Das Auge isst mit

Ein Koch schneidet eine Wassermelone.
Mit dem Auge für das Schöne: Eine Ausbildung zum Koch kann Grundlage für eine spätere Tätigkeit als Foodstylist sein.
Foto: Kipfmüller

Foodstylist – Hintergrund

Das Auge isst mit

Knackiger Salat, dampfende Lasagne oder verführerische Torten: Foodstylisten setzen Speisen vor der Kamera ansehnlich, frisch und lecker in Szene. Auftraggeber sind die Lebensmittelindustrie, Kochbuchverlage, Foodmagazine oder Werbeagenturen. Auch die Zugangswege zu dem Beruf können ganz unterschiedlich aussehen.

Eine geregelte Ausbildung zum Foodstylisten oder einen entsprechenden Studiengang gibt es nicht. Wer diesen Beruf erlernen möchte, beginnt am besten mit einer klassischen Ausbildung – etwa zum Koch, Konditor oder Fotografen. „Auch Studiengänge kommen infrage, zum Beispiel Fotodesign oder Ernährungswissenschaften“, sagt Stavroula Tsiantes, Beraterin für Studien- und Berufsorientierung der Agentur für Arbeit in Düsseldorf. Hat man seinen Abschluss in der Tasche, geht es ans Üben und Ausprobieren, um in den kreativen Beruf hineinzuwachsen.

Man kann zum Beispiel einem Foodstylisten assistieren oder Praktika in Versuchsküchen und Fotostudios machen. „Zu den Aufgaben des Praktikanten gehören das Einkaufen frischer Ware, das Nachkochen der Rezepte und das Anrichten des Essens für das Shooting“, erklärt die Berufsberaterin. Ersteres verlangt manchmal einen gewissen Einfallsreichtum, denn der Foodstylist muss wissen, wo er die gewünschten Lebensmittel findet oder welche Ersatzprodukte sich eignen.

Pinzette, Haarspray & Co.

Porträtbild von Stavroula Tsiantes

Stavroula Tsiantes

Foto: privat

Kreativität, Stressresistenz und Genauigkeit sind weitere Eigenschaften, die der Beruf erfordert. Auch Geduld ist wichtig. Schließlich kann ein Shooting viele Stunden dauern, etwa wenn für ein Büfett verschiedene Gerichte gleichzeitig präsentiert werden müssen. Der Foodstylist kocht oder backt, richtet die Lebensmittel appetitlich her und präpariert sie so lange, bis das Essen in perfektem Licht erscheint. „Man sollte auf jeden Fall ein besonderes Interesse am Kochen und an Lebensmitteln haben“, betont Stavroula Tsiantes. „Viel Fingerspitzengefühl sowie ein gutes optisches Empfinden für Formen und Farben sind ebenfalls wünschenswert.“

Eine große Herausforderung ist es, die Speisen über einen längeren Zeitraum frisch aussehen zu lassen. Da muss man als Foodstylist auch mal auf Tricks zurückgreifen und Lebensmittelfarbe, Pinzetten, Spritzen oder Haarspray aus dem Werkzeugkasten holen. Kein Wunder, dass viele Gerichte nicht verzehrfähig sind, sondern wirklich nur für das Foto gekocht werden.

Zukunftsbranche ohne geregeltes Einkommen

Hauptberufliche Foodstylisten sind vergleichsweise selten anzutreffen: Etwa hundert Menschen in Deutschland üben den Beruf aus. Häufig ist er mit einer Freiberuflichkeit verbunden – eine Festanstellung ist eher die Ausnahme. „Der Vorteil ist, dass der selbstständige Foodstylist in der Gestaltung seines Arbeitsplatzes flexibel und frei ist“, weiß die Berufsberaterin. „Allerdings sind auch gute Marketingkenntnisse erforderlich, um Auftraggeber auf sich aufmerksam zu machen und Aufträge zu erhalten. Es gibt zudem kein geregeltes Einkommen und keine geregelten Arbeitszeiten.“

Durch die unterschiedlichen Zugangswege zum Beruf lassen sich kaum verlässliche Aussagen zum Gehalt treffen. Je nach Auftraggeber kann der Tagessatz zwischen 350 und 1.000 Euro liegen. Doch der Beruf hat Zukunft. „Das Thema Ernährung spielt in unserer Gesellschaft eine bedeutende Rolle“, sagt Stavroula Tsiantes. „Verbraucher achten immer mehr auf eine hohe Lebensmittelqualität und Frische. Hinzu kommen neue Ernährungstrends. Auch die Vielzahl an Food-Blogs und Food-Magazinen zeigt, dass die Entwicklung der Branche positiv ist.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwörter: z.B. Koch, Fotograf)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Im Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Im Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit findest du Studiengänge in ganz Deutschland. (Suchwörter: z.B. Fotodesign, Ernährungswissenschaft)
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Hotelcareer

Das Portal listet Stellenangebote in der Hotellerie auf. Auch Foodstylisten werden dort fündig.
www.hotelcareer.de

 

Foodstylist

Leckerbissen in Szene setzen

Im Sommer nach Wintergemüse suchen, acht verschiedene Gerichte gleichzeitig kochen und dann noch einen Blick für die Ästhetik haben: Als Foodstylist richtet Philipp Gerdelmann (35) Lebensmittel für Fotoaufnahmen appetitlich an. Seit zwei Jahren ist der gelernte Koch beim Kölner Fotostudio 2TE angestellt, das sich auf die Fotografie von Speisen spezialisiert hat.

Der Arbeitstag von Philipp Gerdelmann beginnt zwischen acht und neun Uhr. „Die erste große Herausforderung ist der morgendliche Einkauf“, erzählt er. „Wir müssen die Werbemittel unserer Kunden circa drei Monate vor Veröffentlichung entwickeln und fotografieren. Das heißt, man braucht schon im September Wintergemüse für Weihnachtsshootings oder bereits im März Spargel.“ Für den Foodstylisten ist das kein Problem, da er über ein gutes Netzwerk an Lieferanten und Händlern verfügt, die ihn mit kleinen Mengen beliefern können.

Ist der Einkauf erledigt, geht es an die Umsetzung. Seine Hauptaufgabe ist das Kochen und perfekte Anrichten der Gerichte und Teller. Die Arrangements stimmt der 35-Jährige stets mit den Grafikern und Fotografen ab. „Da wir für verschiedene Kunden und Branchen arbeiten, ist mein Tagesablauf sehr unterschiedlich. Kein Shooting gleicht dem anderen“, sagt er. Das Fotostudio übernimmt Aufträge von Handelsketten, aus der Lebensmittelindustrie und der Gastronomie.

„Getrickst wird kaum noch“

Ein Porträt-Foto von Philipp Gerdelmann

Philipp Gerdelmann

Foto: privat

Besonders herausfordernd sind Aufträge, in denen größere Mengen zubereitet werden müssen. „Wenn ich bei einem Fotoshooting beispielsweise acht verschiedene Fleischstücke gleichzeitig in einem perfekten Garzustand anrichten muss, komme ich schon ins Schwitzen“, erzählt der gelernte Koch. Getrickst wird in der Küche kaum noch: „In unserem Studio werden keine Illusionen kreiert, sondern Produkte so authentisch und natürlich wie möglich dargestellt.“ Auf Hilfsmittel greift Philipp Gerdelmann nur dann zurück, wenn etwa für Cocktailbilder Eiswürfel aus Glas oder Silikon benötigt werden.

„Ein Foodstylist sollte Organisationstalent, Genauigkeit, Flexibilität und eine Leidenschaft für das Kochen und für Produkte mitbringen“, betont er. „Daneben ist ein geschultes Auge wichtig, um abschätzen zu können, wie das Gericht auf dem Foto wirkt.“ Denn neben dem Wareneinkauf entwickelt er Bildideen und Rezepte, kümmert sich um die Organisation der Kulissen und Requisiten für die Shootings und schreibt Verbrauchertipps für seine Kunden.

Neue Perspektiven als Koch

Dass er einmal den Beruf des Foodstylisten ergreifen würde, stand für Philipp Gerdelmann nicht von Anfang an fest. Nach dem Abitur studierte er zunächst in Bochum Germanistik und Geschichte. In dieser Zeit entdeckte er seine Begeisterung für das Kochen. So entschied er sich, nach dem Studium umzusatteln. Auf Sylt absolvierte er eine zweijährige Kochausbildung, die er als Bester in Deutschland abschloss.

Danach kochte er in verschiedenen Sternerestaurants, bevor er sich für den Beruf des Foodstylisten entschied. „Ich fand es spannend, den Kochberuf aus einer anderen Perspektive kennenzulernen“, erinnert er sich. Den Quereinstieg hat er nicht bereut: „Ich kann kreativ und abwechslungsreich arbeiten und eigene Ideen realisieren.“ Die geregelte Arbeitszeit war ein Argument für die Festanstellung. „Im Moment erfüllt mich die Arbeit in einem festen Studioteam. Ob ich mich irgendwann selbstständig mache oder zurück an den Herd gehe? Wer weiß.“


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Eine Mischung aus Modeexpertin und Psychologin

  • Kleider machen Leute

  • Auf den Spuren der Kaiser

  • Den Wandel der Zeiten studieren

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 16.07.2019