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100 erste Tage an der Uni

Von der atemberaubenden Freiheit im Bachelor

Ob das mit der Freiheit Ironie ist? Ich studiere jetzt im dritten Semester Übersetzungswissenschaften im Bachelor und es wird und wird nicht besser. Anwesenheitspflicht, Hausaufgaben, mündliche Mitarbeit, Klausuren ohne Ende und teilweise über 24 Semesterwochenstunden. Letztes Semester: elf Klausuren, eine Hausarbeit. Dieses Semester 14 Klausuren, eine mündliche Prüfung. Dabei habe ich mir alle Mühe gegeben den Stundenplan so gechillt wie möglich zu gestalten.

1) Anwesenheitspflicht:

Wer mehr als zwei Mal fehlt (egal ob mit Attest oder nicht) ist durchgefallen. Warum bloß?! Ist das nicht mein Problem, ob ich die Leute mit meiner Anwesenheit beehre? Ich muss doch am Ende den Stoff drauf haben und nicht die Dozenten! Ob ich das jetzt in einem miefigen Seminarraum im Keller oder bei Sonnenschein auf den Neckarwiesen durcharbeite, kann doch wirklich kein ausschlaggebendes Notenkriterium sein!

2) mündliche Mitarbeit:

Wie bitte?! Ich dachte, das hätten wir in der Oberstufe schon nach und nach abgeschafft! Im Ernst, das hat doch nicht mehr viel mit Uni zu tun! Wie in der Unterstufe; jeder meldet sich und scheut sich nicht seinen minderqualifizierten Senf abzugeben…

3) Klausuren ohne Ende:

14 Klausuren sprechen für sich, oder?

4) 24 Semesterwochenstunden:

Das ist eigentlich nicht viel, wenn man nur diese Anwesenheitspflicht nicht hätte, wenn man flexibler und nicht einer Hausaufgabenkontrolle unterzogen wäre. So allerdings bleibt kaum Zeit für interessante Dinge. Jeder hechelt nur seinen Scheinen hinterher und das gigantische Angebot „Universität Heidelberg“ bleibt ungenutzt.

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Nov 20, 2012
Autor: Inga
Rubrik: studium
Nov 20, 2012

100 erste Tage an der Uni

Das Wunder vom BAföG-Amt

Es wäre für manch einen Studenten und, um politisch korrekt zu bleiben, auch für manch eine Studentin - und das schließt meine Wenigkeit mit ein - doch ein komfortabler Vorteil, zu wissen wie viel Geld einem im Monat zu Verfügung steht. Gar kein Problem, sollte man meinen, dafür gibt’s feste Absprachen mit Eltern, Minijobs, da weiß man ja in der Regel wie viel man bekommt, und das BAföG-Amt. Die verschicken Monate nach dem eingegangenen Antrag (sagen wir fairerweise Wochen) einen Bescheid, in dem der Betrag steht, den man dann auch hoffentlich ausgezahlt bekommt.

Problematisch wurde die Sache bei mir im vergangenen August. Ich bekam plötzlich jeden Monat einen neuen Bescheid (ziemlich ungewöhnlich, wenn man keine neuen Unterlagen einreicht), die kleine Zahl unten rechts wurde immer noch kleiner und ich bekam auch jeden Monat weniger Geld. Freundliches Lächeln, höfliches Entgegenkommen, fast täglich rannte ich dem Studentenwerk die Türen ein, ich wurde beschwichtigt, man hat tatsächlich versucht mir die hochkomplizierte Art der BAföG-Berechnung zu erklären. Das war natürlich zum Scheitern verurteilt, da kamen meine kleinen grauen Zellen einfach nicht mit. Dennoch, ich schöpfte Vertrauen in die nächsten Monate, die mir hoffentlich, wenn schon nicht viel, dann doch wenigstens immer den gleichen BAföG-Satz, ermöglichen sollten. Und ich wurde wieder enttäuscht. Am Ende des Monats bekam ich wieder weniger Geld und diesmal sogar ohne Bescheid. Vielleicht sollte ich einfach vor den Türen des BAföG-Amts campieren?

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Nov 15, 2012
Autor: Inga
Rubrik: studium
Nov 15, 2012

100 erste Tage an der Uni

Der kleine Unterschied und seine großen Folgen

Mittlerweile darf ich mich mit Fug und Recht seit drei Wochen „Studentin“ nennen. Nicht mehr Schülerin, nein, ich studiere jetzt. Aber inwiefern genau ist studieren eigentlich anders als zur Schule gehen? Meine ersten Eindrücke gingen in die Richtung „eigentlich ist beides dasselbe“. Okay, ich fahre morgens knapp eine Stunde lang Bahn, anstatt mal eben sieben Minuten zu Fuß zu gehen. Und das Essen in der Mensa ist billiger. Und okay, die Leute sind älter und es rennen einem dementsprechend keine Fünftklässlerzwerge mehr vor die Füße.

Aber sonst?

Genau wie in der Schule habe ich einen Stundenplan – allerdings mit weniger Stunden, mein Soziologie-Grundkurs und das Rhetorik-Seminar erinnern an die Schulstunden bei meinen Lieblingslehrern und die Mediävistikvorlesung ist dem Unterrichtsstil eines eher konservativen „Ich diktiere, ihr schreibt mit“-Lehrers zuzuordnen. Wie aus der Oberstufe bekannt habe ich Lehrveranstaltungen, die unterschiedlich zusammengewürfelt sind, etwas fachspezifischer – man hat nunmal nicht mehr Mathe, Sport und Pädagogik, sondern nur Themen, die Germanistik und Soziologie betreffen – aber die Ähnlichkeit ist deutlich zu erkennen.

In den Medien wird immer wieder angeprangert, wie sehr das Studium verschult wird und die eben genannten Erkenntnisse lassen auch leicht darauf schließen, aber einen wesentlichen Unterschied gibt es doch: Während einem in der Schule alles zukommt, was man braucht (Zeugnisausgabe, Nachfragen seitens der Stufenkoordinatoren bei Stundenplanproblemen, Erinnerungen an fällige Entschuldigungen, …), muss man sich an der Uni um alles selbst kümmern.

Natürlich hatten wir Einführungsveranstaltungen, in denen uns die Stundenplanerstellung, Seminarwahlen und die Universität an sich ein bisschen näher gebracht wurden. Aber für das meiste, was man wissen will, muss man selbst recherchieren oder sich überwinden und fragen. Es kommt niemand auf einen zu und hilft, die Hilfe muss man selbst suchen.

Eine Mail, einen Besuch bei der Fachschaft und ein paar Stunden des (Fast-)Verzweifelns vor dem Computer hat es gebraucht, um meinen Stundenplan fertig zu stellen. Nachfragen bei Professoren und das Risiko, es in einem schon vollbesetzten Seminar darauf ankommen zu lassen, ob der Dozent noch eine kleine Studentin, die das Seminar so gerne besuchen würde, zulässt, habe ich auf mich genommen, um sicherzugehen, dass alles zu meiner Zufriedenheit klappt.

Denn ich bin jetzt Studentin und an der Uni muss man mehr Verantwortung übernehmen als in der Schule!

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Nov 14, 2012
Autor: Janna
Rubrik: studium
Nov 14, 2012