Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Auch da sein, wenn die Eltern leiden

Ein Mann dokumentiert die Werte der Hemodialysemaschine während der Dialyse in einer Klinik
Felix Scheffke (23) entschied sich für den Beruf des Krankenpflegers, um viel Kontakt mit den Patienten zu haben.
Foto: Axel Jusseit

Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger

Auch da sein, wenn die Eltern leiden

Eigentlich wollte Felix Scheffke (23) Arzt werden. Doch während eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) merkte er, dass er als Pfleger viel mehr Kontakt mit den Patienten haben würde. Deshalb hat er sich umentschieden und macht nun eine Ausbildung zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger.

Bei den Neugeborenen hatte ich immer das Gefühl, ich habe die Zukunft in der Hand. Ich habe mich oft gefragt, was wohl aus den Kindern wird, wenn sie, so wie ich, um die zwanzig sein werden“, erinnert sich Felix Scheffke an seinen Einsatz auf einer Wöchnerinnenstation zu Beginn seiner Ausbildung zurück. Während der dreijährigen Ausbildung in der DRK-Kinderklinik Siegen durchläuft er mehrere Stationen. Dem Krankenhaus ist eine eigene Kinderkrankenpflegeschule angeschlossen. Dort wird die Theorie dazu gelehrt. Theorie und Praxis wechseln in durchgängigen Blockeinheiten ab.

Einsatz auf vielen verschiedenen Stationen

Ein Porträt-Foto von Felix Scheffke

Felix Scheffke

Foto: Arnd Dickel

Im ersten Praxisblock pflegte der 23-Jährige Kinder mit einer Störung des Nervensystems. Das medizinische Fachwort dafür heißt Neuropädiatrie. Es folgten Einsätze in einem Wohnheim für Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung und schließlich die Arbeit mit Neugeborenen. „Ich hatte immer gedacht, dass ich am liebsten mit Grundschulkindern arbeiten möchte, aber meine Arbeit auf der Wöchnerinnenstation war ein besonderer Einsatz, auch weil die Kinder dort in der Regel gesund sind.“

Jetzt ist Felix Scheffke im zweiten Ausbildungsjahr und lernt die chirurgische Ambulanz und die Arbeit im OP kennen. „Im OP führe ich Springertätigkeiten aus und beobachte so viel ich kann, um möglichst viel zu lernen. Ich versuche immer, so nah wie möglich bei der Operation zu sein oder verfolge die OP über den Monitor“, sagt er.

Den Menschen als Ganzes im Blick

Nach dem Abitur auf einem Berufskolleg für Gesundheit und Soziales wollte Felix Scheffke eigentlich Arzt werden. Zur Vorbereitung auf das Studium entschied er sich für ein FSJ auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Emmerich. „Das war eine sehr spannende Zeit, ich durfte auch in andere Abteilungen hereinschnuppern und konnte sehr viel beobachten und lernen. Dabei habe ich aber auch gesehen, dass Ärzte deutlich weniger Kontakt mit den Menschen haben als Pflegende. In der Pflege ist man den ganzen Tag bei den Patienten und kann sie richtig kennenlernen.“

Er ist froh, dass ihm dies vorab bewusst wurde. „Ohne das FSJ wäre ich nie in die Pflege gegangen“, betont er. Eine Aufgabe im FSJ war es, Patienten aus dem Aufwachraum des OPs zu übernehmen. Ab und zu überwachte Felix Scheffke auch Kinder und bemerkte dabei, dass er ihnen mehr Aufmerksamkeit widmete als Erwachsenen. „Wenn Kinder auf Station lagen, habe ich öfter nach ihnen geschaut, um zu sehen, dass auch alles gut ist“, sagt er. So sei er darauf gekommen, sich für die Kinderkrankenpflege zu entscheiden.

Große Empathie für die kleinen Patienten

„Die Herausforderung in der Arbeit mit kranken Kindern ist, dass sie emotionaler sind als Erwachsene“, merkt Felix Scheffke an. „Wenn Kinder, die vielleicht noch nicht sprechen können, leiden, oder Kinder, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, aus dem Leben gerissen werden, dann nimmt mich das schon mit. Da gilt es dann trotzdem, eine professionelle Distanz zu wahren“, betont er. Denn nur dann kann Felix Scheffke den Kindern und auch den Eltern helfen. „Die Elternarbeit, das Anleiten und Beraten von Eltern ist eine der wichtigsten Tätigkeiten in dem Beruf, vor allem auf der emotionalen Ebene“, erklärt der angehende Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger.

Theorie und Praxis miteinander vereint

Insgesamt wird der 23-Jährige vierzehn Stationen durchlaufen und genauso viele Theorieblöcke. Dabei bekommt er unter anderem einen Einblick in die Pflegewissenschaft, lernt in Gesundheitsfragen zu beraten und Rehabilitationskonzepte zu entwickeln. Am Ende der Ausbildung werden es 2.100 Theorie- und 2.500 Praxisstunden sein. Zur Ausbildung gehören auch Einsätze außerhalb der Kinderklinik. Bald wird er eine Kardiologie-Station für erwachsene Herzpatienten kennenlernen und sich mit den Anforderungen in der Neurologie befassen, sowie Einblick in die mobile Pflege bekommen. Dafür kooperiert sein Lehrkrankenhaus mit umliegenden Häusern.

Nach Abschluss der Ausbildung will sich Felix Scheffke spezialisieren: „Es gibt ganz viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Momentan strebe ich eine Zusatzausbildung für Intensivpflege oder Anästhesie an. Das ist eine schöne Mischung aus der Arbeit mit Kindern und eine höhere fachliche Herausforderung.“ Apropos Herausforderung: „Ohne das Gehalt eines Partners kann man kaum eine Familie ernähren“, bedauert er den geringen Verdienst, der ihn auch nach der Ausbildung erwarten wird. Dennoch glaubt er, sich richtig entschieden zu haben.

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

abi>> 12.02.2019

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts