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100 erste Tage an der Uni

Der Hausarbeits-Horror

Thema: Hausarbeit. Kann doch eigentlich nicht so schwer sein, oder? Ich muss dazu sagen, dass dies meine allererste ist und ich keine große Ahnung habe, wie genau so etwas funktioniert. Ich weiß zum Beispiel nicht wie man die Arbeit aufbauen und gliedern muss. Aber da ich in Sachen Schreiben ja schon immer talentierter als beim Lernen war, dachte ich, kann ja alles nicht so schwer sein. Falsch gedacht! Der Hausarbeits-Wahnsinn hat von mir Besitz ergriffen und ich bekomme schon einen leichten Würgereflex, wenn ich bloß daran denke, den Laptop hochfahren und mich zum hundertsten Mal dransetzen zu müssen.

Dabei ist mein Thema gar nicht mal uninteressant. Da ich ein Seminar mit dem Titel „Storytelling Down Under“ belegte, was sich hauptsächlich mit den Eingeborenen Neuseelands und Australiens und deren Literatur beschäftigte, musste meine Hausarbeit natürlich auch etwas damit zu tun haben. Ich entschied mich letztendlich dafür, über Australier zu schreiben, die sowohl Weiße als auch Aborigines als Vorfahren haben.

So weit, so gut. Die wirklichen Probleme taten sich jedoch an ganz anderer Stelle auf. Abgabetermin war nämlich der 31. August und so blieb mir nicht viel Zeit nach den geschriebenen Klausuren. Dennoch war ich relativ motiviert und setzte mich, so oft es ging, an den Computer. Zuletzt brachte ich sogar sechs bis acht Stunden täglich auf diese Weise zu. Leider war ich mir nicht sicher, wo ich anfangen sollte, welche Vorgehensweise die richtige wäre und was überhaupt alles in meiner Hausarbeit vorkommen sollte. Meine Professorin war zu der Zeit jedoch im Urlaub und antwortete mir nicht auf meine Mails, weshalb ich also besten Gewissens in die Tasten haute, um rechtzeitig fertig zu werden. Dann endlich: Nach zwei Büchern und gefühlt hundert gelesenen Sekundärtexten hatte ich meine Arbeit auf insgesamt elf Seiten beendet und war ziemlich erleichtert. Dieses Glücksgefühl hielt aber nicht sonderlich lange an. Am nächsten Morgen las ich eine Mail meiner Professorin. Darin stand, dass mein Aufbau nicht ganz korrekt sei und ich das Ganze literaturwissenschaftlicher angehen müsse.

Da war es erst mal vorbei mit meinen Nerven! Wie sollte ich es in der kurzen Zeit schaffen, meine ganze Arbeit noch einmal umzukrempeln? Doch meine Professorin beruhigte mich sofort wieder. Ich würde die Zeit bekommen, die ich brauchte, um alles noch einmal durchzugehen.

Autor: Noelle  |  Rubrik: studium  |  Sep 11, 2013
Autor: Noelle
Rubrik: studium
Sep 11, 2013

100 erste Tage an der Uni

Bürokratiestaat Deutschland (Teil 2)

Der nächste Punkt, bei dem ich mit der deutschen Bürokratie konfrontiert wurde, kam von meiner besten Freundin. Sie studiert Jura und fragte mich, ob ich ihre Hausarbeit Korrektur lesen wolle. Natürlich wollte ich, vor allem, weil sie mir am Telefon erzählt hatte, dass ihre Hausarbeit schon vom Stil her ganz anders als meine sei. Auf den 25 Seiten fand ich einen Kommafehler, drei Tippfehler, ein paar Groß- und Kleinschreibfehler und vor allem eine wichtige Erkenntnis: „Ich verstehe gerade dieses deutsche Bürokratie-Vorurteil – zumindest ein bisschen.“

Ich hatte bisher immer gedacht, dass die Arbeit von Juristen darin besteht, einfach zu sagen „Okay, der Typ hat einen umgebracht/eine Bank ausgeraubt/Steuern hinterzogen, das war falsch, wir müssen jetzt eine Strafe finden.“ Damit lag ich aber anscheinend falsch. In der Hausarbeit ging es eigentlich um einen kleinen Fall, jemanden, der versucht, ein Gesetz anzufechten. Aber nur zu überprüfen, ob er das kann, ist natürlich zu einfach, erst muss die Beschwerdefähigkeit und Prozessfähigkeit der Person überprüft werden, dann die Beschwerdebefugnis, die Ordnungsmäßigkeit der Beschwerde (ja, das ist offenbar alles etwas Unterschiedliches) und dann erst kommen irgendwann die Überprüfungen, ob das Gesetz jetzt anfechtbar ist oder nicht!

Im juristischen Bereich ist eine solche Menge an Kleinschrittigkeit vielleicht noch nachvollziehbar, damit das Rechtssystem in Deutschland nicht durch übersehene Fakten oder Ähnliches unterwandert wird, aber jetzt musste ich auch am eigenen Leib erfahren, wie kompliziert es hier ist.

Im nächsten Semester werde ich ein Orientierungs-Tutorium für Erstsemester geben, worauf ich mich auch schon ziemlich freue. Ein solches Tutorium habe ich selbst im ersten Semester belegt und fand es ziemlich gut, darum hoffe ich, selbst eine gute Tutorin zu sein – und das Einführungswochenende macht bestimmt auch Spaß!

Nur leider gehört zu dem Job auch erst einmal Papierkram. Ich hatte damit gerechnet, einiges ausfüllen und abgeben zu müssen, aber der Fragebogen für erstmalige Angestellte der Heinrich-Heine-Universität war dann doch etwas kompliziert. „Papa, heißt das hier, dass ich arbeitslos bin, und das hier, dass ich ein Kind habe? Da muss ich dann ‚nein‘ ankreuzen, oder? Und hier steht, ich soll meine LBV-Personalnummer angeben, was ist das bitte?“

Die beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde war noch das geringste Problem, aber bei weiteren Anlagen, wie dem Nachweis der Krankenversicherung, wurde es komplizierter („Woher krieg ich sowas denn?“). Ich bin noch immer nicht ganz fertig mit dem Ausfüllen und Besorgen der Unterlagen – hoffentlich schaffe ich das rechtzeitig!

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Sep 11, 2013
Autor: Janna
Rubrik: studium
Sep 11, 2013

100 erste Tage an der Uni

Bürokratiestaat Deutschland (Teil 1)

Eigentlich hatte ich noch nie wirklich das Gefühl, dass Deutschland so übertrieben bürokratisch ist, wie immer gerne behauptet wird. Ich meine, okay, für den Führerschein damals brauchte ich eine ganze Menge Unterlagen – vor allem, weil ich mich für das begleitende Fahren entschieden hatte – aber das erschien mir wirklich notwendig. Warum genau man für die Immatrikulation auch noch Versicherungsnachweise braucht, war mir ebenfalls nicht unbedingt klar, aber so übertrieben bürokratisch fand ich das nun auch nicht. In der letzten Zeit habe ich allerdings zunehmend das Gefühl, dass ich hier vielleicht doch in einem Land lebe, das Regelungen viel zu wichtig nimmt und sich mit doppelten Durchschlägen und allerlei notwendigen Unterschriften umgeben möchte.

Es fing ganz harmlos damit an, dass zwei Freundinnen von ihren Auslandsaufenthalten in Argentinien und Togo zurückkamen. Angesichts der fehlenden Buspläne in Argentinien war ich nahezu geschockt: „Aber woher weiß man denn da, wann der Bus kommt?“ – „Das sagen die einem.“ – „Und woher wissen die das?“ – „Die wissen das halt. Außerdem kommt der Bus ja nicht zu festen Zeiten, sondern alle zehn Minuten oder alle halbe Stunde, man muss also nur lange genug warten.“ – „Und was, wenn man einen wichtigen Termin hat, zu dem man pünktlich erscheinen muss?“ – „Janna, es ist Argentinien!“

Nein, ich konnte und wollte das nicht verstehen! Die Informationsseite des lokalen Verkehrsverbunds ist meine erste Anlaufstelle, wenn ich irgendwohin möchte und noch nicht die genauen Fahrzeiten habe. Und wenn ich meinen Anschluss verpasse oder Leute in der Bahn mit ihren Taschen Sitze besetzen, während andere Leute stehen müssen, bin ich typisch deutsch verstimmt und beschwere mich. Zwar nicht unbedingt beim Fahrpersonal, dafür bin ich dann auch zu höflich, die können ja nicht zwangsläufig etwas dafür, aber zumindest eine SMS an eine Freundin muss sein.

In Togo waren die Bedingungen wohl noch chaotischer. „Ihr seid also mit neun Leuten in einem zwanzig Jahre alten Fünfsitzer ohne Airbag und mit nur zwei funktionierenden Anschnallgurten über diese alte, holprige Straße gerast? Mit hundert Kilometern pro Stunde? Und einen Steinschlag in der Windschutzscheibe hattet ihr auch noch? Gibt es da denn keinen TÜV?“

Den TÜV hätte ich mir noch wegdenken können, aber spätestens bei den neun Leuten und den zwei Sicherheitsgurten wurde mir dann doch etwas mulmig und ich war wirklich froh, in Deutschland zu leben. Die Pünktlichkeit mag eine Marotte sein, aber Sicherheit geht doch vor!

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Aug 28, 2013
Autor: Janna
Rubrik: studium
Aug 28, 2013