Experten in der Rechtsabteilung

Junge Frau sitzt am PC-Arbeitsplatz und blätter in Akten
Das Wissen von Juristen ist nicht nur am Gericht gefragt. Auch Unternehmen, Behörden oder Organisationen brauchen häufig Rat in Rechtsfragen.
Foto: Martin Rehm

Justiziar/in – Hintergrund

Experten in der Rechtsabteilung

Verträge prüfen, juristische Stellungnahmen aufsetzen, rechtliche Konflikte klären – Justiziare kümmern sich um alle rechtlichen Angelegenheiten, die in einem Unternehmen anfallen.

Egal ob Medienkonzern, Bauunternehmen, Fußballverband oder Kinderhilfsorganisation: Rechtliche Angelegenheiten gibt es in jeder Branche und in jedem Unternehmen zu klären. Betriebe, Organisationen oder Behörden lassen sich daher von Unternehmensjuristen, den sogenannten Justiziaren beraten. Ihre Aufgabe ist es, rechtliche Probleme im Vorfeld zu erkennen und geeignete Lösungen zu finden. Außerdem prüfen sie die Projekte ihrer Arbeitgeber auf rechtliche Durchsetzbarkeit, erstellen Verträge und Gutachten, schulen Mitarbeiter und betreuen Schlichtungsstellen. „Justiziare dienen den anderen Abteilungen eines Unternehmens als interne Dienstleister für alle rechtlichen Fragestellungen, nehmen aber auch Aufsichts- und Kontrollfunktionen wahr. Sie passen also auf, ob bei ihren Arbeitgebern – salopp gesagt – alles mit rechten Dingen zugeht“, erläutert Michael Hümmer, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Fürth.

Generalist oder Spezialist

In kleinen Unternehmen sind Justiziare Ansprechpartner für alle anfallenden Rechtsfragen und müssen dementsprechend breit aufgestellt sein. „Die möglichen Aufgabenbereiche umfassen alle Aspekte rechtlichen Handelns in betriebswirtschaftlichen beziehungsweise öffentlich-rechtlichen Kontext“, erklärt Michael Hümmer. In großen Konzernen sind sie hingegen häufig auf bestimmte Rechtsgebiete spezialisiert. „Hier kann es zum Beispiel um Vertragsrecht, Arbeitsrecht, Handelsrecht oder Urheberrecht gehen.“

Fachwissen und Kommunikationsstärke

Ein Porträtfoto von Michael Hümmer.

Michael Hümmer

Foto: privat

Wer als Justiziar arbeiten möchte, muss in der Regel ein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen haben, idealerweise mit dem Zweitem Staatsexamen. Alternativ qualifiziert auch ein Masterabschluss in Wirtschaftsrecht für diese Tätigkeit. Das Lernen ist mit dem Studium jedoch nicht abgeschlossen: Da ständig neue Erlasse und Verordnungen herauskommen, müssen sich Justiziare in ihrem Berufsleben häufig in neue Rechtsbereiche einarbeiten. Dabei müssen sie nicht nur die rechtlichen Vorschriften sehr genau kennen und sorgfältig anwenden, sondern im Kontakt mit Kollegen, Lieferanten und Kunden auch kommunikationsstark sein. So ist es für die Schulung von Mitarbeitern wichtig, rechtliche Sachverhalte leicht verständlich erklären zu können. Darüber hinaus gehören Verantwortungsbewusstsein, Verschwiegenheit und eine sorgfältige Arbeitsweise zu den Eigenschaften, die Justiziare mitbringen müssen.

Internationales Know-how gefragt

Da viele Unternehmen international agieren, sind oft Fremdsprachenkenntnisse, in erster Linie Englisch, erforderlich. Wer sich nach Stellen für Justiziare umsieht, trifft häufig auch auf englische Titel wie „Legal Counsel“ oder „Manager Legal Affairs“, die synonym für den Begriff Justiziar verwendet werden. Auch Michael Hümmer betont, dass internationales Know-how gefragt ist und empfiehlt Interessenten, sich mit internationalem Recht, also zum Beispiel Handelsrecht, zu befassen. Die beruflichen Möglichkeiten schätzt er für Justiziare als sehr gut ein: „Wer internationale Rechtskenntnisse mitbringt und sich mit Trendthemen wie Compliance, Datenschutz und Internetrecht auseinandergesetzt hat, hat in diesem Bereich gute Karrierechancen.“

Weitere Informationen

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Beruf „Justiziar/in“ sowie zu verwandten interessanten Berufen findest du im Teilberufsfeld „Rechtswesen“.
www.berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z.B. Justiziar)
https://berufenet.arbeitsagentur.de

Bundesrechtsanwaltskammer

Dachorganisation der 27 regionalen Rechtsanwaltskammern und der Rechtsanwaltskammer bei Bundesgerichtshof.
www.brak.de

Deutscher Anwaltverein e.V.

https://anwaltverein.de/de

Verband Deutscher Anwälte e.V.

www.verband-deutscher-anwaelte.de

 

Justiziarin

Von Urheberrecht bis zur Vertragsgestaltung

Die Juristin Meral Bilge (39) kümmert sich als Justiziarin im Medienunternehmen Rudolf Müller Medienholding GmbH & Co. KG um alle rechtlichen Fragen und Probleme.

Arbeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz – ein Medienunternehmen muss sich ständig mit rechtlichen Themen auseinandersetzen. In solchen Fällen ist das Expertenwissen von Justiziaren wie Meral Bilge gefragt. Die 39-Jährige erstellt für die Rudolf Medien Müller GmbH zum Beispiel Verträge für freie Mitarbeiter, die für das Unternehmen Texte schreiben sollen – und schafft damit die Grundlage dafür, dass der Verlag die Manuskripte bearbeiten und veröffentlichen darf. Wenn ihr Arbeitgeber in Kooperation mit anderen Organisationen neue Produkte auf den Markt bringen möchte, kümmert sich die Justiziarin um die vertragliche Ausgestaltung. Und wenn Fragen zum Marketing kommen, muss sie sich im Wettbewerbsrecht auskennen. Auch im Personalwesen werden ihre Kenntnisse gebraucht, etwa wenn es um arbeitsrechtliche Vorgaben geht. Immer im Blick behalten muss Meral Bilge den Datenschutz.

Ansprechpartner für alle Abteilungen

Ein Porträt-Foto von Meral Bilge

Meral Bilge

Foto: privat

„Fast alle Abteilungen kommen mit rechtlichen Fragen in Berührung. Wir als Mitarbeiter der Rechtsabteilung sehen es als unsere Aufgabe, sie dabei zu unterstützen“, erklärt die 39-Jährige. Die Rechtsexperten stellen zum Beispiel Musterverträge zur Verfügung, die alle Eventualitäten abdecken und bei Bedarf angepasst werden. „Jeder Autor und jedes Werk, das veröffentlicht wird, hat seine Besonderheiten. Wenn ein Autor zum Beispiel auch als Dozent arbeitet und die Inhalte seines Buches in seinen Seminaren verwenden möchte, prüfen wir, welche Zugeständnisse wir machen können. Und wenn ein Werk in einem anderen Land vertrieben werden soll, schließen wir Verträge mit dem Verlag, der das Buch im Ausland für uns verbreitet“, erklärt die Justiziarin.

Darüber hinaus versucht Meral Bilge auch, die Kollegen aus den anderen Abteilungen in Schulungen für juristische Themen zu sensibilisieren. „Wir geben den Mitarbeitern Arbeitshilfen an die Hand, erstellen Merkblätter und veranschaulichen ihnen anhand von Beispielen, welche Konsequenzen es haben kann, wenn man zum Beispiel Lizenzen für Fotos nicht dokumentiert. Wir beantworten aber auch Fragen und versuchen, den Kollegen das Juristendeutsch zu übersetzen“, erklärt die Rechtsexpertin.

Im Unternehmen juristisch arbeiten

In ihrer täglichen Arbeit greift Meral Bilge auf das Handwerkszeug zurück, dass sie im Jurastudium erworben hat: „Ich habe gelernt, Gesetze zu lesen und zu verstehen sowie die Vorgaben und Regelungen auf bestimmte Sachverhalte anzuwenden. Außerdem habe ich Fachkenntnisse in verschiedenen Rechtsgebieten erworben – und mir das Juristendeutsch angeeignet, das ich benötige, um eine Vielzahl möglicher Sachverhalte in einem Vertrag fassen zu können“, erklärt sie.

Nach dem Studium lernte Meral Bilge verschiedene juristische Tätigkeiten kennen und sammelte so umfassende Erfahrungen. Zunächst war sie als Anwältin in einer Kanzlei tätig, wo sie sich mit zivilrechtlichen Fragen rund um Schadensersatz, Mietrecht und Familienrecht beschäftigte. Anschließend wurde sie von einer Baufirma abgeworben, für die sie eine Rechtsabteilung etablierte.
Die Tätigkeit als Justiziarin schätzt Meral Bilge, weil sie hier eigene Ideen einbringen, immer wieder neue Tätigkeitsbereiche übernehmen und sich so stetig weiterentwickeln kann. Nebenbei unterrichtet sie als Privatdozentin an der Universität zu Köln angehende Jurastudierende. „Es macht Spaß, den Studierenden aufzuzeigen, was sie mit ihrem Studium anfangen können“, sagt sie.


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Stand: 19.08.2019