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100 erste Tage an der Uni

Vom Mitfahren (Teil 2)

Munter fahren wir weiter und kommen gut voran. Irgendwann, vielleicht eine Stunde nach Hamburg, vielleicht zwei: Die Fotografin neben mir schläft, die Medizinstudentin vor mir liest ihren London-Reiseführer. Klingeln Fotografinnentelefon. Sie ist sofort hellwach. „Was? Feuerwehr!? Oh Gott! Polizei!? Kann nicht einmal alles gut gehen! Herd! Was hat der nur wieder gemacht!?“ In ihrer Wohnung hatte es wohl ein wenig geraucht und die Nachbarn haben die Polizei gerufen. Sie nimmt es mit Humor. Die Feuerwehr wäre schon drinnen gewesen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Nun sind sie alle wieder hellwach. Wir fahren den Parkplatz mit dem schönen Namen „Am Bierberg“ zu einer Pause an, bevor sich Daniel wieder mit Kupplung und Gas in den Kampf mit den Staus wirft. Gegen 19 Uhr laufen wir in Frankfurt ein. Wir werden am Bahnhof rausgeschmissen und verabschiedet mit den Worten „Bis bald vielleicht mal wieder!“ Bis bald, Daniel!

Die anderen beiden Fahrten lege ich dennoch wieder mit dem Zug zurück. Nicht, weil mir das Mitfahren keinen Spaß gemacht hätte, sondern weil einfach keiner auf meinen Strecken fährt. Oder weil mein Koffer zu groß für einen Renault-Clio-Kofferraum gehalten wird. So fahre ich eben mit der Bahn, strande kurzzeitig wegen Verspätungen und Klimaanlagenausfällen auf der Hinreise nach Heidenheim in Ulm und auf der Abreise nach Halle in Nürnberg. Doch das stört mich weniger, als im Stau zu stehen. Ich entdecke beim Umsteigen spätabends in Naumburg einen grandiosen, neuen Dönerladen mit dem Namen „Express Pizza“ und dem Slogan „Italienische, Griechische, Indische, Thailändische und Internationale Spezialitäten“ und im Ersatzzug lerne ich einen Australier kennen, der gerade eine Europatour macht. Und durch das Ausfüllen des Fahrgastrechteformulars kriege ich später sogar 50 Prozent vom Kaufpreis zurück – ein richtiges Schnäppchen sozusagen.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Aug 25, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Aug 25, 2015

100 erste Tage an der Uni

Vom Mitfahren

Beim ersten Blick auf die Preisliste der Deutschen Bahn erschrak ich ganz schön. Fuhr ich in Tschechien noch für 30 Euro durch die ganze Republik und zurück nach Prag – erster Klasse versteht sich – wollte nun die Deutsche Bahn Unmengen an Geld für meine Reisekette, die da lautete: Kühlungsborn/Ostseestrand (Familienurlaub) – Frankfurt a. M. (Zwischenübernachtung) – Heidenheim a. d. Brenz (FSJ Abschlussseminar vom Deutschen Roten Kreuz) – Halle an der Saale (Home, sweet home). Also suchte ich nach Alternativen und wurde bei einer Mitfahrzentrale fündig. Also los, dachte ich mir, das probierst du mal aus!

Mein Fahrer kommt fast pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt an der Autobahnauffahrt Wismar Mitte. Er heißt Daniel und muss erstmal eine rauchen. Laut seinem Profil ist er jung und festivalbegeistert. Kommt hin. 30 Kröten nimmt er für die Wismar-Frankfurt-Tour – da kann man nichts sagen! Der Beifahrersitz und der Platz hinten rechts sind schon belegt. An der Windschutzscheibe klebt das iPhone, zeigt den Weg und spielt allerheftigsten Deutsch-Rap über das Autoradio ab. Ich nehme Platz. Man unterhält sich halbwegs locker. Der silbergraue Škoda Octavia, sagt Daniel, ist nun schon 13 Jahre alt. Sein altes Auto hatte er loswerden müssen, denn dort hatte es reingeschneit.

Wir fahren den Hamburger Bahnhof an. Mitfahrerwechsel. Zwei junge Damen ersetzen die anderen beiden und schnurstracks geht es wieder auf die Autobahn und in den ersten von unzählbar vielen folgenden Staus. Daniels Fahrweise lässt sich am besten mit „jugendlich“ beschreiben. Er benutzt Schimpfwörter und schüttelt permanent den Kopf. Dennoch fühle ich mich erstaunlich wohl.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Aug 18, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Aug 18, 2015

100 erste Tage om der Ausbildung

Hallo!

Mein Name ist Ferdinand. Ich bin vergangenen Mittwoch 20 Jahre alt geworden und mit Bloggen hatte ich bis vor einem Jahr nicht viel zu tun. Ich habe mein Abi gemacht, in der Freizeit Theater gespielt und im Chor gesungen. Dinge, die man eben so macht. Was ich studieren wollte, davon hatte ich überhaupt keine Vorstellung. Irgendwas mit Theater vielleicht. Oder Medien? „Aber gehe ich doch einfach erst einmal ins Ausland und sehe dann weiter“, dachte ich mir. Ich wollte etwas von der Welt sehen, raus aus dem alten Trott und vielleicht auch mich selbst ein bisschen finden.

Und so ist es dann auch gekommen. Ab September habe ich in einem Altersheim in Hostivice, einem Vorort von Prag, ein FSJ gemacht, das mir der Aalener Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes vermittelt hat. Dabei habe ich auch das Bloggen für mich entdeckt. Auf meinem privaten Blog berichtete ich von meiner Arbeit, vom Leben in Prag und von meinen zahlreichen Reisen. Ich wollte besondere Momente und meine Gedanken mit Freunden und Verwandten teilen. Und das tat ich dann auch. Ich schrieb über neue Freude und das Alleinesein, vom Ankommen in einem neuen Alltag, von Kutschen in Wien, Nachtbussen nach Warschau, einem Taiwaner in Bratislava und einem Bergdorf im Kaukasus. Und ganz viel über Tschechien: von Ústí nad Labem im Nordwesten bis Ostrava im Osten. Ich fand viel Gefallen an der ganzen Geschichte: Das Schreiben und Jonglieren mit den Worten macht mir Spaß. Und ich finde es toll, nach der Veröffentlichung Rückmeldungen zu bekommen. Nun bin ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, dieses Hobby weiterzuführen.

Seit Kurzem wohne ich nämlich wieder in Deutschland. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie es weiter gehen soll. Sehr viele. An den Theater-Unis wurde ich nicht angenommen und so werde ich nun in Leipzig Westslawistik mit Hauptfach Tschechisch studieren. In diesem Blog könnt ihr mich auf meinem Weg an die Uni begleiten. Außerdem möchte ich vom Studieren berichten und euch einen Eindruck von meinem Studienalltag vermitteln. Wie ist das, in eine andere Stadt zu ziehen? Wo werde ich wohnen? Wie werde ich Leute kennenlernen? Darüber hinaus werde ich von (höchstwahrscheinlich) vielen kommenden Abenteuern und Reisen nach Tschechien berichten und hoffe, dass ich damit bei euch das Interesse für unseren östlichen Nachbarn wecke.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Aug 4, 2015
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Aug 4, 2015