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Dank Fleiß und Mut zur Berlinale

Eine junge Regisseurin bespricht mit einem Mitarbeiter ein Drehbuch mit Anweisungen.
Regisseure sind Meister des Multi-Tasking: Sie koordinieren und kennen alle Gewerke, die für die Inszenierung oder den Film im Einsatz sind. Sie setzen künstlerische Impulse. Und sie haben zudem Zeitplan und Budget fest im Blick.
Foto: Heike Aufhold

Regisseurin

Dank Fleiß und Mut zur Berlinale

Schauspieler, Kameraleute, Kostümbildner, und viele andere Gewerke müssen an einem Strang ziehen, damit am Ende ein guter Film entsteht. Als Regisseurin leitet Mia Spengler (31) nicht nur alle Mitarbeiter, auch künstlerischer Anspruch und Termindruck muss sie unter einen Hut bringen. Den frühen Erfolg, etwa auf der Berlinale, hat die Regisseurin ihrer empathischen und zupackenden Art zu verdanken.

Mia Spengler hat vor gut einem Jahr ihr Studium der Szenischen Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg abgeschlossen, seitdem geht es mit ihrer Karriere steil bergauf. „Dass es bei mir mit den ersten Aufträgen so schnell ging, ist nicht selbstverständlich. Die Branche ist sehr umkämpft. Das fängt schon bei den Bewerbungen für die Filmhochschulen an“, sagt sie.
Große Aufmerksamkeit erregte ihr erster Langfilm „Back for Good“, mit dem die Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ der Berlinale 2017 eröffnet wurde.

Der Film erzählt die Geschichte von Angie, einer jungen Frau, die als extrovertierter C-Promi im TV Karriere macht. Nach einem Drogenentzug zieht sie wieder bei ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester ein – und die Konflikte nehmen ihren Lauf. Das Drehbuch hat die Regisseurin zusammen mit einer weiteren Autorin geschrieben. „Die Idee entstand während eines Abends bei Freunden, als wir uns Germany‘s Next Topmodel angeschaut haben. Wie über das Aussehen einiger Kandidatinnen hergezogen wurde, fand ich schrecklich, und ich habe mich gefragt, mit welchen Werten wir Frauen eigentlich leben wollen“, erinnert sich die 31-Jährige.

„Eine sehr persönliche Sache“

Porträtbild von Mia Spengler

Mia Spengler

Foto: Oskar Sulowski

Zwei Jahre später ist aus der Idee ein 90-minütiger Film geworden – eine sehr arbeitsintensive Zeit für die Regisseurin. Unterstützt wird sie von ihrer Agentur La Gente, bei der sie sich schon während des Studiums beworben hatte. Die Agentur verhandelt mit den Produktionsfirmen das Gehalt für Mia Spenglers Regiearbeit und berät sie auch bei der Auswahl neuer Filmangebote.

Sobald das Drehbuch steht, beginnt die Suche nach geeigneten Schauspielern: „Ich caste sehr intensiv, denn es müssen Menschen sein, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Ein enges Verhältnis zu den Schauspielern ist mir absolut wichtig. Es gibt aber auch Regisseure, die halten das ganz anders und konzentrieren sich zum Beispiel mehr auf die Kameraarbeit“, sagt sie. Lange bevor die eigentlichen Dreharbeiten beginnen, muss die Regisseurin allen Gewerken wie Kostüm, Maske, Kamera/Licht, Musik, Ton oder Schnitt nahebringen, wie sie sich den Film vorstellt. Denn nur, wenn die gesamte Crew in dieselbe Richtung denkt, kann ein Film später das Publikum mitreißen und überzeugen – so, wie es der Film „Back for Good“ tut.

„Die Hauptfigur Angie sollte zwar extrem aussehen und viel Haut zeigen, aber eben nicht wie eine Prostituierte daherkommen. Gemeinsam haben wir jedes Detail von der Frisur über die Haarfarbe bis hin zu ihren Outfits ausgewählt“, erzählt die Regisseurin. Bei künstlerischen Fragen käme es immer auf den Geschmack an. „Das ist eine sehr persönliche Sache“, findet Mia Spengler. Deshalb hat sie sich im Laufe der Zeit Menschen gesucht, mit denen sie immer wieder gut zusammenarbeiten kann.

Und wie hat sie die 30-tägigen Dreharbeiten erlebt? „Man schläft nicht mehr als vier bis fünf Stunden und muss deshalb mit seiner Energie gut haushalten. Ich habe mit der Zeit gelernt, welche Diskussionen und Kämpfe sich lohnen und welche nicht“, erklärt die junge Frau. „Für die Regiearbeit braucht es auch eine gewisse Angstfreiheit. Denn man darf zwar viel kreieren, trägt aber auch eine große Verantwortung.“

Couragiert ans Ziel

Zwischenzeitlich hat die Regisseurin einen weiteren Film für den TV-Sender SAT1 gedreht – ihre Feuertaufe fürs Fernsehen, wie sie sagt – und blickt auf einen gefüllten Terminkalender fürs Jahr 2018. Das alles hat sie nicht zuletzt auch ihrer Courage zu verdanken, sich gegen die gut gemeinten Berufswünsche der Familie durchzusetzen. Denn ursprünglich sollte die gebürtige Münchnerin BWL studieren. Nachdem sie bereits an einer Hochschule eingeschrieben war, kaufte sie sich ein Flugticket nach China, wo sie zwei Jahre blieb, eine Band gründete und später bei einer Filmproduktionsfirma arbeitete. Ihrem damaligen Freund, einem Regisseur, hat sie oft bei seiner Arbeit zugeschaut und ihre ersten Vorstellungen von guter Regiearbeit entwickelt: „Ich fand, dass er wenig entscheidungsfreudig war. Und da dachte ich mir: Das kann ich besser“, sagt sie und lacht dabei – denn das hat sie bereits bewiesen.

abi>> 10.01.2018