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Geschichte und Philosophie

Russischprüfung vergeigt - und nun?

Das die Dinge schlecht staden war mir klar – dass ich also nicht bestanden habe, hat mich nicht sehr verwundert. Gefreut habe ich mich jedoch über das Angebot, nach meiner Rückkehr aus der Ukraine einen zweiten Anlauf zu versuchen. Dass meine Absicht in die Ukraine zu reisen ein gewisses Wohlwollen hervorrufen könne, hatte ich mir schon gedacht und deshalb in dem vorzutragenden Monolog auch davon gesprochen. Nachdem der ganze Spuk also erst einmal vorbei war, habe ich mit meinem Komilitonen Lew Petrovitsch – Leon, Sohn von Peter – erst einmal einen kleinen Vodka getrunken. Er war von schlaflosen Nächten und der Anspannung der letzten Tage fix und fertig, seine Laune war trotz der für ihn guten Note nach der Prüfung schlechter gelaunt als zuvor. Ich, der große Verlierer, war hingegen bestens gelaunt – was sich an Drang nach guter Laune in den letzten Tagen vor der Prüfung angestaut hatte, durfte nun, nachdem sie vorbei war auch heraus.

Russisch lernen scheint mir wie der Versuch, Latein sprechen zu lernen. Latein hatte ich fünf Jahre in der Schule und am Ende konnte ich es ganz gut lesen. In den Prüfungen hatten wir zur Übersetzung von 60 Worten auch 60 Minuten Zeit und einen Stowasser zur Hand. Im Russischen geschieht, wie in Latein, sehr viel über die variablen Endungen der Wörter – Deklinationen und Konjugationen. Hinzu kommen das kyrillische Alphabet und die vielleicht etwas undeutliche Aussprache eines deutschen Lehrers.

Die anderen, die mit mir in diesem Kurs saßen, wollen Russischlehrer werden, meine Ambitionen gehen über die eines Amateurs nicht hinaus. In gewisser Weise bin ich deshalb in diesem Kurs fehl am Platz gewesen. Dass ein Studium auch eine starke ökonomische Komponente hat, dass es sich häufig nicht um eine Verfeinerung des Menschen, sondern um eine Ausbildung handelt, muss ich mir auch immer wieder bewusst machen.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jul 27, 2010
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Rubrik: studium
Jul 27, 2010

Geschichte und Philosophie

Russisch lernen und eine riesige Kultur erschließen

Ich lerne gerade für Russisch – in vier Tagen ist die Prüfung. Einen Monolog und einen Dialog von je fünf bis zehn Minuten werde ich halten. Das scheint mir eine gute Form der Prüfung einer Fremdsprache – nicht schriftlich, sondern mündlich – kommt es doch aufs Sprechen an. Dazu lerne ich als Übung mit Hilfe von Vokabelkarten kleine Sätze auswendig, wie: „Na ulitze stoit malenki maltzik i platschet“ – „Auf der Straße steht ein kleiner Junge und weint“ oder „Ia wsjegda radujus soltzu, wetru i swabodje“ ­– „Ich freue mich immer auf die Sonne, den Wind und die Freiheit“.

Jeder hat sein System – wichtig ist nur, dass man sich einen kleinen Hort aufbaut, eine kleine Schatzkammer, in die man seine Erkenntnisse hineinsteckt und aus der man sie, ohne lange zu suchen, auch wieder hervorholen kann. Russisch scheint mir so schwer zu erlernen sein wie Latein, nur dass man zu Beginn auch noch die kyrillische Schrift lernen muss.

Einige Russen haben den Kurs besucht – vielleicht haben sie dadurch noch ein wenig Grammatik gelernt, ansonsten ein Heimspiel, bei dem sie für ihren Bachelor ein paar Punkte sammeln konnten. Von Null an, so wie ich, wird ab dem nächsten Semester an der Uni Leipzig keiner Russisch studieren. Ein gewisses Sprachniveau wird dann in der Slawistik schon vorausgesetzt werden. So wie ich als Geschichts- und Philosophiestudent mal nebenbei Russisch belegen, wird dann nicht mehr möglich sein. Mir hat es gefallen, noch innerhalb des Studiums eine Sprache lernen zu dürfen, ja zu sollen. Im Studium der Geschichte ist es vorgesehen, zwei Sprachmodule zu belegen. Die meisten holen dann das Latinum nach, andere bessern ihr Französisch oder Englisch auf, aber das hatte ich jedoch schon in der Schule. Gipfeln soll mein sprachlicher und kultureller Ausflug in einer Reise in die östliche Ukraine, wo man auch Russisch spricht.  

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jul 16, 2010
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Jul 16, 2010

Studentenleben live

Der letzte Tag im Semester

Die Vorlesungszeit ist vorbei. Als ich heute Morgen mit dem Fahrrad zur Uni fuhr und durch den Park kam, war es noch ein wenig kühl. Kurz darauf am Campus schon gar nicht mehr. Ich überlege immer, wo ich denn mein Fahrrad abstellen soll – in der Fahrradgarage oder irgendwo vor der Uni. Über tausend Räder sind es, die an einem normalen Unitag in und um den Campus stehen. Diesmal entschied ich mich für die Garage, wahrscheinlich weil ich mit ihr eine angenehme Kühle verband.

Dann die letzte Vorlesung bei meinem Prof zu der Frage: Wann beginnt die Neuzeit? Eine letzte Veranstaltung, Seminar oder Vorlesung sollte ein Resümee ziehen – das hat er ansatzweise auch getan. Auf einer Skala von 1 bis 6, wie in der Schule, erhält er von mir die Note 2,7. Nicht schlechter, weil er einen ordentlichen Redefluss hat, weil er ab und an auch lustig ist und natürlich, weil er recht überzeugende Argumente aus sehr vielen verschiedenen Bereichen der Geschichte anführte. Nicht besser jedoch, weil die Rede doch stringenter hätte sein können und weil er seine Worte mehr hätte illustrieren können – richtig gestört hat mich jedoch, dass er die Kontroversen in der Geschichtswissenschaft außen vor gelassen hat.

Zum Mittagessen in der Mensa traf ich mich mit meiner Russischdozentin Tanja vom letzten Semester. Nicht nur an der Uni unterrichtet sie – das würde wahrscheinlich vorne und hinten nicht langen – ebenso gibt sie privat und in Unternehmen Unterricht. Danach hatte auch ich meine letzte Russischveranstaltung – wahrscheinlich für immer. Nächste Woche ist die Prüfung und dann lerne ich nur noch in der Praxis im Land.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jul 13, 2010
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Rubrik: studium
Jul 13, 2010