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Markenurteile als Hobby

Ein junger Mann geht alte Akten im Archiv durch.
Post bearbeiten, Akten anlegen, Diktate führen und Telefonate führen gehören zu den Aufgaben eines Patentanwaltsfachangestellten.
Foto: Susanne Erler

Patentanwaltsfachangestellte

Markenurteile als Hobby

Jessica Färber (37) brennt für Markenrecht und Lizenzfragen. Selbst in ihrer Freizeit recherchiert die Patentanwaltsfachangestellte aktuelle Urteile aus diesem Bereich. Neben ihrer Vollzeittätigkeit in der Bochumer Kanzlei Demski & Nobbe gibt sie zudem ihr Wissen als Lehrkraft im Fachkundeunterricht an Azubis weiter.

Gezeichnete Kühe auf Milchpackungen, Logos in Großbuchstaben, Symbole, die für einen Autotyp stehen: Die bunte Warenwelt kommt ohne Marken nicht aus. Was viele nicht wissen: Man kann nicht jedes neue Produkt als Marke schützen lassen. „Eine Marke muss eine Unterscheidungskraft aufweisen. Sie muss kreativ sein und darf die Produkte nicht einfach nur beschreiben“, erläutert Jessica Färber. Außerdem darf die Marke nicht die so genannten Schutzrechte von Dritten verletzen, beispielsweise, wenn sie bereits existierenden Marken, Logos und Buchstabenkombinationen sehr ähnelt.

Neue Produkte und Logos

Ein Porträt-Foto von Jessica Färber

Jessica Färber

Foto: Wolf

Die Mandanten der Kanzlei Demski & Nobbe in Bochum auf dem Weg zur geschützten Marke zu begleiten, das ist eine von Jessica Färbers Aufgaben als Patentanwaltsfachangestellte. „Es meldet sich zum Beispiel ein Mandant bei uns, weil er ein neues Produkt unter einem neuen Markennamen vertreiben möchte. Er schickt uns das Logo, das er dafür entworfen hat, und teilt uns mit, für welche Waren und Dienstleistungen er es verwenden möchte“, schildert die 37-Jährige. „Da die zuständigen Ämter nur die Schutzwürdigkeit prüfen und nicht recherchieren, ob eine neue Marke die Rechte bereits eingetragener Marken verletzt, bieten wir unseren Mandanten an, dies für sie zu recherchieren“, ergänzt sie.

Dafür durchforstet Jessica Färber gemeinsam mit ihren Kollegen alle relevanten nationalen und internationalen Register, auf der Suche nach bestehenden Markennamen, die mit der neuen Marke kollidieren könnten. Wird sie fündig, schätzt sie ab, welche Probleme bei der Anmeldung und Verwendung des Logos entstehen könnten, etwa wie wahrscheinlich es ist, dass die Gegenseite klagt und ob die Kriterien für einen Markenschutz unter bestimmten Voraussetzungen trotzdem erfüllt werden könnten.

Markenanmeldung beim Patentamt

„Wenn wir einen positiven Bescheid geben, stellen wir dem Mandanten ein Waren- und Dienstleistungsverzeichnis für die neue Marke zusammen und melden sie beim Amt an. Wenn sie eingetragen ist, überwachen wir unter anderem, ob neu hinzukommende Marken das Logo unseres Mandanten verletzen, und beraten ihn, falls das der Fall ist und er dagegen vorgehen möchte“, berichtet Jessica Färber weiter.

Neben der Markenrecherche ist sie auch in der Büroorganisation eingebunden: Post bearbeiten, Akten anlegen, Diktate schreiben und Telefonate führen, die Korrespondenz mit Ämtern und Kollegen im In- und Ausland erledigen sowie Fristen überwachen. „Das bringt viel Verantwortung mit sich. Fehler dürfen dabei nicht passieren!“, betont sie.

Den letzten Check verantwortet allerdings ihr Chef, ein Patentanwalt. Ohne seine Unterschrift läuft nichts „Zum Beispiel diktiert mein Chef den Text für eine anstehende Patentanmeldung. Diese schreibe ich, fülle das dazugehörige Formular aus und lege ihm alles wieder vor. Er prüft, ob alles in Ordnung ist und unterschreibt. Dann erst reiche ich die Anmeldung samt Formular beim Amt ein.“ In anderen Worten: Der Anwalt liefert den Inhalt, die Patentanwaltsfachangestellte das Formale.

Zusätzliche Leitungsaufgabe

Trotzdem bekommt Jessica Färber viel vom Patentwesen mit und hat in der Materie ihre Berufung gefunden: „Ich liebe es sehr. Markenrecht ist meine Leidenschaft. Ich finde diese Problematik unglaublich spannend und lese sogar in meiner Freizeit über Markenurteile nach“, sagt sie und das obwohl ihre freie Zeit knapp bemessen ist. Sie leitet die Marken- und Designabteilung ihrer Kanzlei, hat berufsbegleitend eine Weiterbildung zur Patentreferentin gemacht und hat jetzt vor, einen Zertifikatslehrgang zur Design- und Markenreferentin anzuschließen.

Zusätzlich ist sie im Prüfungsausschuss ihres Bundeslandes für die Patentanwaltsfachangestellten zuständig und arbeitet als Teilzeitlehrkraft an einem Berufskolleg in Düsseldorf, bildet also angehende Patentanwaltsfachangestellte aus, die sie selbst „PaFas“ nennt.

Sorgfalt und Ausdauer in der Büroarbeit

Für sie ist es das Wichtigste im Beruf, dass angehende Azubis Sorgfalt und Zuverlässigkeit mit Flexibilität kombinieren: „Einerseits verlangt ein Prozess wie die Fristenüberwachung volle Konzentration, andererseits muss man oft dringende Aufgaben, wie zum Beispiel Abmahnungen, dazwischenschieben.“

Spaß an technischen Neuerungen und daran, mit Gesetzen zu arbeiten, sollte eine Patentanwaltsfachangestellte in ihren Augen auch haben, sich außerdem gut auf Deutsch und in mindestens einer Fremdsprache ausdrücken können. „Zuletzt darf man auch nicht vergessen: Der Beruf ist bei aller Abwechslung ein Bürojob. Das heißt: viel Arbeit am Computer“, gibt sie zum Abschluss zu bedenken.

abi>> 27.06.2019