird immer wieder bemängelt, dass doch viel zu viel Fachliches und wenig Pädagogisches und Didaktisches gelehrt wird. So „entsteht" der Typ Lehrer (wer kennt ihn nicht?), der zwar Experte in seinem Fach, mit dem Schulalltag aber völlig überfordert ist. Um dem entgegenzuwirken, gibt es seit einigen Jahren die MPK-Kurse vom ZfS. Die was? MPK steht für „Modul Personale Kompetenz" (Wie entwickle ich persönliche Kompetenz?) und das ZFS ist das „Zentrum für Schlüsselqualifikation" (Wie werde ich ein guter Pädagoge?). Ich habe mich entschlossen den Kurs „Körper, Atem, Stimme" zu besuchen, in dem wir lernen sollen, wie wir den ganzen Tag (laut) vor der Klasse sprechen können, ohne permanent heiser zu sein. Das klingt doch wirklich nach was Praktischem für den zukünftigen Lehrerberuf.

Nach einer sehr kleinen theoretischen Einführung über die Entstehung von stimmlichem Klang ging es sofort an die praktische Arbeit. Körperwahrnehmungsübungen, Massagen (auch gegenseitig, was für ein Luxus!) und Atemübungen in allen möglichen Positionen. Es hatte fast schon etwas von einer Yogastunde und wen wundert’s: Von 20 Teilnehmern sind genau drei Männer. Schade eigentlich, dass man Geschlechterklischees immer wieder bestätigt findet. Leicht fiel es wohl niemandem, mit einem fremden Menschen Hüfte an Hüfte in die Knie zu gehen und „f", „s", „sch" und „lululululu" in den Raum zu rufen. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann man aus den Übungen wirklich etwas mitnehmen. Nach diesen Gruppenübungen gab es Einzeltraining. Jeder sollte berichten, wo er oder sie Probleme mit seiner Stimme hat. Die Situation wurde dann nachgespielt und analysiert. Ich musste zum Beispiel, während die anderen sich lautstark unterhielten, mich bemerkbar machen, als wollte ich als Lehrerin vor einer quatschenden Klasse mit dem Unterricht beginnen. Natürlich haben die anderen auch absichtlich nicht aufgehört zu reden, als ich laut „Hallo" gerufen habe, aber es war für mich schon erschreckend, dass mich die meisten bei meinen ersten Versuchen, den Geräuschpegel zu übertönen, wirklich nicht gehört hatten. Nach ein paar mal ging es besser, aber ich konnte verstehen, warum Opernsänger eine jahrelange Ausbildung brauchen, um das Orchester übertönen zu können, ohne am nächsten Tag keine Stimme mehr zu haben.

Da der MPK-Kurs aber kein Selbsthilfekurs ist, sondern eine Univeranstaltung, muss ein bisschen Leistungsabfrage natürlich sein. Daher sollen wir in Gruppen ein Referat zu irgendeinem Thema halten, das mit Stimme zu tun hat. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, es kann etwas rein Wissenschaftliches, aber auch was Kreatives sein. Man spürte deutlich, wie Unmut im Raum aufkam. Und auch ich ertappte mich bei dem Gedanken: „Mensch, kannst du uns nicht einen klaren Arbeitsauftrag geben? Das Thema, die Länge, das Handout bis dann und dann an die und die Adresse schicken?" So weit ist es also schon gekommen, dass man auf klare Anweisungen wartet und sein Hirn nicht mehr selbst anstrengen will, um sich etwas einfallen zu lassen! Die Referate werden bei der nächsten Sitzung kommen. Ich bin gespannt, was meine Kommilitonen erzählen.

Ach ja, und ein Stimmtagebuch müssen wir auch führen. Was das genau sein soll, ist auch nicht vorgeschrieben. Aber meiner Meinung nach ist das nur ein Mittel, uns dafür zu sensibilisieren, wie es unserer Stimme geht und wie wir die Stimmen anderer wahrnehmen. Und auch das will natürlich irgendwie überprüft werden.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  May 22, 2012
Autor: Rose
Rubrik: studium
May 22, 2012

Studentenleben live

So wachse mit deinem Stress

Eigentlich ist mir die Redewendung als „mit seinen Aufgaben wachsen“ bekannt, aber nach über einem Monat in der Arbeitswelt habe ich erkannt, dass es sich bei dem Wort „Aufgaben“ um ein Synonym für „Stress“ handelt. Aus diesem Grund dürfte obiger Titel vielen sowohl bekannt als auch leid sein. So entspannt das Praktikum auch begann, so rasant nahm es immer mehr an Form und Fülle an. Man kann sich das Ganze wie den Bau eines Schneemanns vorstellen: Bis die erste Kugel ins Rollen gebracht ist, muss man viel Zeit und Kraft auf sich nehmen. Aller Anfang ist schwer. Doch bald schon rollt die Kugel von allein und ehe man sich versieht, ist sie fertig. Doch dann kommt die zweite Kugel und anschließend die dritte. Es geht immer weiter, und zwar bei steigendem Tempo. Genauso ergeht es auch mir. Ich baue zwar nicht direkt an einem Schneemann, aber dafür an meinen praktischen Marketingkenntnissen. Ein Monat ist nun wirklich kein langer Zeitraum – ehrlich gesagt kommt mir die Zeit viel länger vor. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich in dieser Zeit schon eine so riesige Kugel gebaut habe, dass ich manchmal gar nicht weiß, wie ich die nächste Kugel hinaufhieven soll. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht zu helfen wüsste: Dann nehme ich mir (metaphorisch gesehen) eben eine Leiter – sprich: Ich baue auch meine Werkzeugkiste aus (auf Deutsch gesagt: Fachliteratur). So habe ich mir erst kürzlich ein wahnsinnig fesselndes Buch bestellt, bei dem die Sensorik, also alle Sinneswahrnehmungen, für jegliche Marketingaktivitäten eine bedeutende Rolle spielt. Und ich kann euch sagen: Ihr glaubt ja gar nicht, wie sehr die Werbung mit euren Sinnen flirtet – meist passiert es nämlich eher unbewusst. Mir fällt es wirklich schwer, dieses Exemplar wegzulegen. Folglich sieht man mich überall mit diesem Buch in der Hand: in der U-Bahn, in der Mittagspause, am Schreibtisch, in meinem Bett. Es ist schon wirklich erstaunlich, in welchen Facetten sich die – ich nenne es mal – „Auswirkungen“ des Praktikums entfalten!

Autor: Jacqueline  |  Rubrik: studium  |  May 21, 2012
Autor: Jacqueline
Rubrik: studium
May 21, 2012

Studentenleben live

Ist ein Studienfachwechsel feige?

Was will ich mit meinem Leben beruflich anfangen? Das fragen sich wahrscheinlich alle Schüler spätestens ab der elften Klasse. Wenn man nach dem Abitur nicht weiß, was man machen will, steht man sofort unter Druck. „Langsam musst du dich aber schon mal entscheiden!", kriegt man in verschiedenen Variationen zu hören. Doch auch ein FSJ oder Bundesfreiwilligendienst bringt einen in dieser Frage oft nicht weiter. Man lernt viel fürs Leben und ich würde es jedem uneingeschränkt empfehlen, nach der Schule ein Jahr etwas anderes zu machen – aber die Erleuchtung, was man denn nun studieren soll oder was für eine Ausbildung man machen soll, kommt einem eher selten.

Wenn man ehrlich mit sich selbst ist, ist die Wahl der Ausbildung schlussendlich dann nicht immer rational. Manche entscheiden sich erst für einen Ort, und schauen dann, welche Fächer die Uni im Angebot hat. Manche richten sich nach ihren Freunden oder Eltern. Manche nehmen das Fach, das keinen NC hat. Und manche werfen vielleicht eine Münze. Nach der „Flitterwochenphase" im ersten Semester – alles neu, alles bunt, alles toll – stellt sich Ernüchterung ein. Das ist eine relativ normale Entwicklung. Doch zu mancher Ernüchterung gesellt sich auch ein kleiner Floh namens Zweifel. Der flüstert einem dann ins Ohr: „Ist das wirklich das Richtige für mich?" „Ist es normal, dass ich mich nicht zum Lernen motivieren kann?" „Kann ich mir wirklich vorstellen mit dem Stoff die nächsten Jahre den Großteil meiner Zeit zu verbringen?"

Natürlich kann das eine Phase sein, die auch wieder vorübergeht. Schließlich lernt keiner gerne für Klausuren und keiner würde „Referate vorbereiten" oder „Hausarbeiten schreiben" als sein Hobby angeben. Man sollte diesen Floh aber auf keinen Fall ignorieren. Denn in der Uni kann man oft nicht so spontan sein, wie man vielleicht will. Wenn man sich im Juni überlegt, vielleicht das Fach zu wechseln, muss man sich oft schon bald danach bewerben. Wie, wo, wann und bei wem, das ist an jeder Uni und manchmal auch noch bei den einzelnen Fächern unterschiedlich. Entschließt man sich zu spät, muss man unter Umständen ein halbes Jahr warten.

Am wichtigsten ist es aber, dass man sich nicht von dem Vorwurf verunsichern lässt, ein Studienfachwechsel wäre feige. Natürlich ist es schade, ein Studium wegen einer schlechten Klausur zu „schmeißen". Ich finde es eher feige, ein Studium irgendwie durchzuziehen, weil man nicht den Mut hat, sich mit sich selbst zu konfrontieren und andere Möglichkeiten zu durchdenken. Natürlich ist es belastend, sich immer wieder zu hinterfragen und wesentlich angenehmer, einfach alles laufen zu lassen und nichts zu verändern. Aber je früher man auf seine Zweifel hört, desto vergleichsweise einfacher ist ein Wechsel.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  May 10, 2012
Autor: Rose
Rubrik: studium
May 10, 2012