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„In der Schweiz habe ich viel gelernt“

Zürich
Im Ranking um die Stadt mit der höchsten Lebensqualität ist Zürich immer ganz vorne mit dabei.
Foto: Archiv Möller Medien

Arbeiten in der Schweiz

„In der Schweiz habe ich viel gelernt“

Nach ihrem Biologiediplomstudium an der Universität Tübingen zog es Stella Kramer (35) in die Schweiz: An der Universität Zürich forschte sie für ihre Promotion an der Funktion eines Moleküls an Synapsen im Hirn. In einem internationalen Team sammelte sie nicht nur wichtige Erfahrungen für ihre weitere Karriere, sondern lernte auch die Schweizer Höflichkeit zu schätzen.

Wie beeinflusst das Molekül Nogo-A das Bilden und die Plastizität von Synapsen, also von neuronalen Verknüpfungen zwischen Nervenzellen im Gehirn? Dieser Frage hat sich Stella Kramer als Doktorandin an der Uni Zürich verschrieben. Hierfür untersuchte sie die biochemischen Zusammensetzungen von Synapsen, präparierte Zellen, mikroskopierte, und analysierte die Ergebnisse. „Außerdem durfte ich an Forschungskollaborationen teilhaben mit Labors in Deutschland, Israel und der Schweiz. Das war spannend und hat mir gut gefallen.“

Am Zentrum für Neurowissenschaften der Uni war Stella Kramer fest in ein bunt gemischtes und internationales Team von rund 20 Mitarbeitern eingebunden, darunter technische Assistenten, Post-Docs, Doktoranden und Studierende. Gesprochen wurde immer auf Englisch, die Wissenschaftssprache, die zudem alle Kollegen – unter anderem aus den USA, Indien, China, Osteuropa, Frankreich, England, Italien und Deutschland – gemeinsam sprachen.

Höflichkeit ist Trumpf

Die Arbeitsatmosphäre in der Schweiz hat ihr auf Anhieb gefallen: „Die Umgangsformen sind generell freundlich und professionell. Im Labor herrschte zudem eine tolle Stimmung: Zum Mittagessen ging es fast immer miteinander in die Mensa, gearbeitet wurde häufig bis spät in die Nacht, dabei lief oft Musik im Labor. Da kommt man trotz der langen Arbeitstage gerne am nächsten Tag wieder und freut sich darauf, die Kollegen zu sehen“, erzählt sie und ergänzt: „Kollege ist übrigens das Schweizer Wort für Freund, Kollegen im Deutschen Sinne sind Mitarbeiter.“ In der Schweiz ist aber auch sonst manches anders: „Das Schweizerdeutsch war für mich anfangs schwer zu verstehen, aber man kommt schnell rein. Selber sprechen habe ich es allerdings nicht gelernt“, erzählt sie.

Manche landestypische Eigenheiten lernte die heute 35-Jährige besonders zu schätzen. Grundsätzlich seien Schweizer etwa sehr viel höflicher und indirekter als Deutsche, ob auf der Arbeit, im Geschäft oder auf der Straße. „Zum Beispiel sagt man beim Bäcker nicht: ‚Drei Brötchen!‘, sondern man begrüßt zunächst freundlich die Verkaufskraft, erklärt seinen Wunsch und dankt für die Bemühungen bereits beim Bestellen“, beschreibt sie.

Mit einem Motivationsschreiben für die Wohnung bewerben

Bevor Stella Kramer in der Schweiz arbeiten durfte, musste sie bestimmte formale Voraussetzungen erfüllen. So braucht man beispielsweise einen Arbeitgeber, der einem den Aufenthalt ermöglicht, was für sie die Uni Zürich war. „Ungewohnt war für mich auch, dass einige Vermieter die Referenz des vorherigen Vermieters fordern. Für städtische Wohnungen hilft es, der Bewerbung ein Motivationsschreiben beizulegen. Außerdem zahlt man drei Monatsmieten Kaution, was in einer Stadt wie Zürich sehr viel Geld sein kann“, beschreibt sie.

Apropos Geld: Eine Herausforderung für Promovierende ist das hohe Preisniveau in der Schweiz. „Die ausgeschriebenen Gehälter scheinen einem als Deutschen erst mal hoch, aber de facto kann man sich mit einem Doktorandengehalt vor Ort nicht viel leisten. Es gibt zum Beispiel kaum einen Döner unter 15 Schweizer Franken, umgerechnet rund 13 Euro“, rechnet die Biologin vor.

Für jene mit normalem Gehalt sei Zürich aber eine sehr lebhafte Stadt mit vielen „Usgangs“-Möglichkeiten; und für alle anderen gibt es zahlreiche kostenlose oder kostengünstige Freizeitaktivitäten: „Im Sommer kann man in Zürich in der Limmat und im Zürisee schwimmen gehen, zu fast jeder Jahreszeit im Wald joggen, wandern und Fahrradfahren. Und andere Städte in der Schweiz sind jederzeit gut mit dem Zug erreichbar, auch das warme Tessin“, sagt Stella Kramer.

Promotion als Sprungbrett in den Beruf

Welche beruflichen Träume hat die 35-Jährige heute? „Ich habe nach der Promotion etwas Postdoc-Erfahrung gesammelt und für zwei Start-ups gearbeitet. Momentan bin ich für das Salk Institute for Biological Studies tätig‚ einem Forschungsinstitut in Kalifornien, aber ich möchte in Zukunft freiberuflich arbeiten und mich der Entwicklung von Applikationen in der Präzisionsmedizin widmen. Als Schülerin wollte ich lange Medizin studieren, jetzt hoffe ich dem Gesundheitswesen auf andere Art helfen zu können“, schildert sie. Gerne würde sie zur Verwirklichung dieses Plans in die Schweiz zurückkehren, nicht zuletzt, weil ihr Mann Schweizer ist.

Ihre Zeit im Alpenland möchte sie daher sowohl beruflich als auch persönlich nicht missen. Ohnehin: „Hier in den USA merke ich fast jeden Tag, wie wichtig der berufliche Aufenthalt in der Schweiz für mein späteres Leben war. In der Schweiz habe ich viel gelernt.“ 

abi>> 10.05.2019