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Mission Possible

Windräder über der Nordsee
Einhundert Meter über den Nordseewellen arbeitet Nils Martens (28).
Foto: privat

Berufe mit Adrenalin

Mission Possible

In schwindelerregender Höhe Windkraftanlagen warten, Bomben entschärfen, in Kriegsgebieten Menschen ärztlich versorgen, in schwer zugänglichen Höhlen forschen: Wenn das Risiko zum Beruf gehört, braucht es mehr als Fachwissen, um in brenzligen Situationen das Richtige zu tun.

Während andere ins Büro gehen, hebt Nils Martens erst einmal ab. Sein Arbeitsplatz befindet sich 100 Meter über den Wellen der Nordsee, zumindest immer dann, wenn der 28-Jährige Anlagentechniker eines der 67 Windräder im zweitgrößten Offshore-Windpark Deutschlands wartet. Der Park heißt Veja Mate und befindet sich etwa 95 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum. Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 10 Meter pro Sekunde kann es schon mal ungemütlich werden. Meistens wohnen die Anlagentechniker auf einem „Hotelschiff“. Ist das Wetter zu schlecht, fliegen sie mit dem Helikopter die Anlagen vom Land aus an.

Nach oben geht es mit dem Fahrstuhl. Fällt der mal aus, heißt es Steigen klettern. Kletterausrüstung ist in jedem Fall für Nils Martens Pflicht. Oben angekommen geht es noch einmal acht Meter über eine Leiter hoch bis zur sogenannten Gondel, in der sich unter anderem der Transformator befindet. Dort liest er Instrumente ab, schaut nach Schmutzablagerungen oder Feuchtigkeit und überprüft Isolierungen. Hier kann er den Sicherheitsgurt beim Arbeiten ablegen. Bei Bedarf muss er aber auch mal auf die Gondel klettern. Von oben betrachtet sehen die Rotoren mit ihren 154 Metern Durchmesser gigantisch aus. Wo andere weiche Knie bekommen, kann Nils Martens die Aussicht genießen: „Man muss natürlich schwindelfrei sein“, sagt er schmunzelnd. Angst hat er keine: Um Wartungsaufgaben in Windkraftanlagen durchführen zu können, hat er spezielle Schulungen durchlaufen – angefangen vom Umgang mit der Kletterausrüstung bis zur Rettung von Personen. Sehr gefährliche Arbeiten direkt an den Rotorblättern übernehmen allerdings Industriekletterer.

In der Luft, unter Wasser

Ein Porträt-Foto von Petra Cämmerer

Petra Cämmerer

Foto: privat

„Industriekletterer“ ist kein Ausbildungsberuf: „Die meisten bringen eine handwerkliche Ausbildung oder ein Studium mit, etwa als Anlagenmechaniker oder Ingenieur, und durchlaufen entsprechende Zusatzqualifikationen, um Höhenarbeiten ausführen zu dürfen“, erklärt Petra Cämmerer, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Hamburg. Angeboten werden solche Lehrgänge vom Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken (FISAT). Sie bilden zum Beispiel Dachdecker aus, die Kirchtürme erklimmen, Mechaniker, die Blitzschutzanlagen aufstellen oder Ingenieure, die Brücken instand halten. (Siehe auch die Reportage Industriekletterer „In den Seilen“)

Auch Taucher, die in Offshore-Windparks, auf Werften und Bohrinseln Reparaturen durchführen oder im Auftrag der Polizei nach Vermissten suchen, haben eine Zusatzqualifikation, die sie ergänzend zu ihrem Beruf erlernt haben. „Berufstaucher sind zum Beispiel gelernte Mechaniker, Schweißer, Soldaten oder auch Wissenschaftler“, erzählt Petra Cämmerer. Die Ausbildung richtet sich je nach Einsatzgebiet, so werden zum Beispiel Minentaucher bei der Bundeswehr mehrere Jahre auf ihren Einsatz vorbereitet.

Apropos Sprengstoff: Das Hantieren mit Sprengstoff, ob nun in der Kampfmittelbeseitigung bei der Bundeswehr, der Polizei, im Berg- oder Tiefbau, erfordert eine Weiterbildung zum Sprengmeister oder Feuerwerker, wie sie etwa von der Dresdner Sprengschule oder dem Deutschen Sprengverband angeboten wird. (Siehe auch die Reportage Kampfmittelabwehrspezialistin „Sprengstofffalle – oder nicht?“)

Risiko inbegriffen

Berufe wie Arzt, Journalist und Wissenschaftler sind zwar per se nicht gefährlich, können aber ebenfalls je nach Einsatzort hohe Risiken bergen – etwa, wenn sie in Krisengebieten als Kriegsreporter oder als medizinisches Personal arbeiten. „Nicht selten entscheiden sich Menschen aufgrund ihres sozialen Engagements für eine Tätigkeit in einem Krisengebiet“, berichtet die Beraterin. Neben dem eigentlichen Fachwissen lernen Teilnehmer in speziellen Trainings, wie sie sich etwa in möglichen Extremsituationen wie Beschuss oder Entführung verhalten sollen.

Auch Wissenschaftler, die Höhlen erforschen, leben beim Abstieg in die Unterwelt gefährlich. Abgesehen davon, dass es kühl, eng und feucht ist, müssen sie mit schnell steigendem Grundwasser rechnen. Den „Höhlenforscher“ an sich gibt es aber nicht: „Höhlen sind für viele Wissenschaften interessant – für Archäologen, Biologen, Geologen, Klimatologen oder auch Paläontologen“, erläutert Petra Cämmerer.
Während Wissenschaftler sich nur ab und an in Gefahr begeben, leben Polizisten, Feuerwehrleute und manche Zeitsoldaten täglich mit einem gewissen Risiko.

Wer es noch brenzliger mag: Polizisten und Zeitsoldaten können sich als Bombenentschärfer beim Kampfmittelräumdienst, als Fahnder oder verdeckter Ermittler weiterspezialisieren oder werden Personenschützer bei einem Spezialeinsatzkommando (SEK) der Länder. Bei der Bundeseliteeinheit GSG 9 bekämpfen sie zudem Schwerst- und Gewaltkriminalität sowie Terrorismus.

In der Ruhe liegt die Kraft

Welche physischen und psychischen Eigenschaften jemanden dazu befähigen, mit risikobehafteten Arbeitsbedingungen umgehen zu können, kann nicht allgemein auf ein paar Eigenschaften reduziert werden: „Ein zukünftiger Polizeibeamter sollte auf jeden Fall emotional stabil sein. Er sollte mit Stress und Konflikten umgehen können. Empathie, wertschätzendes Verhalten gegenüber Menschen sind meines Erachtens nach ebenfalls notwendig“, sagt der Psychologe und Professor Knut Latscha, der an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen arbeitet. „Auch physisch sollten die Beamten in guter körperlicher Verfassung sein. Das wird aber durch eine ärztliche Untersuchung vorab geprüft.“ Ob jemand darüber hinaus für Einsätze in Spezialeinheiten geeignet ist, werde durch die strengen Auswahlverfahren überprüft.

Risiko hat seinen Preis

Risikoeinsätze von Spezialisten wie Industriekletterer, Berufstaucher oder Sprengmeister sind oft gut bezahlt. Aber das hat auch seinen Preis: „Romantische Vorstellungen sind fehl am Platz. In der trüben Elbe bei eiskalten Temperaturen einen Schiffsrumpf zu inspizieren oder bei windigem Nieselregen auf einem Kirchendach zu arbeiten, ist körperlich anstrengend und kann nicht bis ins hohe Alter ausgeführt werden. Hinzu kommt, dass die Spezialisten häufig unterwegs sind. Auch das muss man wollen“, betont Petra Cämmerer.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten.
berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

FISAT Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken e.V.

www.fisat.de

Dresdner Sprengschule

www.sprengschule-dresden.de/

Bundeskriminalamt

Informationen zu Karriere und Beruf beim Bundeskriminalamt
www.bka.de/DE/KarriereBeruf/karriere_und_beruf_node.html

Bundeswehr

Informationen zu Karriere und Beruf bei der Bundeswehr
www.bundeswehrkarriere.de

Ärzte ohne Grenzen

Einsatzmöglichkeiten bei Ärzte ohne Grenzen im In- und Ausland
www.aerzte-ohne-grenzen.de/stellenangebote-ngo

abi>> 20.05.2019

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