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Sprengfalle – oder nicht?

Oberstabsarzt während einer Schießübung.
Abenteuerlust ist bei Bundeswehreinsätzen nicht gefragt. Vielmehr geht es um verantwortungsbewusstes Handeln und die Vermeidung unnötiger Gefahren.
Foto: Thorsten Mischke

Kampfmittelabwehrspezialistin

Sprengfalle – oder nicht?

Zünder, Munition, Sprengstoff – Katja Höhn* ist Expertin für alles, was in die Luft gehen kann. Als Offizierin bei der Bundeswehr bereitet sie am Ausbildungsstützpunkt in Stetten Truppen auf ihre Kampfmittelabwehr-Einsätze in Krisengebieten wie Mali, Irak oder Afghanistan vor. Für abi>> berichtet sie, wie sie selbst das Identifizieren und Entschärfen von gefährlichen Sprengsätzen gelernt hat.

Ich wollte nach dem Abitur unbedingt Soldatin werden. Der Beruf stand für mich für Abenteuer und aufregende Einsätze. Daran war auch eine Kinowerbung nicht ganz unschuldig. Heute bin ich Offizierin und verantwortlich für Personal und Material – Abenteuergeist hat da nichts zu suchen.

Das Ausbildungszentrum Kampfmittelabwehr in Stetten gehört zum Ausbildungszentrum Pioniere und ist die zentrale Ausbildungseinrichtung für Kampfmittelabwehr der Streitkräfte. Mein Arbeitsalltag ist alles andere als ein Bürojob. Ich beurteile zum Beispiel, ob ein Trupp in der Lage ist, einen Einsatz durchzuführen. Ich gehe mit ihnen raus auf den Sprengplatz und ins Gelände, und beobachte, ob sie zum Beispiel Sprengvorrichtungen richtig erkennen, freilegen, entschärfen und beseitigen können.

Es geht dabei um alle möglichen Arten von Sprengvorrichtungen, mit denen Soldaten bei Hinterhalten und Anschlägen im Einsatz rechnen müssen. Die Fachkräfte werden zum Beispiel in Mali, im Irak und in Afghanistan aktiv. Eine gute Ausbildung ist die beste Lebensversicherung. Auch ich werde im Sommer in den Irak gehen, und auch dort Aufgaben in der Ausbildung übernehmen.

Zünder, Munition, Sprengstoff, Ballistik

Ein Porträt-Foto von Katja Höhn

Katja Höhn

Foto: privat

Es ist ein langer Weg Offizierin in der Kampfmittelabwehr zu werden. In der sechsmonatigen Grundausbildung für Offiziersanwärter wird man an Waffen ausgebildet, lernt marschieren und schießen, robbt durch den Schlamm und übernachtet im Biwak. Darauf folgen Truppenpraktikum und Offiziersschule. Die Offizierslaufbahn beinhaltet in der Regel ein Studium, entweder in Hamburg oder München. Ich habe in Hamburg vier Jahre lang BWL studiert. Neben dem Vollzeitstudium gibt es auch militärische Module, in denen man unter anderem Schießübungen und das Sportabzeichen absolvieren muss.

Nach dem Abschluss geht es dann weiter mit einer sechsmonatigen Pionierausbildung und darauf aufbauend einem Lehrgang über Kampfmittel: Es dreht sich alles um Zünder, Munition, Sprengstoff, Ballistik und Beseitigungsverfahren. Dieser Lehrgang ist sehr anspruchsvoll und hat ein umfangreiches Lernpensum – die Durchfallquote ist entsprechend hoch.

Für den Ernstfall üben

Die eigentliche Kampfmittelabwehrausbildung findet dann in Stetten statt, wo es nicht nur um Munition geht, wie sie hierzulande verwendet wird, sondern auch um fremde Kampfmittel und deren Beseitigungsverfahren. Das wird natürlich auch in der Praxis geübt. Es gibt zum Beispiel spezielle Fahrzeuge, mit denen der Boden gescannt oder mit denen man an Sprengfallen arbeiten kann.

Auch wenn sich im Laufe meiner Ausbildung vieles verändert hat und Abenteuerlust meine Aufgaben sicher nicht treffend beschreibt, war der Weg für mich die richtige Entscheidung. Einziger Nachteil: Als Offizierin kann man alle zwei bis drei Jahre versetzt werden. Mit Anfang 20 spielt das keine Rolle, aber wenn man die Familienplanung im Blick hat, ist das natürlich nicht so prickelnd.

*Name von der Redaktion geändert

abi>> 20.05.2019