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Wenn es brenzlig wird

Feuerwehrleute im Einsatz.
Im Notfall kommt es auf jede Sekunde an – Feuerwehrleute müssen daher körperlich fit sein und Situationen schnell abschätzen können.
Foto: Martin Rehm

Einsatzleiter bei der Feuerwehr – Hintergrund

Wenn es brenzlig wird

Retten, löschen, bergen, schützen: Im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst übernehmen Beamte leitende Funktionen – bei Einsätzen vor Ort, als Wachleiter oder präventiv im Brandschutz.

Man weiß nie, was kommt: Menschen nach einem Verkehrsunfall retten, eine verschüttete Person aus einem Silo bergen, eine Gasexplosion, Überschwemmungen durch Starkregen oder ein großflächiger Waldbrand. Die Liste an Szenarien könnte Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, beliebig weiterführen. „Auch nach 20 Jahren Dienstzeit gibt es immer wieder neue Herausforderungen“, erzählt er.

Die Einsatzleiter, die in solchen Fällen vor Ort den Überblick behalten, die Lage erkunden und die Verantwortung tragen, sind häufig Beamte im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst. „Am Beginn der Laufbahn steht meist die Leitung einer Wachabteilung auf einer Feuerwache mit rund 15 bis 20 Einsatzkräften. Sie verantworten die Einsatzbereitschaft, die Personalplanung und die Mitarbeiterentwicklung“, umreißt Karl-Heinz Knorr das Aufgabengebiet. In Städten bis zu 60.000 Einwohnern ist der Einsatzleiter auch gleichzeitig der Leiter der Feuerwehr: „Je größer die Feuerwehren, umso stärker differenzieren sich die Aufgabenbereiche.“

Beamte im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst können zudem auch in Fachabteilungen eingesetzt werden, wo sie sich etwa um die technische Ausstattung und Wartung von Fahrzeugen und Geräten kümmern. In Abteilungen, die sich mit vorbeugenden Brandschutzmaßnahmen befassen, begutachten sie Bauvorhaben und wirken an Konzepten für Fluchtwege und Evakuierungen mit. Arbeitsmöglichkeiten für die Beamten gibt es zudem in den Feuerwehrschulen, in Ministerien, aber auch bei der Bundeswehr, die eigene Feuerwehren unterhält. Außerhalb des öffentlichen Dienstes bieten beispielsweise auch Werks- und Flughafenfeuerwehren Arbeitsmöglichkeiten.

Über 100 Berufsfeuerwehren in Deutschland

Ein Porträt-Foto von Karl-Heinz Knorr

Karl-Heinz Knorr

Foto: privat

Wie viele Beamte im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst arbeiten, kann Karl-Heinz Knorr nur schätzen – vermutlich zwischen 4.000 und 6.000. Dass es keine verlässlichen Zahlen gibt, hängt mit den gewachsenen Strukturen der Feuerwehren zusammen: Neben rund 22.800 Freiwilligen Feuerwehren existieren über 100 Berufs- und rund 750 Werksfeuerwehren. Letztere bieten ebenfalls Ausbildungen an.

Verbeamten können aber nur öffentliche Arbeitgeber wie zum Beispiel Städte, Landkreise, Bezirksregierungen, die Bundesländer oder der Bund. In den über 107 Berufsfeuerwehren (Stand 2017) arbeiten sowohl Angestellte als auch Beamte des mittleren, gehobenen und höheren feuerwehrtechnischen Dienstes. Beispiel Bremen: „Hier sind rund 80 Beamte im gehobenen technischen Dienst tätig“, sagt Karl-Heinz Knorr, der zugleich Leiter der Bremer Feuerwehr ist.

Bachelorstudium als Voraussetzung

Voraussetzung für den gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium. Gefragt sind in erster Linie technische und naturwissenschaftliche Studiengänge, wobei einige Dienststellen mittlerweile auch eigene duale Studiengänge anbieten. Auch ein Aufstieg aus dem mittleren Dienst ist möglich. „Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, soziale Kompetenz und auch die Fähigkeit, unter hoher psychischer Belastung einen klaren Kopf zu bewahren, sind wichtige Voraussetzungen“, weiß Karl-Heinz Knorr. Außerdem müssen die angehenden Beamten ihre gesundheitliche Eignung, etwa Atemschutztauglichkeit, nachweisen und dürfen, je nach Bundesland, eine bestimmte Körpergröße nicht unterschreiten und keine starke Brille tragen.

Das Auswahlverfahren, das neben Einzelgesprächen auch Persönlichkeits- und Sporttests umfasst, ist bundesweit unterschiedlich geregelt. „Es gibt für den Sporttest aber eine Empfehlung der Sporthochschule Köln, nach der sich viele Berufsfeuerwehren richten.“

Fundierte Ausbildung

Ist man angenommen, beginnt ein Vorbereitungsdienst, der nicht nur Kenntnisse und -fertigkeiten des Feuerwehrdienstes umfasst, sondern auch auf spezielle Führungsaufgaben und Rechtsgrundlagen vorbereitet sowie Einsatztaktik als Zugführer, Grundlagen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Gesprächsführung und Zeitmanagement vermittelt. Da die meisten Berufsfeuerwehren auch in den Rettungsdienst eingebunden sind, steht die organisatorische Leitung eines Rettungsdiensteinsatzes ebenfalls auf dem Lehrplan. Die Dauer des Vorbereitungsdienstes hängt von den jeweiligen Vorkenntnissen ab, in der Regel beträgt sie etwa zwei Jahre.

Trotz Schichtdienst und körperlicher Anstrengung ist die Fluktuation unter den Beamten gering: „Die Aufgaben sind abwechslungsreich und die Entwicklungsmöglichkeiten sehr gut“, sagt Karl-Heinz Knorr. Je nach Eignung, Interesse und Neigung können sich Beamte weiterbilden und auf Brand-, Explosions- und Katastrophenschutz, Brandmeldetechnik, Rettungsdienst oder Verwaltungsrecht spezialisieren.

Unterschiedliche Laufbahnen

Neben dem gehobenen Dienst gibt es auch die Möglichkeit, eine Laufbahn im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst oder im höheren feuerwehrtechnischen Dienst einzuschlagen. Die Voraussetzungen für den jeweiligen Vorbereitungsdienst unterscheiden sich allerdings: 
• Mittlerer feuerwehrtechnischer Dienst: nach abgeschlossener Berufsausbildung
• Gehobener feuerwehrtechnischer Dienst: nach abgeschlossenem Bachelorstudium
• Höherer feuerwehrtechnischer Dienst: nach Masterstudium

  

Weitere Informationen 

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.

www.berufsfeld-info.de

BERUFENET

Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen der Bundesagentur für Arbeit
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Deutscher Feuerwehrverband

www.feuerwehrverband.de

Werk- und Betriebsfeuerwehren

www.wfvd.de

abi>> 19.04.2019