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Ausbildung live

Fazit Wochenbett – Achterbahn der Gefühle

Das Wochenbett in meinem Krankenhaus teilt sich in zwei Abteilungen: die Wöchnerinnen, also gesunde Mütter und Kinder, sowie die Risikoschwangerschaften und Entbindungen, die nicht so verlaufen sind, wie sie sollten.
Bis auf wenige Ausnahmen, habe ich alle meine Dienste bei den Risikoschwangeren verbracht. Neben den Hormon- und Stimmungsschwankungen der Schwangeren, sind auch meine Gefühle oft Achterbahn gefahren. Als Pflegekraft muss ich schnell wechseln können zwischen „menschlich“ und „tough“. Und ich darf das Leid mancher Patientinnen und Neugeborener nicht mit nach Hause nehmen. Sonst gehe ich daran eines Tages kaputt.
Was mich diese Station neben vielen Krankheitsbildern jedoch am meisten gelehrt hat ist, dass Schwangerschaften extrem gut verlaufen können, es aber auch tausende Fälle gibt, in denen nicht alles gut verläuft. In dieser Station trifft alles zusammen. In einem Zimmer liegt eine Mutter mit einer Schwangerschaftsvergiftung, im nächsten geht es der Mutter gut, aber das Kind muss auf die Intensivstation. Zwei Zimmer weiter hat eine Mutter ohne Probleme Zwillinge geboren und darf bald nach Hause.
Mit jedem einzelner Patientin fühle ich mit. Ich freue mich, wenn Mütter und Kinder entlassen werden, hoffe, dass das Kind die große OP gut übersteht und manchmal halte ich einfach nur die Hand der Mama, damit sie sich nicht alleine fühlt.
Dieser Einsatz hat mir nochmal ein großes Stück Dankbarkeit beschert. Nichts ist selbstverständlich, offenbar nicht einmal, dass ich gesund auf der Welt bin.
Umso mehr freue ich mich dann zu hören, dass das Kind auf der Intensivstation wieder atmet, die kranke Mutter mir mit neuen Kräften auf dem Flur entgegen kommt oder Angehörige voller Vorfreude den neuen Erdling begrüßen. Es gibt sie, die Dinge, die ich einfach nur schweigend genießen möchte.

Autor: Lydia  |  Rubrik: ausbildung  |  21.03.2019
Autor: Lydia
Rubrik: ausbildung
21.03.2019

Ausbildung live

Umgang mit dem Tod

In meinem Beruf bin ich viel mit Menschen in Kontakt. Tagtäglich sehe ich Leid und Traurigkeit. Oft auch Freude und Dankbarkeit. Ich sehe Menschen, die um ihr Leben kämpfen. Menschen, die diesen Kampf gewonnen haben, aber auch Angehörige, die um einen geliebten Menschen trauern. Mich treffen alle möglichen Emotionen: Wut. Angst. Verzweiflung. Liebe. Trauer. Überraschung. Fassungslosigkeit.
Und auch wenn ich bereits in meinem Freiwilligenjahr oft mit dem Tod konfrontiert wurde, ist es jedes Mal anders.
Da das Thema hochsensibel ist, gab es bereits in meinem ersten Theorieblock meiner Ausbildung ein Sterbeseminar, in dem wir Möglichkeiten besprochen haben, mit dem Tod umzugehen. Denn es kann jeden von uns Schülern leider immer unvorbereitet treffen, auch wenn unsere Dozenten versuchen, uns möglichst lange davor zu bewahren. Daher sollten wir uns mit dem Thema befasst haben, bevor uns eine solche Situation begegnet.
Es ist nie schön, wenn ein Mensch stirbt. Und auch wenn ich ihn nur durch meine Arbeit kenne, leide ich manchmal mit. Und das ist auch in Ordnung. Natürlich muss man in diesem Beruf versuchen, sich emotional nicht zu sehr mitnehmen zu lassen. Doch würden mich solche Dinge nicht berühren, würde ich mich fragen, ob ich überhaupt noch menschlich bin.

Autor: Lydia  |  Rubrik: ausbildung  |  14.03.2019
Autor: Lydia
Rubrik: ausbildung
14.03.2019

Ausbildung live

Zeit für sich

Nicht heute – das würde ich gerne öfter sagen, doch mein innerer sozialer Druck sagt mir, dass ich erreichbar, gut drauf und unternehmenslustig sein muss. Natürlich sagt mir das niemand so, das ist nur meine Interpretation.
Ich habe jeden Tag in der Woche mindestens einen Termin. Und im Grunde sind es Treffen und Unternehmungen, die mir sehr gut tun, auf die ich Lust habe und die meine Akkus aufladen. Dennoch fühle ich mich erschöpft. Vermutlich erwarten meine Mitmenschen nicht, dass ich ständig für sie da bin. Doch das ist meine Erwartungshaltung an mich selbst.
Doch bedeutet das, dass ich mein Handy immer in greifbarer Nähe haben muss? Dass ich immer wissen muss, was in den sozialen Medien los ist? Manchmal heißt es das. Aber manchmal eben auch nicht. Denn ich verliere den Bezug zu mir selbst.
Ich falle abends ins Bett, bin müde und will einfach mal faul sein. Ich will Bücher lesen und dabei alles um mich herum vergessen.
Darf ich die Schuld auf meine Mitmenschen schieben? Nein. Denn ich fordere die Zeit für mich letztendlich auch nicht ein. Es liegt an mir, das zu ändern.
Ich muss lernen, auch mal Nein zu sagen: nicht heute.

Autor: Lee-Ceshia   |  Rubrik: ausbildung  |  12.03.2019