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Geschichte und Philosophie

Kalenderwunder

Endlich habe ich mir einen Kalender zugelegt – und es funktioniert! Ich nehme mir nur noch soviel vor, wie ich auch schaffen kann und zusätzlich habe ich beim Ausstreichen oder Abhaken einer Sache noch ein weiteres kleines Glücksgefühl à la: „Ja, geschafft!“ oder „Gut gemacht!“. Früher habe ich mir immer auf Briefumschlagsrückseiten Listen von zu erledigenden Dingen gemacht. Abends dann konnte ich mich nicht freuen, sondern immer nur ärgern – über all die Dinge, die ich mir so fest vorgenommen, aber dann doch nicht erledigt hatte. Und so wurde die Liste immer länger und mein Ärger immer größer.

Auch habe ich mir nun so eine Geschichte zu Herzen genommen – eine Art Gleichnis darüber, wie man sich am besten organisert: Wenn man erst große Steine, dann kleine Steine, dann Kies und dann Sand in einen Behälter tut, passt immer noch was rein – Wasser. Aber die großen Steine passen nur deshalb rein, weil man sie zu erst rein tut. Der Behälter ist die eigene Zeit, die großen Steine aber stehen für die großen Dinge im Leben, die nur zuerst reinpassen – nicht aber zuletzt, wenn man schon Sand und Kies eingefüllt hat.

Als Student habe ich mich zu Anfang so entwurzelt und orientierungslos gefühlt. Auch jetzt verdamme ich manchmal die Stadt, die mir dann wie ein Meer vorkommt – viel zu groß, um darin Halt zu finden, groß genug aber, um darin unterzugehen. Ob andere besser Schwimmen gelernt haben? Ob sie gar nicht sehen, dass das Meer so groß ist? Oder schwimmen sie vielleicht gar nicht, sondern surfen, segeln, rudern oder fliegen sie darüber? Das Segeln auf diesem Meer stelle ich mir am schönsten vor.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Mar 16, 2010
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Mar 16, 2010

Geschichte und Philosophie

Umsonstladen — so geht's auch

Ich komme gerade vom Umsonstladen zurück. Nicht weit von mir in einem noch recht heruntergekommenen Viertel Leipzigs gibt es in einer alten Fabrik einen Umsonstladen. Man geht dort nicht umsonst hin, aber man kann alles dort kostenlos mitnehmen und auch Sachen, die man selber nicht mehr braucht, abliefern. Ein Hemd, das mir zu groß ist, einen kleinen Taschenrechner und eine Armbanduhr habe ich dorthin gebracht. Ein gutes Gefühl, sich von ungebrauchtem Besitz zu trennen.

Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt, in dem Laden ein wenig zu stöbern. Viele alte Bücher aus den 70er- und 80er-Jahren findet man dort. Auch Porzellan „Made in GDR“ (German Democratic Republic) sowie völlig veraltetes Computerzubehör und Elektronik. Kleider auch, das bessere Zeugs, bleibt natürlich nicht lange in dem Laden. Aber dafür ist er ja auch da, dass Leute, die etwas nicht mehr brauchen, es anderen geben können, die es gebrauchen können – zurück in den Kreislauf!

Hier wird Art. 14 Absatz 2 im Grundgesetz „Eigentum verpflichtet“ zum Motto: Das Ideal, Ressourcen schonend Ungebrauchtes, aber Funktionierendes weiterzugeben an jene, die etwas damit anfangen können. Was macht ein Buch im Regal, nachdem es gelesen wurde? Ja es schmückt, und manche Bücher liest man auch noch einmal, aber wie viele Bücher verstauben nur im Regal?! Und hier in Leipzig, aber sicher auch in anderen Städten, gibt es Leute, die so etwas wirklich gebrauchen können.

Und weil meine Mitbewohner meinten, es fehle uns an kleinen Tellern, habe ich dort gleich ein paar mitgenommen – mit alten Blumenmotiven, wie sie heute keiner mehr kaufen würde, aber uns Studenten ist das ja egal. Auch zwei Bücher habe ich mir mitgenommen: eines ganz schräg – über Urin als Medizin – dann auch ein lustiges Taschenbuch mit Geschichten von Dagobert Duck, dass ich mal wieder was zum lachen habe. Nächstes Mal bringe ich sicher auch ein paar Bücher dorthin.

Umsonstläden gibt es, wie ich festgestellt habe, auch in einigen anderen Städten. Schaut mal nach!

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Mar 10, 2010
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Mar 10, 2010

Geschichte und Philosophie

Zu viele Bücher für ein Leben

Vor lauter Büchern sehe ich die Bibliothek nicht mehr. Millionen von Bücher, also vielleicht eine Milliarde Seiten, hat es hier in der Universitätsbibliothek Leipzig. Wie viele Tage habe ich noch im Leben? Vielleicht noch 60 mal 365, also gut 20.000. Ich könnte also bei durchschnittlich 10 Seiten pro Tag in meinem ganzen restlichen Leben 0,2 Promille der Bücher in der UB lesen. Wobei in 60 Jahren bestimmt noch eine Milliarde Seiten hinzugekommen sein werden. Was für eine abstruse Vorstellung, eine Rechnung, die ich besser wieder vergesse. Verschwindend gering ein Leben in einer Bibliothek. Diese Bücher als Extrakte abertausender Leben – scheinbar! Da nur Facette, nur Teil.

Auch wenn so vieles interessant ist – auf dem Weg zu einem Buch erblicke ich immer zehn andere Bücher mit interessanten und viel versprechenden Titeln. Es kann nur ein Teil des Lebens sein, nie das Ganze. Mich dafür blind zu stellen, fällt mir immer wieder schwer. Aber auch das, was ich schlussendlich lese, reicht schon aus, dass ich mir damit ein Gedankenschloss baue mit hundert Räumen, Sälen, Fluren, Kammern, Stuben und Gemächern. Darin tausende Bilder, Begriffe, Namen, Farben und Formen.

Manchmal überwiegt die Angst, manchmal die Faszination – die Welt erobern oder in ihr versinken, untergehen. Die Balance will ich halten – eintauchen und wieder Luft schnappen. Nie eines vergessen, sonst werde ich mich in dem anderen verlieren.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Feb 25, 2010
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Rubrik: studium
Feb 25, 2010