Beruf zwischen Tradition und Zukunft

Teresa Seidl an einem Braukessel
Teresa Seidl hat eine Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin absolviert und sagt: „Insgesamt ist es ein sehr abwechslungsreicher Beruf – mit einer guten Mischung aus körperlicher und theoretischer Arbeit."
Foto: Paulaner Brauerei

Brauerin und Mälzerin

Beruf zwischen Tradition und Zukunft

Bier hat Tradition. Und Bierbrauen ist in. Teresa Seidl (21) könnte sich keinen spannenderen Beruf vorstellen. Gerade hat sie ihre duale Ausbildung bei der Münchner Brauerei Paulaner abgeschlossen und arbeitet seitdem im chemisch-technischen Betriebslabor.

Eigentlich hatte Teresa Seidl vor, nach dem Abitur in einem Labor zu arbeiten. Doch dann stieß sie auf eine Stellenausschreibung der Münchner Brauerei Paulaner und entschied sich schließlich für die duale Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin. „Das Besondere an unserem Beruf sind die Menschen“, erklärt Teresa Seidl gleich zu Beginn. „Sobald man ‚unter sich‘ ist, sind die meisten Brauer total offen und herzlich. Das war auch in der Berufsschule immer so“, erinnert sich die 21-Jährige. Sie hat vor kurzem ihre Ausbildung erfolgreich beendet. Nun arbeitet sie im chemisch-technischen Betriebslabor der Großbrauerei. „Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und mein Wunsch, später mal in einem Labor zu arbeiten, ist somit in Erfüllung gegangen.“

Porträtbild von Teresa Seidl

Teresa Seidl

Foto: Paulaner Brauerei

Im September 2016 war Teresa Seidl für ihre Ausbildung von Niederbayern in die Landeshauptstadt gezogen und stand für zweieinhalb Jahre nicht nur am Sudkessel in der Brauerei, sondern besuchte auch im regelmäßigen Turnus den Blockunterricht an der Berufsschule für Hotel-, Gaststätten- und Braugewerbe in München. „Wir Auszubildenden kamen für zwei bis drei Wochen pro Block alle aus den verschiedensten Ecken aus Südbayern zusammen. Sogar ein Auszubildender aus Südtirol war bei uns in der Klasse“, schildert sie.

Hopfen, Malz und mehr

Teresa Seidl und ihre Mitschüler bekamen an der Schule Einblick in die wichtigsten Grundlagen, zum Beispiel alles über die einzelnen Rohstoffe, den Brauprozess oder verschiedene Filtrationsmöglichkeiten. „Im Anschluss wurde das Gelernte gleich praktisch umgesetzt. Es gab sogar eine kleine Brauanlage in der Schule, in der wir selber Sude zu Versuchszwecken hergestellt haben“, erzählt sie. Zudem standen Fächer wie Mathe, Deutsch oder Sozialkunde auf ihrem Stundenplan – außerdem Englisch, in dem fachspezifisches Vokabular vermittelt wird.

Zusätzlich zum Unterricht an der Berufsschule hatten die Auszubildenden bei Paulaner auch betriebliche Theorie. „Alle zwei Wochen sollte ein Azubi meistens eine Präsentation über ein bestimmtes Thema, zum Beispiel darüber wie man Bier entalkoholisiert, vorbereiten. Danach wurde darüber in der Gruppe gesprochen“, erinnert sie sich. Zudem erlernte Teresa Seidl die Überwachung und Steuerung der Brauprozesse am Computer und schnupperte bei einem dreiwöchigen Besuch in die Abläufe einer externen Mälzerei hinein. Aber auch das Entnehmen von Proben oder das Putzen der Paulaner-Anlagen gehörte zu Teresa Seidls Job. „Nicht umsonst heißt es, der Brauer ist die bestbezahlte Putzfrau der Welt“, sagt sie lachend.

Schnittstelle zwischen Handwerk, Technik und Naturwissenschaft

„Insgesamt ist es ein sehr abwechslungsreicher Beruf – mit einer guten Mischung aus körperlicher und theoretischer Arbeit“, fasst Teresa Seidl zusammen. Wer sich für diesen Beruf interessiert, so rät sie, sollte Spaß an Chemie und Mathe haben, sowie technisches Verständnis mitbringen. „In einer großen Brauerei sind auch Computerkenntnisse wichtig, die man sich aber auch während der Ausbildung aneignen kann. In kleineren Brauereibetrieben ist dagegen körperliche Fitness gefragt, da man da noch stärker mitanpacken muss“, betont die 21-Jährige.

Qualitätskontrolle des Biers

Ausbildung mit Aufgaben im Labor

Foto: Paulaner Brauerei

Ab September hat sie vor, ihr Vorwissen an der Schnittstelle zwischen Verfahrenstechnik, Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelkunde in einem Studium der Ernährungswissenschaft zu vertiefen. „Ich bin sehr froh, dass ich vor meinem Studium bereits eine Ausbildung gemacht habe. So habe ich bereits gute Einblicke in das Berufsleben bekommen und wertvolle Erfahrungen fürs Leben gesammelt.“

So kann ein typischer Arbeitstag aussehen >>

 

Brauerin und Mälzerin – Typischer Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Die Tätigkeiten von Teresa Seidl während ihrer Ausbildung in der Großbrauerei Paulaner waren sehr abwechslungsreich. Wie ein typischer Arbeitstag aussehen kann, schildert sie für abi».

6.15 Uhr

Teresa Seidls Arbeitstag beginnt früh. Bei Paulaner wird im Dreischichtmodell gearbeitet und die Azubis sind in der Regel in der Frühschicht eingeteilt. Zuerst holt sie Proben ab, die ihre Kollegen aus verschiedenen Gär- und Lagertanks entnommen haben. Diese bringt sie ins Labor.

8 Uhr

Jetzt treffen sich die Mitarbeiter der Produktion zu einem Meeting, in dem besprochen wird, was alles ansteht, welche Probleme es eventuell gibt und welche Lösungsansätze dafür möglich wären.

9 Uhr

Da Teresa Seidl und ihre Kolleginnen und Kollegen früh mit der Arbeit beginnen, haben sie keine Mittagspause, sondern machen von 9 bis 9.30 Uhr Brotzeit.

10 Uhr

Im Sudhaus müssen neue Aufträge im computergestützten Brausystem angelegt werden. Die Brauer erklären den Auszubildenden, worauf sie besonders achten müssen. Nach einer ausführlichen Einführung darf Teresa Seidl unter Beaufsichtigung die neuen Sude selbst einbrauen.

12 Uhr

Der Lagerkeller muss gereinigt werden. Die Azubis aus der Produktion machen sich auf den Weg dorthin, um gründlich sauber zu machen. Meistens packen alle mit an, das geht schneller und macht auch viel mehr Spaß.

13.30 Uhr

Zeit für den betrieblichen Unterricht: Die Auszubildenden treffen sich mit ihren Ausbildern im Azubiraum. Heute referiert ein Auszubildender über verschiedene Arten von Schrotmühlen. Danach geben die Azubis Feedback zur Präsentation und diskutieren anschließend über das Thema an sich.

14.45 Uhr

Teresa Seidl hat Feierabend.

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Brauer und Mälzer

Traditionelles Handwerk und Technik

Martin Vogel (29) liebt die Abwechslung an seinem Beruf. Als Brauer in der sächsischen Radeberger Exportbierbrauerei regelt und überwacht er den kompletten Brauprozess – von der Verarbeitung der Rohstoffe über die Arbeit im Sudhaus bis hin zur Qualitätskontrolle.

Obwohl Martin Vogel bereits seit neun Jahren bei Radeberger arbeitet – zuerst als Auszubildender und anschließend als Facharbeiter – ist er immer noch fasziniert davon, „wie aus Gerste Bier und nicht Brot wird“, sagt er. Seit seiner Schulzeit interessiert sich der 29-Jährige für das Brauwesen. Damals hatte er mit seiner Klasse eine Brauerei besichtigt und war sofort Feuer und Flamme: „Zum einen fand ich das Produkt selbst spannend, zum anderen hatte ich schon immer ein Faible für Technik und Handwerk. Als Brauer kann ich das perfekt miteinander verknüpfen.“

Abwechslungsreiche Tätigkeit

Als Facharbeiter bei Radeberger verarbeitet Martin Vogel zum einen im Sudhaus Hopfen und Malz zu Würze. Zum anderen kontrolliert er den kompletten Gärprozess. „Manchmal muss ich dabei auch manuell eingreifen, um die Qualität des Bieres sicherzustellen. Als Brauer benötige ich also viel Wissen über die Rohstoffe, aber auch über den Brauprozess“, schildert er. Je nach Bedarf kümmert er sich um die Reinigung und Bereitstellung von Tanks oder erteilt im Drucktankkeller die Freigabe des fertigfiltrierten Radeberger Pilsners. Erst danach kann die Abfüllung beginnen.

Porträtbild von Martin Vogel

Martin Vogel

Foto: Jana Kreuziger

Für den Beruf des Brauers sei, so Martin Vogel, nicht nur Interesse am Produkt wichtig. „Auch sollte man ein technisches Verständnis besitzen, flexibel und selbständig arbeiten können und einen Sinn für Ordnung haben.“ Und selbstverständlich sind bei der Bierherstellung auch Sauberkeit und Hygiene Grundvoraussetzungen.

Obwohl es Brauwesen-Studiengänge in Deutschland gibt, hat sich Martin Vogel nach dem Abitur ganz bewusst für eine duale Ausbildung bei Radeberger entschieden. „Für mich ist eine Ausbildung ein wichtiger Grundstein im Leben, auf dem man immer wieder aufbauen kann. Durch die praktische Arbeit in der Brauerei konnte ich das erlernte Wissen gleich anwenden und somit besser verstehen“, begründet er seine Entscheidung.

Weiterbildung zum Braumeister

An seinem Arbeitgeber gefällt dem 29-Jährigen der gute Ruf, den Radeberger auch international genießt. Dennoch: „An den Schichtdienst musste ich mich anfangs erst mal gewöhnen“, erzählt Martin Vogel. Die Arbeit im Team, mit hilfsbereiten Kollegen, machte das jedoch schnell wett.

Nach der dreijährigen Ausbildung wurde dem jungen Brauer im Anschluss eine Festanstellung als Fachkraft angeboten. „Das freute mich, denn es ist nicht so leicht eine Festanstellung zu finden, da der Beruf des Brauers doch eher selten ist. Andererseits steht einem deutschen Brauer die Welt offen, da unser Handwerk weltweit einen sehr guten Ruf genießt“, erzählt er. Später möchte sich Martin Vogel vielleicht noch zum Braumeister weiterbilden, auf jeden Fall aber noch viel Berufserfahrung bei Radeberger sammeln. Denn für ihn hat die Braubranche Zukunft. „Gegessen und getrunken wird immer“, erzählt er lächelnd.

 

Brauer/in und Mälzer/in – Interview

Die Craftbier-Welle ergreift auch junge Leute

Vom Kulturgut zum Kult: Das Bierbrauen erlebt derzeit eine Renaissance. Gab es laut Deutschem Brauer-Bund (DBB) 2014 zirka 1.300 Brauereien, feierte der Dachverband der Brauwirtschaft Mitte 2018 die Gründung der 1.500sten Brauerei, Tendenz steigend: Woran liegt das und wie werde ich selbst Bierbrauer? abi» hat bei Walter König vom Bayerischen Brauerbund nachgefragt.

abi» Sie sind selbst Braumeister, was fasziniert Sie persönlich am Bierbrauen?

Walter König: Mich fasziniert immer wieder aufs Neue, wie man mit nur vier Rohstoffen so ein tolles und vielfältiges Produkt herstellen kann. Besonders ist auch die Vielseitigkeit der Themen, die beim Bierbrauen zusammenfließen: Der Umgang mit Rohstoffen aus der Natur, der Bau moderner technischer Anlagen und Energiemanagement oder auch Hygienevorschriften und Lebensmittelsicherheit. Hier ist ständig etwas Neues geboten!

abi» Bierbrauen hat in Deutschland lange Tradition. Wie erlernt man in Deutschland dieses alte Handwerk?

Porträtbild von Walter König

Walter König

Foto: Bayerischer Brauerbund

Walter König: Der Beruf des Brauers und Mälzers ist heute ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf in industriellen (IHK) oder handwerklichen Brauereibetrieben (Handwerkskammer) bzw. in der Getränkeindustrie. In Deutschland gibt es über 1.500 Brauereien in jeder Größenklasse. Viele bieten die Möglichkeit der dualen Berufsausbildung. Es ist dann dem Auszubildenden selbst überlassen, ob er lieber in eine handwerklich arbeitende Kleinbrauerei, in eine mittelständische oder in eine Großbrauerei in die industrielle Ausbildung geht.

abi» Ist es leicht, einen Ausbildungsplatz zu finden?

Walter KönigEs ist nicht schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Wer heimatnah ausgebildet werden möchte, sollte sich aber mindestens eineinhalb Jahre vor Ausbildungsbeginn um seinen Ausbildungsplatz bemühen. Der Brauerberuf ist durch die Craftbier-Welle und das gestiegene Interesse an handwerklich gebrauten Bierspezialitäten wieder sehr attraktiv geworden und es gibt aktuell mehr Bewerber als Ausbildungsplätze.

abi» Es gibt ja auch Studiengänge. Wie gelingt am besten der Einstieg in diesen Beruf? Ist eher die duale Ausbildung oder doch ein Studium ratsam?

Walter KönigBerufsausbildung. Diese kann je nach Schulabschluss auch verkürzt werden. Ein längeres Praktikum vor dem Studium ist ebenfalls ein sehr guter Berufseinstieg. Ein duales Studium wird seit 2019 leider nicht mehr angeboten.

abi» Worin unterscheiden sich Ausbildung und Studium?

Walter KönigDie Berufsausbildung ist klassisch dual aufgebaut. Das heißt, dass während der betrieblichen Ausbildung immer wieder mehrwöchige Berufsschulunterrichtsblöcke stattfinden. Theorie und Praxiswissen werden so perfekt ineinander verzahnt. Wer in einer Großbrauerei arbeiten möchte und Führungsaufgaben anstrebt, der kann sich nach der Ausbildung zum Beispiel an der Doemens Fachakademie in Gräfelfing zum Meister oder Techniker ausbilden lassen. Aufbauend auf die Berufsausbildung kann aber auch zusätzlich ein Hochschulstudium angestrebt werden.

Das Studium an der Technischen Hochschule München am Standort Freising sowie an der TU Berlin ist sehr wissenschaftlich aufgebaut und wird lediglich durch Praktika bereichert. Dagegen orientiert sich der Studiengang an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sehr an der Betriebspraxis. Die Wahl des Ausbildungsweges ist also entscheidend für die späteren Karriereziele. Je nach Wahl des Ausbildungswegs kann man also Braumeister, Diplom-Braumeister oder Bachelor of Engineering bzw. Bachelor und Master of Science werden. Im Brauwesen kann man auch promovieren und habilitieren.

abi» Also viele unterschiedliche Möglichkeiten. Was brauche ich denn, wenn ich selbst eine eigene kleine Brauerei gründen möchte?

Walter König Zur Eröffnung einer Brauerei brauchen Sie keine Braumeisterausbildung. Man kann einfach bauen und brauen, muss aber den gewerblichen und lebensmittelrechtlichen Pflichten nachkommen. Wenn Sie genügend Kapital haben, ist es einfach, eine kleine Brauerei zu eröffnen. Genehmigungen, Projektierung, Bau und Inbetriebnahme – schon kann’s losgehen mit dem eigenen Bier. Der Markt ist jedoch leicht rückläufig und es wird nicht einfach, sich mit einer neuen Marke im Markt zu etablieren.

abi» Also hat der Boom bereits seinen Zenit überschritten? Doch keine gute Idee, Brauer und Mälzer zu werden?

Walter König Das Interesse an regionaler Biervielfalt und an Bierspezialitäten hat, wie schon erwähnt, in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Insgesamt trinken die Deutschen weniger Bier. Die fehlenden Absatzmengen können die Brauereien aber gut mit Exportgeschäften kompensieren, sodass die Produktionsmenge an Bier nahezu konstant bleibt. Die Berufsaussichten für gut ausgebildete Brauer sind daher aktuell gut.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Brauer und Mälzer)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

Berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du etwa im Teilberufsfeld „Lebensmittel, Getränke (Produktion, Fertigung)“ oder über das Suchwort: Brauer und Mälzer.
www.berufsfeld-info.de

 

KURSNET
Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

  

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst nach Studiengängen rund um das Brauwesen und die Getränketechnologie suchen.
www.studienwahl.de

 

Deutscher Brauerbund (DBB)
www.brauer-bund.de

 

Bayerischer Brauerbund
www.bayerisches-bier.de


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Stand: 19.08.2019