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Der Schnittstellen-Koordinator

Ein Foto des Kreuzfahrtschiffes Queen Mary 2
Kreuzfahrten liegen im Trend. Aber wer baut eigentlich die riesigen Schiffe? Hier sind Experten gefragt.
Foto: Meramo Studios

Maschinenbauingenieur

Der Schnittstellen-Koordinator

Auf Kreuzfahrt gehen kann fast jeder. Aber das dafür erforderliche Schiff bauen – das ist eine ganz andere Nummer. Einer, der dabei Verantwortung übernimmt, ist Christian Hansen. Der 25-jährige Maschinenbauingenieur arbeitet bei den MV WERFTEN in Mecklenburg-Vorpommern.

Reisen mit Kreuzfahrtschiffen boomen. Deswegen werden immer mehr der großen Dampfer gebaut – was wiederum für viele Ingenieure und andere Fachleute die Chance ist, sich an einem dieser Mammutprojekte zu beteiligen. Dazu gehört auch der Maschinenbauer Christian Hansen. Der 25-Jährige entdeckte schon als Kind seine Leidenschaft für große Schiffe. „Mein Vater hat früher auf einer Werft in Lübeck gearbeitet und mich immer mal mitgenommen“, erinnert er sich. „Ich konnte durch einen Maschinenraum laufen und auf einer Schiffsbrücke Knöpfe drücken – das hat mich wahnsinnig fasziniert und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“

Portrait von Christian Hansen. Foto: MV WERFTEN

Christian Hansen

Foto: MV WERFTEN

Tatsächlich musste er dann nicht lange überlegen, als er sich konkrete Gedanken über seinen Berufswunsch machte. Noch während der Schulzeit in Lübeck bewarb er sich bei einem Schiffbauunternehmen und begann dort direkt nach dem Abitur 2013 ein duales Studium, bei dem er gleichzeitig eine Ausbildung sowie ein Bachelorstudium absolvierte: Die MV WERFTEN hat auf den drei Werften in Wismar, Rostock und Stralsund rund 2.900 Angestellte, die Kreuzfahrtschiffe für Flüsse und Meere planen und bauen. Auch zwei AIDA-Schiffe entstanden bereits auf der Wismarer Werft.

Bachelor, Innovationspreis, Master

Für Christian Hansen stand im ersten Jahr der praktische Teil seiner Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker für Stahl- und Metallbau auf dem Programm. In dieser Zeit arbeitete er auf der Werft in Wismar mit und ging zur Berufsschule. Ab Herbst 2014 begann er dann an der Hochschule Wismar den Bachelorstudiengang zum Maschinenbauingenieur. Neben Grundlagen in Mathematik und Physik standen in den Vorlesungen und Seminaren etwa Mechanik, Werkstoffkunde und Konstruktionslehre auf dem Lehrplan, häufig gab es konkrete Bezüge zur maritimen Wirtschaft.

In den Semesterferien lernte er bei den MV WERFTEN außerdem verschiedene Abteilungen wie Einkauf und Konstruktion kennen und schrieb 2018 seine Bachelorarbeit zum Thema „Entwicklung eines auf LNG basierenden Antriebskonzeptes für ein Kreuzfahrtschiff“ – seine Überlegungen zu verflüssigtem Erdgas als Kraftstoff wurden mit dem Innovationspreis 2018 des Förderkreises der Hochschule Wismar ausgezeichnet. Christian Hansen hängte noch ein Masterstudium Maschinenbau an derselben Hochschule an und arbeitete parallel weiter bei MV WERFTEN.

Viele verschiedene Wünsche erfüllen

„Ich habe schon viel praktisch gearbeitet und weiß, dass hier kein Tag wie der andere ist“, erzählt der 25-Jährige. „Als Ingenieur ist man an Schnittstellen tätig: Man muss zum einen die Wünsche der Auftraggeber erfüllen, was Aussehen und technische Details der Schiffe angeht. Zum anderen muss man Regularien der Behörden berücksichtigen, die zum Beispiel Sicherheitsstandards regeln.“ Ingenieure betreuen ein Schiff von der Planung bis zur Fertigstellung und müssen sich mit so unterschiedlichen Aspekten wie dem Maschinenraum, den Kabinen, den Restaurants, der Gestaltung des Außenbereichs sowie der Verlegung der Elektronik und Wasserrohre beschäftigen.

„Zu den einzelnen Schritten gebe ich Informationen an die entsprechenden Lieferanten weiter, nehme später deren Produkte ab und überprüfe, ob beim Schiff alles wie geplant gebaut wird.“ Kommunikation spielt dabei eine große Rolle, mit dem eigenen Team und externen Ansprechpartnern. „Man muss versuchen, alle Wünsche der unterschiedlichen Parteien zu erfüllen.“ Das duale Studium mit der Ausbildung sei für all das wichtig gewesen. „So habe ich nicht nur viele Kollegen und Ansprechpartner persönlich kennengelernt, sondern auch die handwerkliche Seite, weswegen ich nun einzelne Arbeitsschritte besser planen und einschätzen kann.“

Verbunden mit Kreuzfahrtschiffen

Der Bau von Kreuzfahrtschiffen ist für den 25-Jährigen eine ganz besondere Aufgabe. „Wenn man Schiffe für bis zu 9.500 Passagiere und 2.000 Crewmitglieder baut, fühlt man eine enorme persönliche Verbundenheit damit“, sagt er. Es sei zwar auch eine große Herausforderung und Verantwortung, weswegen er dem Job mit Respekt begegnet. „Für mich ist es aber vor allem eine einmalige Arbeit – ich weiß, dass diese Schiffe 30 bis 40 Jahre im Einsatz sein werden und vielen Menschen große Freude bereiten werden.“

Seine berufliche Zukunft sieht Christian Hansen bei den MV WERFTEN. „Als erstes erhoffe ich mir, dass ich Systemverantwortung bekomme und dann zum Beispiel für das Trinkwasser- oder Motorensystem an Bord eines Schiffes verantwortlich bin.“ Auch darüber hinaus schaut er optimistisch auf die nächsten Jahre. „Die MV WERFTEN sind enorm gewachsen, ich bin mir sicher, dass ich hier meinen Platz finden werde.“

abi>> 29.05.2019